1877-1945
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Albert Vögler
Industrieller, Politiker
- 1877
- 8. Februar: Albert Vögler wird als Sohn des Zechen-Betriebsführers
Karl Vögler und dessen Frau Berta (geb. Kuhs) in Borbeck
bei Essen geboren.
- 1901
- Nach dem Besuch des Realgymnasiums und einer Lehre in
einer Maschinenfabrik studiert Vögler Maschinenbau an der
Technischen Hochschule in Karlsruhe und schließt das Studium
mit der Promotion ab.
- 1901-1910
- Vögler arbeitet als Hütteningenieur bei
der Georgsmarienhütte in Osnabrück und als Oberingenieur
bei dem Stahlwerk Dortmunder Union AG.
- 1910
- Die Deutsch-Luxemburgische Bergwerks- und Hütten
AG (Deutsch-Luxemburg) von Hugo Stinnes erwirbt die Dortmunder
Union AG und wird damit zu einem der größten Montanunternehmen
Deutschlands. Stinnes ernennt Vögler zum Mitglied des Vorstands.
- 1915
- Vögler steigt zum Generaldirektor der Deutsch-Luxemburg
auf und behält diese Funktion bis 1926.
- 1917
- Er wird zum ersten Vorsitzenden des Vereins der deutschen
Eisenhüttenleute gewählt.
- 1918
- 15. Dezember: Vögler gehört neben Stinnes
und Gustav Stresemann zu den Mitgründern der rechtsliberalen
Deutschen Volkspartei (DVP). Er trägt dazu bei, daß
die Partei eine an den Unternehmern orientierte Wirtschafts- und
Sozialpolitik vertritt.
- 1919
- Als Abgeordneter der DVP ist Vögler Mitglied der
Verfassunggebenden Nationalversammlung.
- 6. Februar: Er wird als Unternehmervertreter einer der drei Reichsbevollmächtigten
für die Sozialisierung des rheinisch-westfälischen Kohlereviers.
- Vöglers Interesse gilt der Ausbildung des Nachwuchses und
der wissenschaftlichen Forschung. Er wird Mitglied in der Leitung
der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft (heute: Max-Planck-Gesellschaft).
- 1920
- Gemeinsam mit Stinnes, dessen engster
Mitarbeiter er inzwischen ist, gründet Vögler den Montankonzern
Rhein-Elbe-Union GmbH, einen Zusammenschluß aus der Deutsch-Luxemburg,
der Gelsenkirchener Bergwerks AG (GBAG) und dem Bochumer Verein
für Bergbau und Gußstahlfabrikation.
- 1. Oktober: Die Rhein-Elbe-Union geht eine Interessensgemeinschaft
mit dem Siemens-Konzern ein. Als Dachgesellschaft wird die Siemens-Rhein-Elbe-Schuckert-Union
GmbH (SRSU) mit Sitz in Düsseldorf geschaffen. Insgesamt
drei Unternehmensgruppen bilden in der SRSU eine Produktionsgemeinschaft,
behalten aber weitgehend ihre Eigenständigkeit. Hintergrund
der Zusammenschlüsse ist die mangelnde Konkurrenzfähigkeit
der deutschen Montanindustrie. Die Bildung großer Konzerne
soll die dringend erforderlichen Modernisierungs- und Rationalisierungsmaßnahmen
für die zum großen Teil veralteten Einzelbetriebe mit
zu großen Produktionsstätten gewährleisten.
- 1920-1924
- Vögler ist Reichstagsabgeordneter der DVP.
- 1924
- ab März: Vögler engagiert sich in der Nationalliberalen
Vereinigung, einer innerparteilichen Oppositionsgruppe der DVP,
die sich gegen den gemäßigten, republiktreuen Kurs
des Parteivorsitzenden Stresemann wendet und sich der
Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) annähert.
- Im Verlauf des weiteren Jahres verläßt Vögler
die DVP.
- 1925-1927
- Als Nachfolger von Emil Kirdorf und Mitglied
der Dortmunder Handelskammer führt er den Vorsitz im Aufsichtsrat
des Rheinisch-Westfälischen Kohlensyndikats, das die Vermarktung
der gesamten Kohle aus dem rheinisch-westfälischen Revier
anstrebt.
- 1926
- Zwei Jahre nach dem Tod Stinnes' werden die von ihm
und Vögler gegründeten Unternehmen aufgelöst.
- Die Werksanlagen der aufgelösten Betriebe werden in die
Vereinigten Stahlwerke AG (VSt) eingebracht, die im gleichen Jahr
von Vögler mitbegründet wird. Der Konzern ist ein Zusammenschluß
von vier großen Montangruppen und stellt damit den größten
europäischen Stahlkonzern und den zweitgrößten
Eisen- und Stahlerzeuger der Welt dar. Er beschäftigt über
250.000 Angestellte, produziert rund 40 Prozent des im Deutschen
Reich hergestellten Eisens und fördert über 20 Prozent
der deutschen Kohle.
- 1926-1936
- Vögler leitet die VSt und führt den Konzern
über die Weltwirtschaftskrise hinweg.
- Er ist Vorsitzender und Mitglied in den Aufsichtsräten zahlreicher
Unternehmen, so bei der Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerk
AG (RWE) und der Ruhrgas AG. Außerdem ist er Mitglied des
Präsidiums des Reichsstands der deutschen Industrie (RI),
des Reichsverbands der Deutschen Industrie (RdI) sowie Hauptvorstandsmitglied
des Vereins deutscher Eisen- und Stahlindustrieller in Berlin.
- 1927
- April: Vögler wird Ehrensenator der Technischen
Hochschule Karlsruhe.
