1902-1999
![[Postkarte: Gertrud Scholtz-KLink, 1937]](../../../objekte/pict/99002245/200.jpg)
![[Photo: Gertrud Scholtz-Klink beim Osthannoverschen Gautag, 1939]](../../../objekte/pict/ba106745/200.jpg)
![[Photo: Gertrud Scholtz-Klink mit Familie, 1940]](../../../objekte/pict/ba008658/200.jpg)
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Gertrud Scholtz-Klink
Reichsfrauenführerin
- 1902
- 9. Februar: Gertrud Treusch wird als Tochter eines Vermessungsbeamten
in Adelsheim (Baden) geboren.
- Nachdem sie die Schule und Ausbildung absolviert hat, arbeitet
sie als Lehrerin und Journalistin.
- 1920
- Sie heiratet den Lehrer und späteren Offenburger
Bezirksleiter der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei
(NSDAP) Friedrich Klink. Aus der Ehe gehen sechs Kinder hervor.
- 1929
- September: Gertrud Klink tritt in die NSDAP ein, von deren Propaganda
sie sich angezogen fühlt.
- ab 1929
- Angeregt durch ihren Mann, leistet sie Sozialarbeit
zu Propagandazwecken für die NSDAP. Sie beginnt, Anhängerinnen
des Nationalsozialismus in Offenburg in organisierter Form zusammenzufassen.
- 1930
- März: Während einer Wahlkundgebung stirbt
ihr Ehemann an einer Herzattacke. Danach intensiviert Klink ihren
Einsatz für die NSDAP, um sein Vermächtnis zu wahren.
- Oktober: Sie wird zur Gauleiterin des zwei Jahre zuvor als NSDAP-Gliederung
anerkannten Deutschen Frauenordens (DFO), einer ursprünglich
unabhängigen Frauengruppe der Völkischen in Baden,
berufen.
- ab 1931
- Oktober: Nachdem Gregor Strasser den DFO und
die mit ihm konkurrierenden Frauenverbände aufgelöst
hat, wird die Nationalsozalistische Frauenschaft (NSF)
als alleinige Frauenorganisation der Partei gegründet. Klink
übernimmt im Gau Baden die Leitung. Aufgrund ihrer erfolgreichen
Arbeit wird sie gebeten, die Organisation auch im Gau Hessen aufzubauen.
Fortan setzt sie sich aktiv für den reichsweiten Ausbau der
NSF ein und mobilisiert Frauen zum Arbeitseinsatz für Projekte
der NSDAP.
- 1932
- Klink heiratet den Landarzt Günther Scholtz.
- 1933
- Januar: Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme
gewinnt sie in dem badischen Reichsstatthalter Robert Wagner (1859-1946)
einen persönlichen Gönner, der ihre Karriere unterstützt.
Er ernennt sie zur Referentin für Frauenfragen im badischen
Innenministerium.
- 1934
- 24. Februar: Ihre Ernennung zur ersten Reichsführerin
der NSF und Leiterin des Deutschen Frauenwerks (DFW) läßt
sie in die Spitzenposition innerhalb der NS-Frauenorganisationen
aufsteigen. Sie fungiert vor allem als Aushängeschild, während
die eigentlichen Kompetenzen beim Chef der NS-Volkswohlfahrt (NSV)
Erich Hilgenfeldt liegen. Dieser übernimmt in
der Parteileitung das Amt Frauenfragen, Scholtz-Klink wird seine
Stellvertreterin.
- Juni: Sie wird zur Leiterin des Reichsfrauenbunds des Deutschen
Roten Kreuzes (DRK) berufen.
- Juli: Scholtz-Klink übernimmt zusätzlich die Leitung
des Frauenamts der Deutschen Arbeitsfront (DAF), in der
alle berufstätigen Frauen zwangsorganisiert sind und mit
Propagandamaterial wie der kostenlosen Zeitschrift "Frau
am Werk" versorgt werden.
