1821-1902
![[Photo: Rudolf Virchow, vor 1902]](../../../objekte/pict/virchbio/200.jpg)
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Rudolf Virchow
Mediziner, Politiker
- 1821
- 13. Oktober: Rudolf Virchow wird im pommerschen Schivelbein
(heute: Swidwin/Polen) als Kind des Fleischermeisters Carl Virchow
und seiner Frau Johanna (geb. Hesse) geboren. Die Familie verfügt
nur über geringe finanzielle Mittel.
- 1839
- Beginn des Studiums an der Berliner militärärztlichen
Akademie, die begabte Studenten auf Staatskosten zu Heeresärzten
ausbildet.
- 1843
- Promotion in Medizin. Virchow erhält eine Assistentenstelle
an der militärärztlichen Akademie.
- 1846
- Nach Ablegung des medizinischen Staatsexamens ist Virchow
als Pathologe an der Akademie tätig.
- 1847
- Habilitation in Berlin.
- 1847-1902
- Virchow gibt - bis 1852 gemeinsam mit dem Mediziner
Benno Reinhardt (1819-1852) - das "Archiv für pathologische
Anatomie und Physiologie" heraus (ab 1902: Virchows Archiv).
- 1848
- Er untersucht im Auftrag der Regierung eine Typhusepidemie
in Oberschlesien. Virchow fordert in seinem Bericht die "volle
und unumschränkte Demokratie", ohne die es keinen Wohlstand
und keine Gesundheit geben könne.
- Während der Märzrevolution kämpft er auf seiten
der Demokraten in Berlin.
- In Berlin nimmt er im Oktober am Demokratischen Kongreß
teil.
- 1848/49
- Virchow gibt die Zeitschrift "Medicinische Reform"
heraus. Er gebraucht hier erstmalig den Begriff "Volksgesundheit"
und fordert eine "öffentliche Gesundheitspflege".
- 1849
- Aufgrund seines politischen Engagements verliert Virchow
seine Stelle an der militärärztlichen Akademie.
- Wenige Monate später Berufung auf den Lehrstuhl für
pathologische Anatomie in Würzburg, der 1845 als erster seiner Art in Deutschland eingerichtet worden war. Virchow hatte zuvor schriftlich versichert,
sich nicht mehr radikal-politisch betätigen zu wollen.
- 1850
- Heirat in Würzburg mit Rose Mayer, Tochter eines
Geheimen Sanitätsrats. Aus der Ehe gehen sechs Kinder hervor.
- 1852
- Im Auftrag der Württembergischen Regierung untersucht
er den gesundheitlichen Zustand der Bevölkerung der Elendsquartiere
im Spessart. Virchow fordert wiederum Bildung, Wohlstand und Freiheit
als Voraussetzung für eine Gesunderhaltung und Heilung der
Betroffenen.
- 1854-1867
- Herausgabe des sechsbändigen "Handbuchs
der speciellen Pathologie und Therapie".
- 1856
- Berufung auf die für ihn geschaffene Professur
an der Berliner Universität.
- 1858
- Mit der Schrift "Die Cellularpathologie in ihrer
Begründung auf physiologische und pathologische Gewebelehre"
begründet Virchow eine neue naturwissenschaftliche Krankheitslehre.
Nach dieser "Solidarlehre" können alle Krankheitszustände
des Organismus auf krankhafte Veränderungen der Körperzellen
zurückgeführt werden. Sie löst die jahrhundertealte
"Humoralpathologie" ab, die Krankheit als eine Störung
des Säftesystems (Blut, Schleim, Galle und Schwarzgalle)
versteht.
- 1859-1902
- Mitglied der Berliner Stadtverordnetenversammlung.
Er setzt sich u.a. für den Bau von Krankenhäusern und
für die Erhebung medizinischer Daten ein.
- 1861
- Mitbegründer der liberalen
Deutschen Fortschrittspartei.
- 1862-1867
- Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses
für die Fortschrittspartei. Virchow fordert u.a. geringere
Ausgaben für das Militär und den Ausbau der öffentlichen
Sozialfürsorge. Auf seine Initiative erhält Berlin als
eine der ersten europäischen Großstädte eine Kanalisation
mit zentraler Wasserversorgung und -entsorgung.
- 1865
- Nach einem besonders scharfen Rededuell fordert Otto von Bismarck
Virchow zum Duell. Durch Vermittlung des Kriegsministers sieht
Bismarck von seiner Forderung ab.
- ab 1866
- Herausgabe der von ihm gegründeten "Zeitschrift
für Ethnologie".
- 1870/71
- Im Deutsch-Französischen Krieg ist Virchow für
die Organisation des Fronteinsatzes von Lazarettzügen zuständig.
- 1872-1902
- Vorsitzender der Rechnungskommission des Preußischen
Landtags.
- 1880-1893
- Mitglied des Deutschen Reichstags für die
Fortschrittspartei, ab 1884 für die Deutsch-Freisinnige Partei. Er
engagiert sich insbesondere für den Ausbau der staatlichen
Gesundheitsfürsorge.
- 1886-1888
- Mitbeteiligung an der Gründung des Ethnologischen
Museums und des Völkerkundemuseums in Berlin
- 1902
- 5. September: Rudolf Virchow stirbt in Berlin.
(se)
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