- 1928
- Januar: Mit elf weiteren führenden Vertretern der
Schwerindustrie des Ruhrgebiets ruft Vögler die Ruhrlade
ins Leben, ein abseits der Öffentlichkeit agierendes Gremium.
Bei mehreren geheimen Treffen erörtern die Mitglieder aktuelle
politische und wirtschaftliche Themen, stimmen ihre Unternehmensaktivitäten
aufeinander ab und verteilen bis 1930 1,5 Millionen Reichsmark
an die bürgerlichen Parteien, darunter vor allem die NSDAP.
- 1929
- ab Februar: Mit Reichsbankpräsident Hjalmar Schacht
gehört Vögler der deutschen Delegation bei der internationalen
Sachverständigenkonferenz in Paris an, die den Young-Plan
verhandelt. Stresemann hatte sich für die Entsendung Vöglers
ausgesprochen, um den rechten Flügel der DVP, der der Schwerindustrie
verpflichtet ist, wieder mehr an die Partei zu binden. Während
der Konferenz kommt es zu erheblichen Meinungsverschiedenheiten
über die Reparationszahlungen zwischen der Reichsregierung
und ihren Sachverständigen Schacht und Vögler.
- 23. Mai: Vögler verweigert die Zustimmung zu dem Plan und
verläßt die Delegation, da er die Zahlungsforderungen
an das Deutsche Reich für wirtschaftlich untragbar hält.
- 1931
- 11. September: In Berlin trifft Adolf Hitler
mit mehreren Industriellen zusammen, um ihnen seine wirtschaftspolitischen
Ziele vorzustellen. Unter den Gästen sind neben Vögler
auch Kirdorf und Fritz Thyssen.
- Oktober: Vögler lehnt das Angebot Heinrich Brünings,
nach einer Kabinettsumbildung Mitglied der Regierung zu werden,
ab. Brüning hatte Vögler als Reichswirtschaftsminister
vorgeschlagen, um sich die Unterstützung der DVP zu sichern.
- 1932
- 27. Januar: Hitler spricht auf Einladung Thyssens vor
600 Industriellen im Düsseldorfer Industrieclub. In seiner
Rede macht er die Demokratie für die politische und wirtschaftliche
Krise des Deutschen Reichs verantwortlich. Vögler gehört
zu den Großindustriellen, die Hitler von nun an offen fördern
und finanzieren. Zuvor hatten die Industriellen des Ruhrgebiets
Hitler eher ablehnend gegenübergestanden und ihn als Emporkömmling
betrachtet.
- Vögler ist Mitglied des 1932 entstandenen Keppler-Kreises,
der Kontakte zwischen der Nationalsozialistischen Partei Deutschlands
(NSDAP) und der Industrie herstellt.
- 19. November: In einer Petition an den Reichspräsidenten
Paul von Hindenburg fordert Vögler gemeinsam mit Schacht
und dem Bankier Kurt von Schröder (1889-1966) die Ernennung
Hitlers zum Reichskanzler. Die Mehrzahl der zur Unterschrift aufgeforderten
Unternehmer verweigert die Unterstützung, die Petition bleibt
erfolglos.
- 1933
- 20. Februar: Nach der Machtübernahme der
NSDAP lädt Hermann Göring führende Wirtschaftsvertreter
zu einem Geheimtreffen mit Hitler ins Palais des Reichstagspräsidenten.
Zu den 25 Teilnehmern zählen neben Vögler Schacht, Schröder,
Gustav Krupp von Bohlen, Georg von Schnitzler (1884-1962)
und weitere Repräsentanten der Schwerindustrie, des Bergbaus
und der Banken. Hitler präsentiert seinen Gästen sein
politisches Programm, das sie begeistert begrüßen.
Als Reaktion spenden sie der NSDAP drei Millionen Reichsmark für
den laufenden Reichstagswahlkampf.
- 5. März: Vögler zieht über die NSDAP-Einheitsliste
für den Wahlkreis Westfalen-Süd in den Reichstag ein,
ohne Parteimitglied zu sein.
- Hitler beruft Vögler in den aus 17 führenden Industrie-
und Parteivertretern bestehenden Generalrat der Wirtschaft.
- 1934
- Vögler wird zum Reichsbevollmächtigten für
die Verstaatlichung der rheinisch-westfälischen Kohlegruben
ernannt.
- 1936
- Die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft verleiht ihm die Adolf-von-Harnack-Medaille,
eine Auszeichnung für besondere Verdienste um die Gesellschaft.
- 1939
- Als Nachfolger Thyssens wird Vögler Aufsichtsratsvorsitzender
der VSt.
- 1940
- Vögler wird Präsident der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft.
- ab 1942
- Als Wehrwirtschaftsführer ist er entscheidend
an der Organisation der deutschen Rüstungswirtschaft für
den Zweiten Weltkrieg beteiligt.
- Mai: Er gehört dem Industrierat des Oberkommandos des Heers
an.
- 1944
- 6. Dezember: Der Reichsminister für Bewaffnung
und Munition Albert Speer ernennt Vögler zu seinem
Generalbevollmächtigten für das Rhein-Ruhr-Gebiet und
ermächtigt ihn, alle ihm notwendig erscheinenden Entscheidungen
auf dem Gebiet der Rüstungs- und Kriegsproduktion zu treffen.
- Als Chef des Ruhrstabs leitet Vögler die im Ruhrgebiet arbeitenden
Dienststellen des Reichsministeriums für Rüstung und
Kriegsproduktion.
- 1945
- 14. April: Nach dem Einmarsch der amerikanischen Truppen
in das Ruhrgebiet begeht Albert Vögler in Ende (bei Dortmund)
Selbstmord, um seiner Verhaftung zu entgehen.
(vh)
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