1907-1944
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Claus Schenk Graf von Stauffenberg
Militär
- 1907
- 15. November: Claus Schenk Graf von Stauffenberg wird als Sohn des
Oberhofmarschalls Alfred Stauffenberg und dessen Ehefrau Caroline
(geb. Gräfin Üxküll-Gyllenband) in Jettingen (Bayern)
geboren. Zu seinen Vorfahren mütterlicherseits gehört der
Heeresreformer General August Graf Neithardt von Gneisenau
(1760-1831).
- Er ist Zeit seines Lebens gläubiger Katholik.
- 1923
- Stauffenberg und sein Bruder Berthold Schenk Graf von Stauffenberg
(1905-1944) werden in den Kreis um
Stefan George
eingeführt. Stauffenberg verehrt den Dichter vorbehaltlos bis an
sein Lebensende.
- 1926
- 1. April: Nach vorzeitiger Ablegung des Abiturs tritt Stauffenberg in
das traditionsreiche 17. Reiterregiment in Bamberg ein.
- 1927/28
- Ausbildung an der Infanterieschule in Dresden.
- 1932
- April: Anläßlich der Reichspräsidentenwahl spricht
sich Stauffenberg gegen
Paul von Hindenburg und zugunsten von
Adolf Hitler aus.
- 1933
- Mai: Ernennung zum Leutnant. Stauffenberg ist an der
militärischen Ausbildung der Mitglieder der
Sturmabteilung
(SA) beteiligt und organisiert die Übergabe illegaler
Waffendepots an die Reichswehr.
- 26. September: Heirat mit Nina Freiin von Lerchenfeld. Aus der Ehe
gehen zwei Töchter und drei Söhne hervor.
- 1934
- Versetzung an die Kavallerieschule Hannover. Die Kavallerie wird
zunehmend zur motorisierten und gepanzerten Truppe ausgebaut.
- 1936
- 6. Oktober: Beginn des Studiums an der Kriegsakademie in
Berlin-Moabit.
- 1938
- Absolvierung einer Generalstabsausbildung in Berlin.
- Beförderung zum Zweiten Generalstabsoffizier unter
Generalleutnant Erich Hoepner.
- Stauffenberg und Hoepner nehmen an der Besetzung des tschechischen
Sudetenlands teil.
- 1939
- Mit Beginn des
Zweiten Weltkriegs Einsatz als Oberleutnant in einer Panzerdivision im Polenfeldzug.
- Peter Graf Yorck von Wartenburg und
Ulrich Graf Schwerin von Schwanenfeld (1902-1944)
bitten Stauffenberg, sich zum Adjutanten
Walther von Brauchitschs, des Oberbefehlshabers des Heeres, ernennen zu lassen, um an einem
Umsturzversuch teilzunehmen. Stauffenberg lehnt ab.
- 1940
- Er nimmt als Generalstabsoffizier an der Westoffensive gegen Frankreich teil.
- Berufung in die Organisationsabteilung des Oberkommandos des Heeres.
- 1941
- Dezember: Stauffenberg begrüßt die Vereinheitlichung der
Befehlsgewalt des Oberbefehlshaber des Heeres und des Obersten
Befehlshabers der Wehrmacht in Hitlers Händen.
- 1942
- Angesichts der deutschen Massenmorde an den Juden, Polen, Russen und
weiteren von den Nationalsozialisten stigmatisierten
Bevölkerungsgruppen, aber auch wegen der unsachgemäßen
militärischen Führung schließt Stauffenberg sich dem
militärischen Widerstand an.
- Er ist sich bewußt, daß die Wehrmacht als eine von der
Geheimen Staatspolizei (Gestapo) und vom
Sicherheitsdienst
(SD) kaum infiltrierte Organisation über die nötigen
Machtmittel zum Umsturz verfügt. Wie viele andere Militärs
auch, fühlt er sich zunächst durch seinen Treueeid
gegenüber Hitler gebunden.
- Gemeinsam mit seinem Bruder Berthold und mit den Mitgliedern des
Kreisauer Kreises ist er an den Entwürfen zu Regierungserklärungen für
die Zeit nach dem Umsturz beteiligt. Die Verschwörer legen sich
auf die Wiederherstellung der vor 1933 in der Verfassung garantierten
Freiheiten und Rechte fest, lehnen jedoch die Wiederherstellung der
parlamentarischen Demokratie ab.
- 1943
- Stauffenberg wird zur 10. Panzerdivision versetzt, die den
Rückzug General Erwin Rommels
in Afrika decken soll. Durch einen Tieffliegerangriff verliert er ein
Auge, die rechte Hand und zwei Finger der linken Hand.
- Nach seiner Genesung in Deutschland erarbeitet Stauffenberg gemeinsam
mit General
Friedrich Olbricht,
Alfred Ritter Mertz von Quirnheim und
Henning von Tresckow den
Operationsplan "Walküre". Nach offizieller Lesart dient der Plan der Niederwerfung
innerer Unruhen.
- Oktober: Stauffenberg wird zum Stabschef des Allgemeinen Heeresamts in
der Berliner Bendlerstraße ernannt, wodurch er Zugang zu den
Lagebesprechungen in den Führerhauptquartieren erhält. Er
untersteht Olbricht, dem Leiter des Allgemeinen Heeresamts, und baut
mit dessen Förderung ein militärisch-oppositionelles Netz
auf. Er koordiniert die Attentatspläne mit
Carl-Friedrich Goerdeler und
Ludwig Beck und hält Verbindung zum zivilen Widerstand um
Julius Leber,
Wilhelm Leuschner
sowie zu den Mitgliedern des Kreisauer Kreises. Die Umsturzpläne
sehen für Stauffenberg den Rang eines Staatssekretärs im
Reichskriegsministerium vor.
