1897-1942
![[Photo: Rudolf von Scheliha, aufgenommen in der Haft, 1942]](../../../objekte/pict/679_2/200.jpg)
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Rudolf von Scheliha
Diplomat
- 1897
- 31. Mai: Rudolf von Scheliha wird als Sohn des Gutsbesitzers
Rudolph von Scheliha und dessen Ehefrau Elisabeth (geb. Miquel)
in Zessel (Schlesien, heute: Polen) geboren.
- 1915
- Nach dem Abitur meldet Scheliha sich als Freiwilliger
zur Teilnahme am Ersten Weltkrieg.
- 1915-1918
- Als Angehöriger des Kgl. Preußischen
Leibkürassier-Regiments "Großer Kurfürst"
und des Infanterie-Regiments Nr. 432 wird er in Polen, Rußland
und im Stellungskrieg um Verdun eingesetzt.
- Auszeichnung mit dem Eisernen Kreuz Erster sowie Zweiter Klasse
und mit dem Silbernen Verwundeten-Abzeichen.
- 1918
- 8. August: Scheliha wird gemeinsam mit zwei Leutnants
in einem Unterstand verschüttet. Er überlebt als einziger.
- Dezember: Scheliha immatrikuliert sich an der Breslauer Universität
für Jura.
- 1919
- Mai: Fortsetzung seines Studiums in Heidelberg.
- Scheliha tritt der schlagenden Verbindung "Saxo-Borussia"
bei.
- 1919/20
- Er wird für die "Vereinigung Heidelberger
Verbindungen" in den Allgemeinen Studentenausschuß
(AStA) gewählt.
- Scheliha protestiert gegen antisemitische Ausschreitungen in
der Studentenschaft.
- 1921
- Mai: Er beteiligt sich an den Aufständen der Deutschen
in Oberschlesien (heute: Polen). Entsprechend den Bestimmungen
des Versailler Vertrags entschied eine Volksabstimmung
über den Verbleib des Gebiets, wobei es zu bewaffneten Konflikten
zwischen der deutschen und der polnischen Bevölkerung kam.
- Scheliha besteht das Referendarsexamen.
- Dezember: Ernennung zum Referendar am Kammergericht Berlin durch
das Preußische Justizministerium.
- 1922
- Juli: Scheliha wird als Attaché in die Abteilung
Osteuropa des Auswärtigen Amts übernommen.
- 1924
- Er legt die Abschlußprüfung für den
Auswärtigen Dienst ab. Seine Urkunde unterzeichnet Gustav
Stresemann.
- 1925-1929
- Scheliha wird in den deutschen Auslandsvertretungen
in Prag, Konstantinopel (heute: Istanbul) und Angora (heute: Ankara)
eingesetzt.
- 1927
- Ernennung zum Legationssekretär.
- Heirat mit Marie von Medinger, Tochter eines Großgrundbesitzers
und Industriellen. Aus der Ehe gehen zwei Kinder hervor.
- 1929-1932
- Tätigkeit als Vizekonsul am deutschen Generalkonsulat
in Katowice (Polen).
- 1932-1939
- Scheliha arbeitet in der deutschen Auslandsvertretung
in Warschau. Ihm wird die Wahrnehmung aller protokollarischen
Aufgaben übertragen.
- Er unterhält freundschaftliche Beziehungen zur polnischen
Intelligenz und zum polnischen Adel.
- 1933
- Wenige Monate nach der Ernennung Adolf Hitlers
zum Reichskanzler wird Scheliha Mitglied der Nationalsozialistischen
Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP).
- 1934/35
- Scheliha ist mit der Organisation des Rahmenprogramms
anläßlich der Besuche von Joseph Goebbels, Hermann
Göring und Joachim von Ribbentrop in Warschau
betraut.
- 1935
- Er nimmt am Reichsparteitag der NSDAP in Nürnberg
teil, auf dem die sogenannten Nürnberger Gesetze verkündet
werden.
- 1936
- Scheliha begleitet den Leiter des Reichsrechtsamts der
NSDAP Hans Frank auf dessen Besuchen in Krakau und Zakopane.
- 1939-1942
- Nach Beginn des Zweiten Weltkriegs arbeitet
Scheliha für die neu gegründete Informationsabteilung
des Auswärtigen Amts in Berlin. In der Abteilung wird schriftliches
Propagandamaterial erstellt, das die Verbrechen des NS-Regimes
im Ausland vertuschen soll.
- Scheliha ermöglicht mehreren Polen und Juden die Flucht
ins Ausland. Er unterhält Kontakte zu Bischof Konrad Graf
von Preysing (1880-1950), der durch das von ihm gegründete
"Hilfswerk beim Bischöflichen Ordinariat Berlin für
katholische Nichtarier" vielen Verfolgten die Emigration
ermöglicht.
- Scheliha leitet Nachrichten über die Verbrechen an der polnischen
Bevölkerung und über die sogenannte Endlösung
der Judenfrage an das Ausland weiter.
- 1940
- Mai: Er wird verdächtigt, den Niederländern
den Angriffstermin der Wehrmacht mitgeteilt zu haben. Scheliha
kann den Verdacht zerstreuen.
- 1941
- Ernennung zum Legationsrat I. Klasse.
- Er kommt zu dem Schluß, daß Einzelaktionen gegen
das NS-Regime nicht mehr ausreichen. Scheliha nimmt Verbindung
zum Kreis um Oberst Henning von Tresckow auf und unterstützt
dessen Umsturzpläne.
- 1942
- 29. Oktober: Er wird gemeinsam mit seiner Frau von der
Geheimen Staatspolizei (Gestapo) verhaftet. Die Verhaftungen
von Mitgliedern, die von der Gestapo der "Roten Kapelle"
zugerechnet werden, liefern wahrscheinlich den Anlaß zu
seiner Festnahme.
- November: Schelihas Ehefrau wird aus der Haft entlassen.
- Gegen Scheliha wird wegen Hoch- und Landesverrat ermittelt. Er
wird der Spionage für die Sowjetunion verdächtigt.
- Dezember: Scheliha wird ohne Angabe von Gründen entlassen.
- 14. Dezember: Der 2. Senat des Reichskriegsgerichts in Berlin
verurteilt Scheliha wegen Landesverrats und Spionage zum Tode.
- 21. Dezember: Hitler weist ein Gnadengesuch ab und bestätigt
das Urteil.
- 22. Dezember: Rudolf von Scheliha wird in Berlin-Plötzensee
durch den Strang hingerichtet.
- 1960
- Das Auswärtige Amt bringt in seinem Bonner Amtsgebäude
eine Ehrentafel für die Mitglieder des Auswärtigen Dienstes
an, die ihr Leben im Widerstand gegen das NS-Regime verloren.
Schelihas Name, der noch immer mit dem Makel der Spionage für
die Sowjetunion behaftet ist, befindet sich nicht darunter.
(se)
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