1886-1944
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![[Postkarte: Ernst Thälmann, 1937]](../../../objekte/pict/ju005364/200.jpg)
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Ernst Thälmann
Politiker
- 1886
- 16. April: Ernst Thälmann wird als Sohn des Gemischtwarenhändlers
Johannes Thälmann und dessen Ehefrau Magdalena (geb. Kohpeiss)
in Hamburg geboren.
- 1892/93
- Wegen Unterschlagung verbüßen seine Eltern
eine einjährige Zuchthausstrafe. Thälmann verbringt
das Jahr bei Pflegeeltern.
- 1893-1900
- Besuch der Volksschule in Hamburg.
- 1900-1902
- Thälmann arbeitet als unbezahlte Aushilfe
im elterlichen Geschäft.
- 1902/03
- Er wird in das Schleswig-Holsteinische Fußartillerieregiment
Nr. 9 einberufen. Wenig später erhält er wegen "Dienstunbrauchbarkeit"
seine Entlassung.
- 1903
- 15. Mai: Eintritt in die Sozialdemokratische Partei
Deutschlands (SPD).
- Er wird Mitglied des Zentralverbands der Handels-, Transport-
und Verkehrsarbeiter Deutschlands.
- 1903-1907
- Tätigkeit als Transport-, Hafen- und Werftarbeiter
in Hamburg.
- 1906
- Die Politische Polizei legt über Thälmann
wegen seiner gewerkschaftlichen Aktivitäten und seines politischen
Engagements eine Akte an.
- 1907
- Thälmann heuert auf einem Dampfschiff als Heizer
an und befährt die Nordamerika-Route.
- 1907-1915
- Er ist als Speicherarbeiter, als Schauermann und
als Kutscher bei Hamburger Betrieben tätig.
- 1913
- Thälmann unterstützt die Forderung Rosa
Luxemburgs nach dem Massenstreik als Aktionsmittel der Sozialdemokraten
zur Durchsetzung politischer Forderungen.
- Er kritisiert die Bewilligung der von dem Reichskanzler Theobald
von Bethmann Hollweg eingebrachten Heeresvorlage durch die
SPD.
- 1915
- 13. Januar: Wenige Tage nach dem Erhalt seiner Einberufung
zur Teilnahme am Ersten Weltkrieg heiratet Thälmann
Rosa Koch, Tochter eines Schuhmachermeisters. Aus der Ehe geht
eine Tochter hervor.
- 1915-1918
- Einsatz als Soldat in Frankreich.
- 1918
- Oktober: Thälmann kehrt gemeinsam mit vier befreundeten
Soldaten aus dem Heimaturlaub nicht mehr an die Front zurück
und desertiert.
- November: Eintritt in die Unabhängige Sozialdemokratische
Partei Deutschlands (USPD).
- 1919
- Januar: Die Hamburger Kommunistische Partei Deutschlands
(KPD) fordert die bewaffnete Unterstützung der soeben ausgerufenen
Bremer Räterepublik gegen die von Gustav Noske befehligten
Truppen. Thälmann ist an der Beschaffung von Waffen aus Polizeigebäuden
und Kasernen beteiligt.
- Wahl zum ersten Vorsitzenden der Ortsgruppe Hamburg der USPD.
- November: Auf dem USPD-Parteitag in Leipzig unterstützt
Thälmann den Anschluß der USPD an die Kommunistische
Internationale (Komintern).
- 1919-1933
- Mitglied der Hamburger Bürgerschaft.
- 1920
- Thälmann schließt sich zusammen mit Teilen
der USPD der KPD an.
- Er unterstützt die Forderung der USPD nach einem Generalstreik
gegen den Lüttwitz-Kapp-Putsch.
- 1921
- Wahl in den Hamburger KPD-Vorstand.
- 1923
- Oktober: Unter Thälmanns Beteiligung beschließt
ein Teil der KPD-Mitglieder den bewaffneten Kampf zur Konstitution
der proletarischen Räterepublik in Hamburg. Der Aufstand
wird von der Hamburger Polizei niedergeschlagen.
- 1924
- Thälmann wird zum stellvertretenden Vorsitzenden
der KPD gewählt.
- Mitglied des Exekutivkomitees der Kommunistischen Internationale
(EKKI).
- 1924-1929
- Er ist Vorsitzender des Roten Frontkämpferbunds,
dessen Mitglieder sich wiederholt Straßenschlachten mit
der Sturmabteilung (SA) der Nationalsozialistischen
Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) liefern.
- 1924-1933
- Thälmann ist Mitglied des Reichstags.
- 1925
- Kandidat der KPD für die Reichspräsidentenwahl.
- März/April: Beim ersten Wahlgang kann keiner der sieben
Kandidaten die erforderliche Mehrheit erreichen. Im zweiten Wahlgang
siegt Paul von Hindenburg mit 48,3 Prozent, Thälmann
erhält 6,4 Prozent.
