1882-1948
![[Photo: Karl Valentin, 1939]](../../../objekte/pict/ba108324/200.jpg)
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Karl Valentin
Kabarettist, Komiker, Filmproduzent
- 1882
- 4. Juni: Valentin Ludwig Fey wird als Sohn des Spediteurs
Johann Christoph Fey und dessen Ehefrau Maria Johanna (geb. Schatte)
in der Münchner Vorstadt Au geboren. Da seine drei älteren
Geschwister kurz nach seiner Geburt sterben, wächst er als
Einzelkind auf.
- 1888-1895
- Er besucht die Volksschule, die er nach eigenen
Angaben als "Zuchthaus" empfindet.
- 1895/96
- Besuch einer Privat-Bürgerschule.
- 1897-1899
- Fey macht eine Schreinerlehre.
- 1899
- Er lernt Gisela Royes kennen, ein Dienstmädchen
im Hause Fey, die er 1911 nach der Geburt der zweiten Tochter
heiratet.
- Erster öffentlicher Auftritt als "Vereinshumorist".
- 1899-1901
- Er arbeitet in mehreren Betrieben als Tischlergeselle.
- 1902
- Besuch der Münchner Komikerschule Strebel.
- 7. Oktober: Während Fey in seinem ersten Gastspiel am Variété
Zeughaus in Nürnberg zum ersten Mal unter dem Namen Karl
Valentin auftritt, stirbt sein Vater in München.
- Gemeinsam mit seiner Mutter übernimmt Valentin die Leitung
der Speditionsfirma Falk & Fey.
- 1905
- Die erste Tochter Valentins und Royes' wird geboren.
Sie wächst bei den Eltern von Royes auf.
- 1906
- Die bankrotte Speditionsfirma wird verkauft.
- Valentin, Royes und seine Mutter ziehen in deren Heimatstadt
Zittau in Sachsen.
- 1907
- Unter dem Namen Charles Fey geht er mit einem selbstgebauten
Musikapparat, dem "Lebenden Orchestrion", auf Tournee.
Enttäuscht vom totalen Mißerfolg der Tournee, zerstört
er das Orchestrion. Mittellos kehrt er nach München zurück.
- 1907/08
- Valentin schlägt sich in München mit Arbeiten
bei einem Gastwirt durch.
- 1908-1914
- Erste erfolgreiche Auftritte mit seinem Monolog
"Das Aquarium". Er bekommt ein Engagement an der Volkssängerbühne
im "Frankfurter Hof". Dieses Engagement und gelegentliche
Vorstellungen an anderen Bühnen beenden seine finanzielle
Not.
- Die Komik des langen, dünnen Valentin lebt vor allem von
seiner grotesken Körpersprache, Slapstick-Effekten und dem
Spiel mit der Sprache. Die Zielscheibe seiner Witze ist das Publikum
oder er selbst. Auf der Bühne wie auch im Alltag lebt er
im ständigen Kampf mit der Realität und der Gesellschaft,
mit Behörden oder Mitmenschen. In seiner Komik steckt viel
Pessimismus und Tragik.
- 1910
- Die zweite Tochter wird geboren.
- 1911
- 31. Juli: Er heiratet Royes.
- Valentin lernt Elisabeth Wellano (1892-1960) kennen, die später
als Liesl Karlstadt seine Bühnenpartnerin wird.
- 1912/13
- Sein erster erhaltener Stummfilm, "Karl Valentins
Hochzeit", ist eine bissige Satire auf die Institution der
Ehe.
- ab 1912/13
- Valentin ist begeistert von dem neuen Medium Film.
Trotz anfänglicher technischer Schwierigkeiten dreht er fast
40 meist kurze Filme mit hauptsächlich komischen Inhalten.
Oft sind sie Verfilmungen von Bühnensketchen.
- 1913
- Erster gemeinsamer Auftritt mit Karlstadt in "Das
Alpensängerterzett". Ab jetzt ist sie Bühnenpartnerin,
Mitarbeiterin und Geliebte des eigenbrötlerischen, kränkelnden
und exzentrischen Valentin.
- 1914
- Die ersten Entwürfe zu dem Bühnenprogramm
"Tingeltangel" entstehen, das unter anderem den bekannten
Sketch "Die Orchesterprobe" enthält. Insgesamt
gibt es fast dreißig Versionen dieses Programms.
- 1914-1918
- Während des Ersten Weltkriegs gibt
er, vom Militärdienst aus gesundheitlichen Gründen freigestellt,
über 120 Lazarettvorstellungen. Er schreibt verharmlosende
Kriegslieder und Sketche.
- ab 1915
- Gemeinsam mit Karlstadt tritt er in allen wichtigen
Münchner Kabaretts auf.
- 1915/16
- Er ist Direktor des Kabaretts "Wien-München"
in München.
- 1922
- 30. September: Einen Tag nach der erfolgreichen Uraufführung
von Bertolt Brechts "Trommeln in der Nacht" parodieren
Brecht und Valentin dieses Stück in der Aufführung "Die
Rote Zibebe" in den Münchner Kammerspielen.
- 1922/23
- Brecht und Erich Engel (1891-1966) drehen mit Valentin,
Karlstadt und Blandine Ebinger (1899-1993) in den Hauptrollen
den surrealistischen Film "Mysterien eines Frisiersalons".
