1888-1943
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Oskar Schlemmer
Maler, Zeichner, Graphiker, Plastiker
- 1888
- 4. September: Oskar Schlemmer wird als Sohn des Kaufmanns
und Hobby-Komödienschreibers Carl Leopold Schlemmer und dessen
Frau Wilhelmine (geb. Neuhaus) in Stuttgart geboren. Er ist Jüngster
von sechs Geschwistern.
- 1899
- Übersiedlung nach Göppingen. Schlemmer besucht
dort die Realschule, er ist Klassenprimus und erhält bei
Jugend-Ausstellungen bereits erste Preise.
- 1902
- Finanzielle Gründe zwingen ihn nach dem Tod des
Vaters, die Schule zu verlassen.
- 1903-1905
- Ausbildung als kunstgewerblicher Zeichner in der
Stuttgarter Intarsienfirma Wölfel & Kiesling.
- 1906-1910
- Nach einem Semester an der Kunstgewerbeschule wird
Schlemmer Stipendiat an der Stuttgarter Akademie der bildenden
Künste.
- Beginn der Freundschaft mit den Malern Willi Baumeister
und Otto Meyer-Amden (1885-1933).
- 1911
- Als freier Maler setzt er sich in Berlin u. a. mit dem
Kubismus auseinander und bekommt Kontakt zum "Sturm"-Kreis
um Herwarth Walden (1878-1941).
- 1912
- Er wird Meisterschüler bei Adolf Hölzel (1853-1934)
in Stuttgart.
- 1913
- Mit seinem Bruder Wilhelm eröffnet er den "Neuen
Kunstsalon am Neckartor" und stellt avantgardistische Kunst
aus. Die negative Resonanz in Presse und Öffentlichkeit trägt
dazu bei, daß die Galerie im folgenden Jahr wieder schließt.
- 1914
- Zusammen mit Baumeister und Hermann Stenner (1891-1914)
führt er Wandbilder für die Haupthalle der Deutschen
Werkbundausstellung in Köln aus.
- 1914-1918
- Schlemmer nimmt als Freiwilliger am Ersten Weltkrieg
teil.
- Nach einer Verletzung folgen Lazarettaufenthalte und Rekonvaleszenz
in der Heimatgarnison. Ein Urlaub von November 1915 bis Januar
1916 und anschließender Kasernendienst erlauben es ihm,
wieder zu malen. Gemälde wie "Homo", "Komposition
auf Rosa" und "Bild K" zeigen seine Neigung zur
Abstraktion.
- 1918
- Ausstellung mit Baumeister im Kunsthaus Schaller in
Stuttgart.
- 1919
- Schlemmer schließt sich mit Baumeister und weiteren
Künstlern zur "Üecht-Gruppe" zusammen. Sie
kämpfen in Stuttgart für eine Erneuerung der akademischen
Ausbildung und setzen sich - ohne Erfolg - für die Berufung von
Paul Klee ein.
- 1920
- Zusammen mit Baumeister stellt er in der Berliner Galerie
"Der Sturm" neue Arbeiten aus.
- Herbst: Er heiratet Helena Tutein. Aus der Ehe gehen zwei Töchter
und ein Sohn hervor.
- Walter Gropius beruft ihn an das Bauhaus in Weimar.
Im folgenden Jahr leitet er dort die Werkstatt für Steinbildhauerei
und Wandmalerei sowie den Aktzeichenunterricht.
- 1922
- 30. September: Sein "Triadisches Ballett"
wird am Stuttgarter Landestheater uraufgeführt. Bis Ende
der 20er Jahre ist er immer wieder mit Bühnenprojekten beschäftigt.
- Mit dem Gemälde "Die Geste (Tänzerin)" findet
er zu seiner neuen, raumplastischen Malerei. In der Folge entstehen
u.a. "Der Tänzer" (1923) sowie "Römisches",
"Frauentreppe", "Konzentrische Gruppe", "Ruheraum"
(1925).
- 1923
- Schlemmer übernimmt die Bühnenarbeit am Bauhaus
und führt die Wandgestaltung im Werkstattgebäude aus.