- November: Dank der Fürsprache Wagners wird Scholtz-Klink
von Adolf Hitler offiziell zur Reichsfrauenführerin
berufen. Damit ist sie Leiterin sämtlicher Frauenorganisationen
des NS-Regimes und nominell die einflußreichste Frau
im Reich. Ihre Blitzkarriere steht in engem Zusammenhang mit dem
ideologietreuen NS-Frauenbild, das sie propagiert. Sie geht von einer
unterschiedlichen Einflußsphäre der Geschlechter aus
und zweifelt die Vorherrschaft der männlichen NSDAP-Führung
in allgemeinen politischen Fragen grundsätzlich nicht an.
- 1936
- November: Sie erhält das "Goldene Ehrenzeichen"
der NSDAP, das zu propagandistischen Zwecken an Personen mit Vorbildfunktion
verliehen wurde.
- 1939
- Bei einem Besuch in Großbritannien wird sie von
der englischen Presse als "The Perfect Nazi Woman" betitelt.
Der nationalsozialistischen Auslandspropaganda ist es dienlich,
sie als wichtige Persönlichkeit der NS-Führung herauszustellen,
obwohl sie tatsächlich der männlichen Parteileitung
untergeordnet ist.
- 1940
- Scholtz-Klink heiratet den Obergruppenführer der
Schutzstaffel (SS) August Heißmeyer, nachdem ihre
Ehe mit Scholtz zwei Jahre zuvor geschieden wurde.
- 1944
- 21. Mai: Sie fordert alle deutschen Frauen am Muttertag
zu "Geburtshöchstleistungen" auf. Ausgezeichnet
mit dem goldenen Mutterkreuz, gibt sie mit elf Kindern
ein offensichtliches Vorbild für Gebärfreudigkeit. Kritiker
werfen ihr jedoch vor, aufgrund ihrer Arbeitsbelastung durch die
enorme Ämterhäufung die Familie zu vernachlässigen.
- 1945
- Sommer: Nach der deutschen Kapitulation im Zweiten Weltkrieg wird Scholtz-Klink für kurze Zeit in einem
sowjetischen Kriegsgefangenenlager interniert, aus dem sie jedoch
fliehen kann.
- 1945-1948
- Sie findet Zuflucht in Schloß Bebenhausen
bei Tübingen. Mit ihrem Mann lebt sie dort unter den falschen
Namen Heinrich und Maria Stuckebrock. Unter den Falschangaben
findet eine Entnazifizierung beider Personen statt.
- 1948
- 28. Februar: Scholtz-Klink und ihr Ehemann werden enttarnt
und verhaftet.
- 14. April: Wegen Urkundenfälschung verhängt ein französisches
Militärgericht eine Haftstrafe von 18 Monaten über das
Ehepaar.
- 1949
- Die Tübinger Spruchkammer verurteilt sie als ehemalige
Reichsfrauenführerin ebenfalls zu 18 Monaten Gefängnis,
die aber als bereits verbüßt gelten.
- 1950
- 5. Mai: Eine Revisionsinstanz stuft Scholtz-Klink in
die Gruppe der "Hauptschuldigen" ein und verurteilt
sie zu 30 Monaten Arbeitslager. Dem relativ milden Urteil werden
Auflagen hinzugefügt, die ihr lebenslänglich die politische
Betätigung und für zehn Jahre die Berufsausübung
als Journalistin und Lehrerin verbieten. Außerdem werden
ihr das Wahlrecht sowie die Beitrittsfähigkeit zu Parteien
und Gewerkschaften aberkannt und eine Geldstrafe auferlegt.
- ab 1953
- Scholtz-Klink lebt nach Verbüßung der
Strafe zurückgezogen in Tübingen-Bebenhausen.
- 1978
- Ihr autobiographisches Buch "Die Frau im Dritten
Reich" erscheint. Es gilt als Zeichen ihrer ungebrochenen
Begeisterung für den Nationalsozialismus. Anstelle einer
reflektierten Lebensschau vermittelt es vielmehr den Charakter
eines dienstlichen Rechenschaftsberichts.
- 1999
- 24. März: Gertrud Scholtz-Klink verstirbt in Bebenhausen.
(mki)
Gertrud Scholtz-Klink: Über die Stellung der Frau im nationalsozialistischen Deutschland, Herbst 1939
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