1886-1929
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Franz Rosenzweig
Philosoph
- 1886
- 25. Dezember: Franz Rosenzweig wird als einziges Kind
des jüdischen Fabrikanten und Mitglieds des Stadtrats Georg
Rosenzweig und dessen jüdischer Ehefrau Adele (geb. Alsberg)
in Kassel geboren. Er wächst in einem assimilierten Elternhaus
auf.
- 1905
- Medizinstudium in Göttingen, München und Freiburg.
- 1908-1912
- Rosenzweig wechselt das Studienfach und studiert
Geschichte bei Friedrich Meinecke (1862-1954) in Berlin sowie
Philosophie bei Heinrich Rickert (1863-1936) in Freiburg.
- 1912
- Promotion mit einer Dissertation über die Entstehung
und Entwicklung der politischen Philosophie Georg Wilhelm Friedrich
Hegels (1770-1831), in der Rosenzweig die These von der
Irrelevanz des Individuums für die Gesamtheit kritisiert.
- 1913
- Er entschließt sich unter dem Einfluß seiner
beiden Cousins und seines bereits konvertierten Freundes Eugen
Rosenstock-Huessy (1888-1973), zum evangelischen Glauben überzutreten, macht diesen Entschluß aber später rückgängig.
- Rosenzweig entscheidet sich beim Besuch einer Synagoge an Jom
Kippur, die jüdische Überlieferung zu
studieren. Nach einem mehrmonatigen Studium bei Hermann Cohen
(1842-1918) in Berlin beschließt er, zukünftig den
Judaismus zu studieren und zu lehren.
- 1914-1918
- Während des Ersten Weltkriegs wird
er als Sanitäter in Belgien, bei der Artillerie sowie im
Gebiet um Warschau eingesetzt.
- Rosenzweig verfaßt die Entwürfe zu seinem religionsphilosophischen
Hauptwerk "Der Stern der Erlösung" an der mazedonischen
Front und sendet sie auf Feldpostkarten nach Deutschland. Er greift
die Philosophie des Idealismus an und spricht sich für ein
"neues Denken" aus. Im Dialog zwischen Gott, dem Menschen
und der Welt manifestieren sich deren Beziehungsformen: die Offenbarung,
die Schöpfung und die Erlösung.
- 1916/17
- Rosenzweig korrespondiert mit Rosenstock-Huessy über
die Probleme des Judaismus und der christlichen Theologie. Der
Briefwechsel erscheint später unter dem Titel "Judentum
und Christentum".
- 1917
- In "Zeit ist's. Gedanken über das jüdische
Bildungsproblem des Augenblicks" plädiert Rosenzweig
für eine Reform der jüdischen Bildung und Erziehung.
Damit gibt er den Anstoß für die spätere Gründung
der "Akademie für die Wissenschaft des Judentums"
durch Cohen.
- 1918
- Während der Teilnahme an einem Ausbildungskurs
für Offiziere nahe Warschau begegnet Rosenzweig erstmalig
der traditionellen ostjüdischen Lebenswelt und ist von deren
Vitalität tief beeindruckt.
- 1919
- Publikation seiner erweiterten Dissertation "Hegel
und der Staat".
- 1920
- Heirat mit Edith Hahn.
- Rosenzweig veröffentlicht "Bildung und kein Ende",
worin er den Plan für ein Zentrum der jüdischen Erwachsenenbildung
entwirft. Wenig später übernimmt er die Leitung des
"Freien jüdischen Lehrhauses" in Frankfurt/Main.
Die Studierenden lesen hier die klassischen hebräischen Quellen
und überprüfen sie auf ihre Relevanz. Die Einrichtung
wird Vorbild für weitere Schulen in ganz Deutschland.
- 1921
- Veröffentlichung von "Stern der Erlösung".
Von der akademischen Öffentlichkeit wenig beachtet, nimmt
das Werk wesentliche Einsichten der Sprach- und Existenzphilosophie
vorweg und findet breite Anerkennung bei jüngeren jüdischen
Theologen.
- Rosenzweig erkrankt an amyotrophischer Lateralsklerose, die fortschreitende
Lähmungserscheinungen nach sich zieht.
- 1922
- Er leidet unter starken Bewegungs- und Sprachstörungen,
die zur Aufgabe seiner Lehrtätigkeit führen.
- Geburt seines Sohnes Rafael.
- 1923
- Rosenzweig wird von Leo Baeck die Rabbinerwürde
verliehen.
- 1924
- Mit Unterstützung seiner Frau ist Rosenzweig weiterhin
literarisch tätig. Er signalisiert ihr durch Bewegungen seiner
Augenlider bestimmte Buchstaben des Alphabets.
- Publikation von "Sechzig Hymnen und Gedichte des Jehuda
Halevi", Rosenzweigs Übersetzung der Poesie des Judah
ha-Levi aus dem mittelalterlichen Hebräisch.
- 1925-1929
- Rosenzweig arbeitet gemeinsam mit Martin Buber
an der Übertragung der hebräischen Bibel ins Deutsche.
Zehn Bände werden unter seiner Mitarbeit übersetzt.
- Er veröffentlicht Kritiken klassischer und religiöser
Musik.
- 1926
- In dem Band "Zweistromland" versammelt Rosenzweig
einen Teil seiner Essays über Fragen jüdischen Denkens
und Lebens. Er vereinigt orthodoxe Glaubenstreue mit der Überzeugung
von der Notwendigkeit liberaler Grundsätze. Diese Haltung
wird durch seine innere Bindung an Palästina ergänzt.
- 1929
- In einer Sonderausgabe der Zeitschrift "Der Jude"
zu Bubers 50. Geburtstag publiziert Rosenzweig seine "Briefe
eines Nichtzionisten an einen Antizionisten".
- 10. Dezember: Franz Rosenzweig stirbt in Frankfurt/Main.
- Seine innovative Umdeutung traditionellen jüdischen Ideenguts
beeinflußt in den nachfolgenden Dekaden die jüdische
Theologie in erheblichem Maße.
- ab 1968
- Der Deutsche Koordinierungsrat der Deutschen Gesellschaften
für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit verleiht während
der Eröffnungsveranstaltung zur Woche der Brüderlichkeit
die Buber-Rosenzweig-Medaille. Ausgezeichnet werden Personen,
Institutionen oder Initiativen, die sich besonders um die Verständigung
von Juden und Christen verdient gemacht haben.
(se)
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