- Erster Auslandsaufenthalt Valentins für Auftritte in Zürich.
- 1923
- 24. Januar: Tod der Mutter.
- Gastspiele in Wien und Zürich.
- 1924
- September/Oktober: Erstes Gastspiel in Berlin. Die Resonanz
ist groß: Alfred Kerr und Kurt Tucholsky schreiben
begeistert über ihn. Aufgrund der Bedeutung der "Sprachakrobatik"
für Valentins Komik nennt Kerr ihn "Wortzerklauberer".
- 1926
- Angeblich schlägt er ein Angebot nach Hollywood
aus, weil er sich vor der Überfahrt fürchtet.
- 1928
- Januar/Februar: Gastspiel in Berlin im Kabarett der
Komiker. Unter anderem Aufführungen von "Tingeltangel".
- 1929
- Valentin dreht seinen letzten bekannten Stummfilm "Der
Sonderling".
- 1930
- Erneutes Gastspiel in Berlin.
- 1931
- 2. März: Valentin eröffnet ein eigenes Theater,
den Goethe-Saal in der Leopoldstraße in München
- 24. April: Wegen der harten Feuerschutzauflagen muß er
es wieder schließen. Valentin will trotz Rauchverbots nicht
auf einen brennenden Zigarettenstummel in einem Sketch verzichten.
Die Auseinandersetzungen mit der Feuerschutzpolizei zerrütten
ihn nervlich.
- 1932
- Valentin wirkt an dem Film "Die verkaufte Braut"
mit. Es ist sein erster Tonfilm.
- 1933
- Verfilmung von "Orchesterprobe".
- Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten steht
Valentin dem NS-Regime zwar skeptisch gegenüber, äußert
sich politisch aber nicht.
- 1934
- 21. Oktober: Er eröffnet sein "Panoptikum",
eine Ausstellung von Gruselexponaten und Nonsens, das unter anderem
einen "Hungerturm" und ein Glas Berliner Luft zeigt.
- Dezember: Mit immensem finanziellem Verlust muß er es wieder
schließen.
- 1935
- Das "Panoptikum" wird erneut eröffnet.
Auch diesmal ist es nicht rentabel und muß wieder geschlossen
werden. Valentin macht Schulden und verliert auch Karlstadts Ersparnisse.
Sie erleidet einen Nervenzusammenbruch. Die Zusammenarbeit mit
Karlstadt wird für lange Zeit unterbrochen.
- 1935/36
- November-Januar: Gastspiel in Berlin.
- 1936
- Zurück in München, drehen Valentin und Karlstadt
mit dem Regisseur Jacob Geis (1890-?) den Film "Die Erbschaft",
der die Armut eines Ehepaars zeigt, das nichts als einen Kerzenstummel
besitzt. Das NS-Regime verbietet den Film wegen "Elendstendenzen".
Daraufhin bekommt Valentin kaum mehr Filmangebote. "Die Erbschaft"
wird 1976 uraufgeführt.
- 1938
- Letztes Gastspiel in Berlin.
- 1939
- Mit seiner neuen Bühnenpartnerin und Geliebten,
der 35 Jahre jüngeren Annemarie Fischer, hat Valentin Erfolg
mit seiner "Ritterspelunke", einer Mischung aus Theater,
Kneipe und Panoptikum.
- 1940
- Juni: Valentin schließt die "Ritterspelunke"
trotz wirtschaftlichen Erfolgs. Zu dieser Entscheidung tragen
auch Schwierigkeiten mit NS-Behörden bei, die seinen Requisitenlagerraum
plötzlich zum Luftschutzkeller umfunktionieren wollen.
- 1940-1947
- Keine öffentlichen Auftritte. Er schreibt
viele Dialoge und Gedichte, die nie aufgeführt werden.
- 1941
- Mit seiner Frau und den Kindern verläßt Valentin
München. Die Familie zieht in ihr Haus in Planegg bei München.
Die Münchner Wohnung wird bei einem Bombenangriff während
des Zweiten Weltkriegs zerstört.
- 1943
- Sein letztes Theaterstück "Familiensorgen"
entsteht.
- Verarmt muß er regelmäßig Artikel für die
"Münchener Feldpost" schreiben.
- 1945/46
- Mit dem Verkauf selbsthergestellter Haushaltsartikel
versucht Valentin in den Nachkriegsjahren, den Lebensunterhalt
seiner Familie zu sichern.
- Der Bayerische Rundfunk stellt die Hörfunkserie "Es
dreht sich um Karl Valentin" nach fünf Folgen wegen
Hörerprotesten ein: Die Sendung ist dem Publikum zu pessimistisch.
- 1946
- Anstellung als Depotverwalter. Rundfunk- und Plattenaufnahmen.
- 1947
- Dezember: Nach jahrelanger Trennung treten Valentin
und Karlstadt erstmals wieder gemeinsam auf.
- 1948
- 9. Februar: Durch Unterernährung geschwächt,
stirbt Karl Valentin an einer Erkältung.
- 1959
- Eröffnung eines "Lach-Musäums" mit
Teilen seines Nachlasses in München.
- 1960er Jahre
- Wiederentdeckung des Komikers Karl Valentin.
(cp)
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