1873-1951
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Fritz Thyssen
Industrieller
- 1873
- 9. November: Fritz Thyssen wird als Sohn des Industriellen
August Thyssen (1842-1926) in Mülheim an der Ruhr geboren.
- 1896/97
- Nach dem Studium der Ingenieurswissenschaften in
Lüttich, London und Berlin leistet er seinen Militärdienst
als Einjährig-Freiwilliger. Er erhält den militärischen
Rang eines Leutnants.
- 1898
- Eintritt in den August-Thyssen-Konzern, die Firma seines
Vaters.
- 1914
- Im Ersten Weltkrieg wird er mit dem Eisernen
Kreuz II. Klasse ausgezeichnet.
- 1917
- Beförderung zum Rittmeister.
- 1918
- Nach Kriegsende engagiert er sich politisch bei rheinischen
Separatisten, die sich vom Deutschen Reich abspalten wollen.
- 1923
- Thyssen beteiligt sich am Widerstand gegen die Ruhrbesetzung
durch belgische und französische Truppen. Von einem französischen
Kriegsgericht wird er zu einer hohen Geldstrafe verurteilt.
- Er wird Mitglied des Reichsverbands der deutschen Industrie
(RdI).
- Thyssen, selbst Mitglied der Deutschnationalen Volkspartei
(DNVP), steht in Verbindung zu Adolf Hitler und unterstützt
finanziell dessen Partei, die Nationalsozialistische Deutsche
Arbeiterpartei (NSDAP).
- 1924
- In der Stahlindustrie setzt er sich für eine Konzentration
der Eisen- und Stahlerzeugung ein. Es gelingt ihm, einen großen
Teil der deutschen Rohstahlproduktion in der "Rohstahlgemeinschaft"
zu vereinen und deren Vorsitz zu übernehmen.
- 1926
- Nach dem Tod seines Vaters wird er dessen Nachfolger
an der Spitze des Thyssen-Konzerns.
- Er wird Präsidiumsmitglied des RdI.
- 1928
- Er wird Vorsitzender des Aufsichtsrats der Vereinigten
Stahlwerke A.G. und Vorsitzender der internationalen Rohstahlgemeinschaft.
- 1930
- Eine Geldspende Thyssens und anderer Industrieller ermöglicht
der NSDAP-Führung den Kauf des Barlowschen Palais in München,
das zum Braunen Haus umgebaut wird.
- 27. November: Vor dem Hauptausschuß des RdI begrüßt
Thyssen den Erfolg der NSDAP bei den Reichstagswahlen vom 14.
September. Reichskanzler Heinrich Brüning von der
Zentrumspartei empfiehlt er eine parlamentarische Zusammenarbeit
mit der DNVP und der NSDAP.
- 1931
- 1. Mai: Übertritt zur NSDAP.
- 11./12. Oktober: Thyssen nimmt in Bad Harzburg an einem von Alfred
Hugenberg initiierten Treffen der "nationalen Opposition"
teil. Auf ihm gründen Vertreter von DNVP und NSDAP sowie
von verschiedenen Wehrverbänden die "Harzburger Front"
zur Bekämpfung der Weimarer Republik.
- 1932
- 27. Januar: Thyssen ermöglicht es Hitler, im Industrieklub
Düsseldorf vor den führenden Repräsentanten der
Wirtschaft für sein politisches Programm zu werben.
- November: Er unterzeichnet eine Eingabe des Reichsbankpräsidenten Hjalmar Schacht, des Industriellen Albert Vögler und des Bankiers Kurt von Schröder (1889-1966)
an Reichspräsident Paul von Hindenburg mit der Forderung,
Hitler zum Reichskanzler zu berufen.
- 1933
- Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten
wird Thyssen Mitglied des Generalrats der Wirtschaft und preußischer
Staatsrat. Weiterhin wird er Aufsichtsratsvorsitzender der Bank
für Industrieobligationen und Vorsitzender der Nordwestlichen
Gruppe deutscher Eisen- und Stahlindustrieller.
- Mai: Die neue Regierung beauftragt ihn mit der Gründung
eines Instituts für Ständewesen.
- Juli: Die Gauleiter der NSDAP von Essen, Düsseldorf und
Westfalen weisen alle Dienststellen an, Entscheidungen von Thyssen
in der industriellen Wirtschaftspolitik als bindend anzusehen.
- November: Er wird Mitglied des Reichstags.
- 1934
- Wahl zum Aufsichtsratsvorsitzenden der August Thyssen-Hütte
AG.
- 1939
- Aus Enttäuschung über die gewaltvolle nationalsozialistische
Politik und angesichts der drohenden Kriegsgefahr emigriert Thyssen
nach Abschluß des Hitler-Stalin-Pakts zunächst
in die Schweiz und später nach Frankreich.
- Seine Industrieanlagen werden beschlagnahmt. Er selbst wird ausgebürgert.
- 1940
- Nach dem Einmarsch deutscher Truppen wird Thyssen im
unbesetzten Teil Frankreichs von der Vichy-Regierung verhaftet
und nach Deutschland ausgeliefert.
- Gemeinsam mit seiner Frau wird er - meist in "Ehrenhaft"
- in den Konzentrationslagern (KZ) Sachsenhausen, Buchenwald
und Dachau interniert.
- 1941
- In New York erscheint unter seinem Namen das Buch "I
paid Hitler". Es ist jedoch von einem Ghostwriter verfaßt
und besitzt als Quelle für Thyssens Rolle vor 1939 nur begrenzte
Aussagekraft.
- 1945
- Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wird Thyssen
von der amerikanischen Besatzungsmacht in Haft behalten.
- 1948
- In einem Spruchkammerverfahren in Königstein im
Taunus wird er als "minderbelastet" eingestuft und zu
begrenztem Vermögenseinzug verurteilt.
- 1950
- Rückerstattung des von den Nationalsozialisten
beschlagnahmten Vermögens.
- 1951
- 8. Februar: Fritz Thyssen stirbt während eines
Besuchs bei seiner Tochter in Buenos Aires (Argentinien).
- Nach seinem Tod errichten seine Witwe und seine Tochter die "Fritz-Thyssen-Stiftung"
in Köln zur Förderung der Wissenschaften.
(ge)
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