- 1944
- Januar: Nach der Verhaftung Helmuth James Graf von Moltke
finden keine Treffen des Kreisauer Kreises mehr statt. Die Mehrheit
der Mitglieder stellt sich Stauffenberg trotz Moltkes bekannter
Vorbehalte zur Durchführung des Attentats zur Verfügung.
- 1. Juni: Ernennung Stauffenbergs zum Stabschef des Befehlshabers des
Ersatzheers..
- 5. Juli: Er erfährt von der Verhaftung Adolf Reichweins
und Lebers. Er entschließt sich nach mehreren mißlungenen
Attentatsversuchen auf Hitler, den Anschlag persönlich
auszuführen.
- 11. Juli: Da die Verschwörer die gemeinsame Beseitigung Hitlers
und seiner potentiellen Nachfolger
Hermann Göring
und
Heinrich Himmler
planen, unterläßt Stauffenberg auf Hitlers
"Berghof" in Berchtesgaden die Zündung des
Sprengstoffs, als er Hitler allein vorfindet.
- 15. Juli: Trotz der erneuten Abwesenheit Görings und Himmlers
beabsichtigt Stauffenberg im Führerhauptquartier
"Wolfsschanze" bei Rastenburg (Ostpreußen, heute:
Polen) die Zündung des Sprengstoffs. Nachdem er sich telefonisch
bei Olbricht in Berlin rückversichert hat, kehrt er zur
Besprechung zurück. Hitler hat den Raum jedoch bereits
verlassen. In Berlin kann der von Olbricht ausgelöste
"Walküre"-Alarm als Übung kaschiert werden.
- 20. Juli, ca. 7.00 Uhr: Stauffenberg fliegt gemeinsam mit seinem
Adjutanten
Werner von Haeften von Berlin zum Führerhauptquartier "Wolfsschanze".
- Ca. 11.30 Uhr: Stauffenberg und Haeften gelingt es nur, einen der
beiden vorgesehenen Sprengsätze scharf zu machen.
- Ca. 12.35 Uhr: Stauffenberg betritt den Besprechungsraum. Das
Gedränge verhindert, die Tasche mit dem Sprengstoff unmittelbar
neben Hitler zu deponieren. Stauffenberg stellt sie weiter entfernt ab
und verläßt unter einem Vorwand den Raum.
- 12.42 Uhr: Die Sprengladung detoniert in dem mit 24 Personen besetzten
Raum. Hitler befindet sich unter den 20 Überlebenden.
Erich Fellgiebel (1886-1944) läßt an die Mitverschwörer in Berlin weiterleiten:
"Es ist etwas Furchtbares geschehen: der Führer lebt!".
- 12.50-14.00 Uhr: Fellgiebels nicht eindeutige Nachricht erreicht
Olbricht. Er zögert, den "Walküre"-Alarm
auszulösen.
- Nach der Bombenexplosion wird das Führerhauptquartier abgesperrt.
Stauffenberg und Haeften können die Wachmannschaften
täuschen und gelangen zum Flugplatz.
- Die beiden Attentäter starten zum Rückflug nach Berlin.
Stauffenberg ist überzeugt, Hitler getötet zu haben.
- Ca. 15.00 Uhr: In Rangsdorf bei Berlin geben sie telefonisch die
Meldung an die Bendlerstraße durch: "Hitler ist tot."
Mertz von Quirnheim überredet den immer noch zögernden
Olbricht, die Staatsstreicheinheiten zu alarmieren.
- Ab ca. 16.45 Uhr: Stauffenberg und Haeften treffen in der
Bendlerstraße ein. Der in das Attentat eingeweihte Generaloberst
Friedrich Fromm (1888-1945), Chef der Heeresrüstung und
Befehshaber des Ersatzheeres, verweigert die Zusammenarbeit und wird
festgenommen.
- Ca. 17.00 Uhr: Auf Initiative von Hitler und
Joseph Goebbels
wird im Rundfunk das Überleben Hitlers gemeldet. Fast
gleichzeitig erhalten die Stabsoffiziere die Fernschreiben mit den
Anweisungen der Verschwörer. Die überwiegende Mehrheit der
Offiziere verhält sich angesichts der widersprüchlichen
Meldungen abwartend.
- Ca. 19.00 Uhr: Major Otto-Ernst Remer (1912-1997), Kommandeur des
Wachbataillons in Berlin, wird von Goebbels über das Scheitern
des Anschlags unterrichtet. Remer löst daraufhin die Absperrung
des Regierungsviertels auf und beteiligt sich an der Niederschlagung
des Staatsstreichs.
- Ab ca. 22.30 Uhr: Eine Gruppe regierungstreuer Offiziere verhaftet
Stauffenberg und die Mitverschwörer. Fromm ordnet die sofortige
Erschießung wegen Hoch- und Landesverrats an.
- 20./21. Juli: In der Nacht wird Claus Schenk Graf von Stauffenberg
gemeinsam mit Werner von Haeften, Albrecht Ritter Merz von Quirnheim
und Friedrich Olbricht im Hof des Bendlerblocks erschossen. Ludwig
Beck wird Gelegenheit zur Selbsttötung gegeben. Er wird nach
einem mißlungenen Selbstmordversuch ebenfalls erschossen.
- 21. Juli: Die Leichen der Erschossenen werden auf einem Friedhof mit
ihren Uniformen und Ehrenzeichen bestattet. Himmler läßt
sie ausgraben und ordnet deren Verbrennung an. Ihre Asche wird
über die Felder verstreut.
(se)
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