1908-1974
![[Photo: Oskar Schindler, 1947]](../../../objekte/pict/oskarschindler/200.jpg)
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Oskar Schindler
Unternehmer
- 1908
- 28. April: Oskar Schindler wird als Sohn des Landmaschinenfabrikanten
Hans Schindler und dessen Frau Franziska (geb. Luser) in Zwittau
(heute: Svitavy, Tschechien) geboren.
- Schindler besucht die Volks- und Realschule und absolviert eine
Ausbildung zum Ingenieur im väterlichen Betrieb. Er belegt
zusätzlich Fachkurse in Maschinenbau und Dampfantriebstechnik.
- 1928
- 6. März: Schindler heiratet Emilie Pelzl,
die Tochter eines wohlhabenden Landwirts.
- 1930-1935
- Nach Schließung der väterlichen Landmaschinenfabrik
während der Weltwirtschaftskrise wird Schindler Leiter
der Verkaufsabteilung der Mährischen Elektrotechnischen AG
in Brünn (heute: Brno, Tschechien).
- 1935-1939
- Schindler arbeitet im Amt Ausland/Abwehr unter
Wilhelm Canaris im Bereich der deutschen Spionageabwehr
in Mährisch-Ostrau (heute: Ostrava, Tschechien) und Breslau
(heute: Wroclaw, Polen). Er ist mit der Beschaffung von Informationen
über polnische und tschechische Spione sowie der polnischen
Armee betraut.
- 1939
- 10. Februar: Eintritt in die Nationalsozialistische
Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP).
- März: Nachdem Schindlers Agententätigkeit verraten
und er von der tschechischen Polizei in Mährisch-Ostrau verhaftet
wird, klagen ihn die staatlichen Behörden wegen Hochverrats
an und verurteilen Schindler zum Tode. Die "Zerschlagung
der Rest-Tschechei" verhindert die Urteilsvollstreckung.
- Oktober: Nach dem deutschen Überfall auf Polen geht
Schindler nach Krakau und erwirbt zunächst als Pächter
die ehemalige Firma Rekord, eine Press- und Emaillierfabrik, für
die er Polen als billige Arbeitskräfte einstellt. Als "Deutsche
Emailwarenfabrik" (DEF) produziert die Firma Geschirr und
Kochutensilien für die Wehrmacht.
- 1940
- Schindler ist ebenfalls Pächter der Prokászimer
Glashütte bei Krakau und beschäftigt dort etwa 380 Menschen.
- Durch immer neue Produktionsaufträge wächst die Belegschaft
auf etwa 700 Arbeiter. Er unterhält zahlreiche Beziehungen zu hochrangigen
örtlichen Beamten, Wehrmachtsvertretern und Offizieren der
Schutzstaffel (SS).
- 1942
- Schindler erhält bei einer Versteigerung den Zuschlag
zum Kauf der DEF.
- Im Zuge der systematischen Beseitigung von Juden aus dem Erwerbsleben,
der Liquidierung der Ghettos und dem Beginn des NS-Völkermords
entschließt sich Schindler, mehr jüdische Arbeiter
in der Fabrik zu beschäftigen. Zusammen mit seiner Frau Emilie
kümmert er sich um eine bessere Versorgung der Zwangsarbeiter.
- Wegen seiner Unterstützung für Juden wird er bei der
Geheimen Staatspolizei (Gestapo) denunziert und kurzzeitig
verhaftet.
- 1943
- Aufgrund einer Einladung der jüdischen Hilfsorganisation
"Joint" reist Schindler nach Budapest und berichtet
Abgesandten der Organisation über der Situation der Juden
in Polen.
- März: Nach Auflösung des Krakauer Ghettos und dem Bau
des Konzentrationslagers (KZ) Krakau-Plasnow pendeln die
1.200 Arbeitskräfte zwischen Lager und Betrieb. Zum Schutz
seiner zumeist jüdischen Arbeiter erwirkt Schindler mit dem
Argument der Vereinfachung der Arbeitsorganisation und durch die
Bestechung von Militär-, Wirtschafts- und Parteivertretern
die Genehmigung zur Errichtung eines eigenen Lagers auf seinem
Fabrikgelände. Darin bringt er auch Juden unter, die in anliegenden
Betrieben arbeiteten. Für sämtliche Kosten bezüglich
Bau, Einrichtung und Unterhaltung des Lagers sowie die Verpflegung
der Häftlinge muß Schindler als Unternehmer selbst
aufkommen.
- Die DEF wird zum Rüstungsbetrieb erklärt.
- Die Prokászimer Glashütte muß wegen der Erweiterung
des Plaszower Bahngeländes aufgelöst werden.