- 1925
- Das Bauhaus übersiedelt nach Dessau. Schlemmer
übernimmt wieder die Bühnenarbeit.
- 1928
- Er erteilt am Bauhaus das Unterrichtsfach "Der
Mensch".
- Auf der Deutschen Kunst-Ausstellung in Düsseldorf wird er
mit der Goldmedaille ausgezeichnet.
- 1929
- Sommer: Schlemmer wird an die Staatliche Akademie für
Kunst und Kunstgewerbe in Breslau berufen.
- Auf der Bauhaus-Ausstellung in Basel erregt seine Malerei Aufsehen,
Auszeichnungen erhält er auf den Austellungen in Köln
(Deutscher Künstlerbund) und Darmstadt (Der schöne Mensch
in der neuen Kunst).
- 1930
- Auf Geheiß des thüringischen Staatsministers
für Inneres und Volksbildung Wilhelm Frick von der
Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP)
wird Schlemmers Wandgestaltung im Weimarer Werkstattgebäude
zerstört.
- Fertigstellung des Folkwang-Zyklus in Essen.
- Schlemmers "barocke Phase" beginnt. Sie ist gekennzeichnet
durch betontere Farbigkeit und Bewegung.
- 1931
- In Berlin veranstaltet die Galerie Flechtheim eine Einzelausstellung,
die nachfolgend in Krefeld und Zürich gezeigt wird.
- 1932
- 1. April: Die Breslauer Akademie wird durch Notverordnung
geschlossen.
- Sommer: Ruf an die Vereinigten Staatsschulen für Kunst und
Kunstgewerbe in Berlin.
- Er malt sein berühmtestes Gemälde: "Die Bauhaustreppe".
- 1933
- 14. März: Einen Tag nach der Ernennung Josef
Goebbels zum Reichsminister für Volksaufklärung
und Propaganda wird Schlemmers erste große Retrospektive
in Stuttgart noch vor der Eröffnung vom NS-Regime
geschlossen.
- An den Vereinigten Staatsschulen radikalisieren sich die Richtungskämpfe.
Auf einem NS-Plakat werden Schlemmer und einige seiner Kollegen
als "destruktive, marxistisch-jüdische Elemente"
diffamiert.
- 17. Mai: Schlemmer wird fristlos gekündigt.
- In der Schweiz ordnet er den Nachlaß seines im Januar verstorbenen
Freunds Meyer-Amden.
- 1934
- Schlemmer verfaßt eine Biographie über Meyer-Amden.
Die Familie übersiedelt nach Eichberg bei Stein am Rhein.
- Seine Essener Wandbilder werden magaziniert.
- 1937
- Fünf seiner besten Gemälde, die aus deutschen
Museen entfernt wurden, werden auf der Münchener Ausstellung
"Entartete Kunst" gezeigt.
- Übersiedlung in ein eigenes Haus in Sehringen bei Badenweiler.
- 1938
- Der Verkauf seiner Bilder wird fast ganz unmöglich.
Durch Vermittlung von Baumeister bekommt er eine Anstellung bei
der Stuttgarter Malerfirma Kämmerer.
- Beteiligung an der Ausstellung "Twentieth Century German
Art" in London und der Bauhaus-Ausstellung in New York.
- 1940
- Er arbeitet für die Wuppertaler Lackfabrik Dr.
Herberts, bei der auch andere verfemte Künstler, unter ihnen
Baumeister, Beschäftigung finden.
- 1941
- Mitarbeit an verschiedenen maltechnischen Publikationen
der Firma Herberts.
- Es entstehen eine Folge von Probetafeln ("Modulation
und Patina") und Entwürfe zu einem "Lackkabinett".
- 1942
- In Wuppertal fertigt er die Serie der Fensterbilder.
Im Herbst arbeitet er wieder für die Stuttgarter Malerfirma
und erkrankt.
- 1943
- 13. April: Oskar Schlemmer stirbt nach mehrmonatiger
Krankheit während eines Kuraufenthalts in Baden-Baden.
(rg)
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