- Mit Unterstützung des EKKI in Moskau und ausdrücklicher
Billigung durch Josef W. Stalin übernimmt Thälmann
den Parteivorsitz von Ruth Fischer, geb. Eisler (1895-1961). Fischer
hatte sich um eine von der Kommunistischen Partei der Sowjetunion
(KPdSU) unabhängige Parteiführung bemüht.
- 1925-1933
- Vorsitzender der KPD.
- 1928
- Thälmann wird von der KPD wegen der "Wittorf-Affäre"
seiner Parteiämter enthoben. Ihm wird die Vertuschung von
Unterschlagungen seines Freundes und Parteisekretärs Wittorf
vorgeworfen. Auf Weisung Stalins kann Thälmann jedoch wenig
später seine Funktionen wieder einnehmen.
- ab 1929
- Unter Thälmanns Leitung konzentriert sich die
KPD vor allem auf die politische Bekämpfung der SPD und nennt
deren Mitglieder in Übereinstimmung mit Stalin "Sozialfaschisten".
Thälmann bekämpft die NSDAP nicht in gleichem Maße
wie die SPD.
- 1931
- Er wird Mitglied des Präsidiums der Komintern.
- Unter Thälmanns Vorsitz beantragt die KPD gemeinsam mit
dem "Stahlhelm - Bund der Frontsoldaten" einen
Volksentscheid zur Auflösung des SPD-regierten Preußischen
Landtags.
- August: Der Volksentscheid scheitert, die preußische Regierung
unter Otto Braun bleibt im Amt.
- 1932
- Thälmann wird als Kandidat der KPD für die
Reichspräsidentenwahl nominiert.
- März/April: Im ersten
Wahlgang erhält er 13,2 Prozent. Im zweiten Wahlgang werden
für ihn 10,2 Prozent der Stimmen gezählt. Paul von
Hindenburg siegt mit 53 Prozent vor Adolf Hitler, der
36,8 Prozent der Stimmen erhält.
- Thälmann warnt in einer Rede vor der Überschätzung
der NSDAP, in die viele Menschen große Hoffnungen auf Besserung der politischen, wirtschaftlichen und sozialen Situation setzen.
- 1933
- 3. März: Thälmann wird nach der Machtübernahme
der Nationalsozialisten von der Polizei verhaftet.
- Er wird des Hochverrats angeklagt.
- 1933-1944
- Er ist in verschiedenen Gefängnissen inhaftiert.
Thälmann hält vor allem über seine Frau und seine
Tochter den Kontakt zur Außenwelt.
- 1933-1937
- Haft im Untersuchungsgefängnis Berlin-Moabit.
- 1935
- Auf Anweisung Hitlers wird der Prozeß gegen Thälmann
eingestellt. Er befürchtet, Thälmann würde maximal
eine Höchststrafe von 15 Jahren Freiheitsentzug erhalten.
Die Untersuchungshaft wird aufgehoben und in die sogenannte Schutzhaft umgewandelt.
- 1937-1943
- Haft im Gerichtsgefängnis Hannover.
- 1939
- Nach Abschluß des Hitler-Stalin-Pakts bittet
die Ehefrau Thälmanns in der sowjetischen Botschaft um die
Fürsprache Stalins für ihren Ehemann. Stalin verwendet
sich nicht für Thälmann.
- 1943/44
- Thälmann ist in der Haftanstalt Bautzen inhaftiert.
- 1944
- 16. April: Seine Tochter Irma wird verhaftet und in
das Konzentrationslager (KZ) Ravensbrück eingewiesen.
- 8. Mai: Thälmanns Ehefrau Rosa wird ebenfalls verhaftet
und nach Ravensbrück gebracht.
- 14. August: Hitler ordnet die Ermordung Ernst Thälmanns
an.
- 17. August: Thälmann wird in das Konzentrationslager Buchenwald
verlegt.
- 18. August: Ernst Thälmann wird in der Nacht in Buchenwald
erschossen. Seine Leiche wird sofort im Krematorium verbrannt.
- Wenige Wochen später behauptet die nationalsozialistische
Propaganda, Thälmann wäre bei einem Bombenangriff am
24. August ums Leben gekommen.
- 1952
- In der Deutschen Demokratischen Republik (DDR),
wo Thälmann als Inkarnation des kommunistischen Widerstands
stilisiert wird, erfolgt die Umbenennung der 1948 gegründeten Kinderorganisation Junge Pioniere in "Pionierorganisation
Ernst Thälmann".
Die Mitglieder grüßen sich mit dem Thälmann-Gruß
"Seid bereit - Immer bereit".
(se)
Auf einem Kongreß in Moskau, 15.2.1928
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