1884-1957
![[Plakat: "Linden Cabarets: Claire Waldoff", 1914]](../../../objekte/pict/xp990127/200.jpg)
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Claire Waldoff
Schauspielerin, Kabarettistin, Chansonette
- 1884
- 21.Oktober: Clara Wortmann wird als Tochter des Bergarbeiters
und späteren Gastwirts Wilhelm Wortmann und dessen Frau Clementine
(geb. Hiltropp) in Gelsenkirchen geboren.
- 1903
- Nach dem Besuch des Mädchengymnasiums in Hannover,
wo sie bei den Eltern des Schauspielers Theo Lingen
gewohnt hat, besteht Wortmann das Abitur.
- Ihren ursprünglichen Berufswunsch Ärztin kann sie aus
finanziellen Mitteln nicht verwirklichen. Sie entscheidet sich
zu einer Schauspiellaufbahn und nimmt den Namen "Claire Waldoff"
an.
- 1903-1906
- Erste Engagements in Bad Pyrmont und im oberschlesischen
Kattowitz (heute: Katowice/Polen).
- 1906
- Umzug nach Berlin.
- Auf Vermittlung einer Schulfreundin werden Waldoff im "Figaro",
einer Bühne am Kurfürstendamm, einige kleinere Rollen
angeboten.
- 1907
- 15. Februar: Waldoff debütiert in Berlin im Stück
"Herr Kammerdiener Kneetschke".
- Wechsel zum Kabarett. Sie erhält ein Engagement am "Roland
von Berlin" in der Potsdamer Straße, das neben dem
1908 gegründeten "Chat noir" das bekannteste Berliner
Kabarett ist.
- Waldoff will bei ihrer Premiere in einem Etonboy-Anzug Texte
und Volkslieder des Dichters Paul Scheerbart (1863-1915) vortragen.
Doch der Auftritt einer Frau im Herrenanzug, die "antimilitärische"
Lieder singen will, stößt bei der Kabarettleitung auf
Kritik. Statt dessen vertont Walter Kollo (1878-1940), mit dem
sie lange Jahre zusammenarbeitet, "Das Schmackeduzchen"
nach einem Text von Hermann Frey (1876-1950) und rettet die Premiere
Waldoffs. Der Auftritt wird ein voller Erfolg.
- Waldoffs Erfolg basiert auf ihrem unverwechselbaren Stil. Den
Berliner Dialekt kann sie sich schnell bei Kneipentouren aneignen.
Durch leicht eingängige Melodien und ihre einzigartige Stimme
avancieren die Lieder der "Berliner Göre" in allen
Berliner Kreisen zu eingängigen Schlagern.
- 1909/10
- Engagement in den Berliner Kabaretts "Chat noir"
und "Linden Cabaret".
- 1910
- Durch gute Rezensionen ihrer Auftritte und mit Beginn
des Schallplattenvertriebes genießt Waldoff zunehmende Popularität
auch außerhalb Berlins.
- 1913
- Großer Erfolg mit "Hermann heeßt er",
der zu ihrem meistgesungenen Lied wird. Daneben feiert sie Triumphe
mit "Warum soll er nicht mit ihr", "Wegen Emil
seine unanständige Lust", "Wenn der Bräutigam
mit der Braut so mang die Wälder jeht" und "Wer
schmeißt denn da mit Lehm?". In ihren Liedern, die
sie meistens weder selbst schreibt noch intoniert, wird das Alltagsleben
der einfachen Leute aus der Perspektive einer Frau thematisiert.
- 1914/15
- Engagement am Nollendorf-Theater, da viele Kabaretts
ihren Betrieb aufgrund des Ersten Weltkriegs eingestellt
haben.
- Waldoffs Platten genießen große Popularität
bei den Soldaten. Sie erhält zahlreiche Briefe von der Front.
- 1916
- Engagement im Apollo-Theater in Königsberg (heute:
Kaliningrad/Rußland).