- 1944
- Erneute Verhaftung durch die Gestapo wegen fortwährender
Bestechung eines SS-Führers. Zahlreiche alte Freunde unter
anderem aus seiner Zeit beim Amt Ausland/Abwehr helfen Schindler,
eine schnelle Haftentlassung zu erwirken.
- Wegen dem Vorrücken der Roten Armee erhält Schindler
den Räumungsbefehl durch das Heereswaffenamt Berlin für
seine Krakauer Fabrik. Ihm wird die Verlagerung seiner Rüstungsproduktion
nach Brünnlitz (heute: Brnìnec, Tschechien) bei Zwittau
genehmigt. Durch Bestechungen vor allem an den Lagerkommandant
des KZ Krakau-Plasnow, Amon Göth (1908-1946), gelingt es
Schindler, alle jüdischen Arbeiter mit nach Brünnlitz
zu nehmen, nachdem sie in Personallisten erfasst wurden. Die Männer
erreichen die Fabrik nach kurzem Aufenthalt im KZ Groß-Rosen,
die Frauen nach einer Irrfahrt über das Vernichtungslager
Auschwitz. Der Aufbau der neuen Fabrik, des angeschlossenen
Lagers und der Unterhalt der Zwangsarbeiter wird von Schindler
vollständig finanziert. Er rettet dadurch zusammen mit seiner
Frau Emilie über 1.300 Juden vor dem Tod.
- Die DEF in Krakau arbeitet mit ca. 650 polnischen Arbeitskräften
bis zum Einmarsch der sowjetischen Armee weiter.
- 1945
- 8. Mai: Von der deutschen Kapitulation erfährt
Schindler in seiner Brünnlitzer Fabrik im Radio.
- 1945-1949
- Nach einer fehlgeschlagenen Flucht in die Schweiz
leben Oskar und Emilie Schindler als Flüchtlinge in Konstanz
und Regensburg. Ein wirtschaftlicher Neuanfang scheitert: Sie
leben von Unterstützungen der jüdischen Hilfsorganisation
"Joint".
- 1949
- Schindler wandert mit seiner Frau Emilie nach Argentinien
aus. Er arbeitet als technischer Berater für den Einkauf
von Industrieanlagen zur Geflügel- und Nutriazucht aus Deutschland.
- 1957
- Nach seiner alleinigen Rückkehr in die Bundesrepublik
Deutschland versucht er durch Mittel aus den Lastenausgleichfonds
eine neue Existenz aufzubauen. Eine abermalige Karriere als Unternehmer
in verschieden Branchen (Getränkeindustrie, Lederwarenfabrik,
Kunst- und Betonsteinwerk, etc.) mißlingt.
- 1961
- Erster Israelbesuch Schindlers, dem sieben weitere folgen.
- 1963
- Die von Schindler geretteten Juden initiieren zur wirtschaftlichen
Unterstützung Schindlers den "Oskar Schindler Fund".
- 1964
- 13. November: Unterzeichnung des Vertrages über
einen Spielfilm mit dem amerikanischen Produzenten Martin Gosch,
der die Geschehnisse der Judenrettung Schindlers thematisieren
soll.
- 1965
- 5. November: Verleihung des Bundesverdienstkreuzes erster
Klasse.
- 1967
- 18. Juli: Schindler wird von der Holocaust-Gedenkstätte
Yad Vashem/Jerusalem als "Gerechter unter den Völkern"
geehrt und erhält einen Baum in der "Allee der Gerechten".
Die Gedenkstätte erinnert an jene Menschen, die während
des NS-Regimes Juden gerettet und unterstützt haben.
- 4. Dezember: Verleihung des Martin-Buber-Friedenspreises.
- 1968
- 18. Oktober: Papst Paul VI. ehrt Schindler für
seine besonderen Verdienste um die katholische Kirche mit dem
Silvester-Orden.
- 1971
- Schindler ist ehrenamtlicher Geschäftsführer
des Bundesverbandes der Freunde der Hebräischen Universität
Jerusalem in Deutschland.
- 1972
- Schlaganfall mit halbseitiger Lähmung.
- 1974
- 23. September: Schindler wird operativ ein Herzschrittmacher
eingesetzt.
- 9. Oktober: Oskar Schindler stirbt im Bernwardkrankenhaus in
Hildesheim.
- 29. Oktober: Nach einer evangelischen und katholischen Trauerfeier
in Frankfurt/M. wird Oskar Schindler auf eigenem Wunsch hin auf
dem Franziskaner-Friedhof in Jerusalem auf dem Berg Zion beigesetzt.
(jl)
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