1892-1946

[Photo: Arthur Seyß-Inquart und Josef Bürckel, 1938]



Arthur Seyß-Inquart

Politiker



1892
22. Juli: Arthur Seyß-Inquart wird in Stannern bei Iglau (heute: Stonarov, Tschechien) als Sohn eines Gymnasialdirektors geboren.

ab 1910
Nach dem Abschluß der Schule studiert er Jura in Wien.

1915-1918
Seyß-Inquart nimmt als Soldat am Ersten Weltkrieg teil. Nach eigener Aussage entwickelt er sich in dieser Zeit zum Antisemiten.

ab 1921
Er läßt sich mit einer Rechtsanwaltskanzlei in Wien nieder. Als Verfechter eines Anschlusses Österreichs an Deutschland engagiert er sich in katholisch-nationalen Verbänden.

1925
Seyß-Inquart übernimmt den Parteivorstand des Deutsch-Österreichischen Volksbunds.
Außerdem wird er Mitglied im Steirischen Heimatschutz.

ab 1931
Er baut Kontakte zur österreichischen Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) auf.

1937
Juni: Auf Drängen des Deutschen Reichs wird Seyß-Inquart in den österreichischen Staatsrat berufen. Er soll eine Verbindung zur "nationalen Opposition" in Österreich herstellen.

1938
Seyß-Inquart tritt der NSDAP bei.
12. Februar: Im Gespräch mit dem österreichischen Bundeskanzler Kurt von Schuschnigg droht Adolf Hitler mit dem Einmarsch der Wehrmacht, wenn das NSDAP-Verbot nicht aufgehoben wird. Hitler fordert, die Nationalsozialisten an der Regierung zu beteiligen.
16. Februar: Seyß-Inquart erhält daraufhin das Ministerium für innere Verwaltung und Sicherheit, wodurch er über die Polizei in Österreich verfügt.
11. März: Nach dem Rücktritt Schuschniggs bildet er als neuer Bundeskanzler die nationalsozialistische Bundesregierung, welche die Anbindung Österreichs an das Deutsche Reich unterstützt. Er ruft die bereits marschierenden deutschen Truppen offiziell ins Land.
13. März: Seyß-Inquart übernimmt die Vollmachten des Bundespräsidenten Wilhelm Miklas (1872-1956), der aus Protest zurücktritt. Miklas verweigert die Unterschrift unter Hitlers Gesetz zum Anschluß Österreichs an das Deutsche Reich, während Seyß-Inquart die nationalsozialistischen Forderungen bereitwillig durchführt. Die staatlichen Einrichtungen Österreichs werden daraufhin durch deutsche Behörden übernommen und alle österreichischen Beamten auf die Person Hitlers vereidigt.
16. März: Seyß-Inquart erhält die Reichsstatthalterschaft im Rang eines Obergruppenführers der Schutzstaffel (SS).

1939
1. Mai: Mit Inkrafttreten des Ostmarkgesetzes wird die österreichische Regierung aufgelöst, woraufhin Seyß-Inquart als Reichsminister ohne Geschäftsbereich fungiert.
12. Oktober: Nach dem Überfall auf Polen und dem Beginn des Zweiten Weltkriegs wird er zum Stellvertreter des Generalgouverneurs Hans Frank in den besetzten polnischen Gebieten. Das dort entstehende rücksichtslose Okkupationsregime trägt maßgeblich seine Handschrift: Seyß-Inquart ist verantwortlich für Ausplünderung, Menschenverschleppung und Vernichtung der Führungsschicht in Polen.

1940
29. Mai: Hitler ernennt ihn zum Reichskommissar in den besetzten Niederlanden.

1940-1945
Seyß-Inquart läßt auf äußerst rücksichtslose Weise Arbeitskräfte zwangsrekrutieren, die niederländische Wirtschaft ausbeuten und die Deportation von Juden in Konzentrationslager vornehmen. Außerdem initiiert er die Verfolgung von Mitgliedern des niederländischen Widerstands und ordnet zahlreiche Geiselerschießungen an.

1941
Ernennung zum regulären SS-Obergruppenführer.
28. Februar: Seyß-Inquart führt in den Niederlanden den Zwangsarbeitsdienst ein.
22. September: Er ordnet die Übernahme aller deutschen Erlasse in bezug auf Juden für die Niederlande an.

1943
30. April: Nach der erneuten Internierung von Zwangsarbeitern kommt es in den Niederlanden zu einem Generalstreik. Seyß-Inquart verhängt daraufhin den Ausnahmezustand.

1944
30. Juli: Die Blutbäder in den Niederlanden auf Geheiß Seyß-Inquarts eskalieren nach einem Hitlerbefehl. Er nutzt die Anordnung Hitlers, Akteure des Widerstands unmittelbar der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) zur Exekution zu übergeben, zu detaillierten Erschießungsbefehlen. Teilweise legt er die Zahl der Opfer vorher fest.

1945
1. Mai: Nach dem Selbstmord Hitlers verliert der deutsche Außenminister Joachim von Ribbentrop sein Amt, da Hitler in seinem Testament Arthur Seyß-Inquart für diesen Posten ernannt hat.
Kanadische Truppen nehmen Seyß-Inquart in den Niederlanden fest und überstellen ihn der militärischen Justiz.

1946
1. Oktober: Im Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozeß erhält er für seine Verbrechen in Polen und den Niederlanden, vor allem für die Judendeportationen, Geiselerschießungen und Unterdrückungsmaßnahmen, die Todesstrafe.
16. Oktober: Arthur Seyß-Inquart wird als einer von insgesamt zehn Hauptschuldigen des NS-Regimes hingerichtet.

(mki)

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