- ab 1919
- Nach Kriegsende erneute Kabarettverpflichtungen,
u.a. wieder im "Linden-Cabaret".
- 1924
- Waldoff übernimmt eine Rolle in der Erik-Charell-Revue
"An Alle", die erste größere Ausstattungsrevue
in Berlin.
- 1924-1933
- Neben ihren Kabarettauftritten spielt Waldoff in
Operetten und in den immer beliebter werdenden Ausstattungsrevuen
mit. Sie sind Teil einer neuartigen Unterhaltungskultur,
die sich auch in Berlin etabliert. Zur Zeit der Weimarer Republik
feiert Waldoff ihre größten Erfolge.
- Auftritte in der Scala und dem Wintergarten, den beiden bekanntesten
Berliner Variétes, sowie im Kadeko, dem Kabarett der Komiker.
Renommierte Musiker und Autoren wie Kurt Tucholsky und
Friedrich Hollaender (1896-1976) schreiben für Waldoff. Über
das neue Medium Rundfunk wird Waldoffs Stimme in jedem
fünften deutschen Haushalt gehört.
- 1926
- Sie singt in der Revue "Von Mund zu Mund"
das frauenemanzipatorische Lied "Raus mit den Männern
aus dem Reichstag". Die damals noch unbekannte Marlene
Dietrich, eine Freundin von Waldoff, tritt als Ersatz in derselben
Revue auf.
- 1932
- Sozialpolitisches Engagement während der Weltwirtschaftskrise.
Auftritt im Berliner Sportpalast bei der Aktion "Gegen die
Kulturreaktion", die von der kommunistischen Roten Hilfe
organisiert wird.
- 1933
- Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten
erhält Waldoff vorübergehend Berufsverbot aufgrund ihres
Auftritts für die Rote Hilfe. Ihr Versuch, ungehindert weiter
zu arbeiten, wird durch das NS-Regime beeinträchtigt.
Waldoff darf keine Platten mehr aufnehmen.
- Sie tritt in die "Reichskulturkammer" ein und darf
im Oktober 1933 wieder auf eine Tournee durch Süddeutschland
gehen.
- ab 1933
- Im "Völkischen Beobachter"
wird die populäre Waldoff zwar gelobt, aber der Inhalt ihrer
Volkslieder und ihr Auftreten auf der Bühne mit Hemdbluse,
Schlips und kurzen Haaren stehen nicht im Einklang mit dem nationalsozialistischen
Frauenbild. Auch ihre lesbische Beziehung zu Olga von Roeder
ist nicht im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie. Weiteres
Mißfallen erregt eine im Volksmund auf Hermann Göring
hinzugedichtete und weit verbreitete Strophe ihres Erfolgs "Hermann
heeßt er": "Rechts Lametta, links Lametta und
der Bauch wird immer fetta und in Preußen ist er Meester
- Hermann heeßt er!"
- 1936
- Propagandaminister Joseph Goebbels untersagt
Waldoff Auftritte in der Berliner Scala. Auf der Bühne ist
sie immer seltener zu sehen. In Berlin tritt Waldoff nur noch
im Wintergarten und im Kadeko auf.
- 1939
- Nach Beginn des Zweiten Weltkriegs beteiligt
sich Waldoff an den über die Rundfunksender verbreiteten
populären Wunschkonzerten für die Wehrmacht.
- Umzug nach Bayrisch-Gmain, einem Ort zwischen Berchtesgaden und
Bad Reichenhall.
- 1942
- Auftritt im besetzten Paris.
- 1943
- Letzte öffentliche Bühnenauftritte von Waldoff
während des NS-Regime.
- ab 1946
- Vereinzelte Auftritte nach Kriegsende, u.a. in Berlin
und München, beleben Waldoffs Karriere nicht wieder. Sie
zieht sich zunehmend ins Privatleben zurück.
- 1953
- Ihre Autobiographie "Weeste noch...!" erscheint.
- 1957
- 22. Januar: Claire Waldoff stirbt in Bad Reichenhall
an einem Schlaganfall.
(sh)
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