1797-1888

[Graphik: Jugendporträt Kaiser Wilhelm I., vor 1857]

[Gemälde: Wilhelm I., 1879]

[Graphik: Altersportrait Kaiser Wilhelm I., 1888]



Wilhelm I

Deutscher Kaiser und König von Preußen



1797
22. März: Friedrich Wilhelm Ludwig wird als zweiter Sohn König Friedrich Wilhelms III. von Preußen und Luise von Mecklenburg-Strelitz im Kronprinzenpalais in Berlin geboren.

1801-1809
Seine Erziehung übernimmt der preußische Theologe und Pädagoge Johann Gottlieb Delbrück (1768-1830), der bereits für die Erziehung des Kronprinzen Friedrich Wilhelm zuständig ist.

1807
Mit der Ernennung zum Offizier durch seinen Vater beginnt Wilhelm seine militärische Laufbahn in der preußischen Armee.

1814
Teilnahme an den Befreiungskriegen gegen Napoleon (1769-1821), die ihn zeitlebens prägen und seine tiefe Abneigung gegen Frankreich begründen. Zum Hauptmann ernannt, begleitet er seinen Vater auf den Feldzug in Frankreich, erwirbt bei Bar-sur-Aube das Eiserne Kreuz und zieht mit in Paris ein.
Im Jahr darauf wird er zum Major befördert und führt ein Bataillon des 1. Garderegiments nach Frankreich, wo der Krieg unterdessen beendet ist.

1816
Wilhelm wird Kommandant des Stettiner Gardelandwehrbataillons.

1818
Beförderung zum Generalmajor.

1819
Mit seiner Ernennung zum Inspekteur des VII. und VIII. Armeekorps kommt ihm die Rolle eines Sprechers des Militärs innerhalb des Hauses Hohenzollern zu. Er tritt für ein starkes, geschultes und gut ausgerüstetes Heer ein.

1820
Wilhelm wird Oberbefehlshaber der 1. Gardedivision.

1825
Beförderung zum Kommandierenden General des III. Armeekorps.

1826
Dem Wunsch seines Vaters folgend, trennt sich Wilhelm von seiner Jugendliebe Elisa von Radziwill (1803-1834), der Tochter eines polnischen Fürsten, da die Verbindung nicht den Standesansprüchen des preußischen Königshauses genügt.

1829
11. Juni: Auf Betreiben seines Vaters heiratet er Prinzessin Augusta von Sachsen-Weimar-Eisenach. Aus der Ehe gehen zwei Kinder hervor: Friedrich Wilhelm, der spätere Kaiser Friedrich III. und Luise (1838-1923), spätere Großherzogin von Baden.
Die Ehe ist eine reine Vernunftehe. Insbesondere die politischen Ansichten des Paares sind konträr: Augusta ist dem Liberalismus zugeneigt und vertritt die Ansicht, einer Revolution sei mit zeitgemäßen Reformen vorzubeugen. Wilhelm hingegen macht kein Hehl aus seiner Abneigung gegen den Liberalismus.

1840
Da sein älterer Bruder Friedrich Wilhelm IV. (1795-1861) kinderlos ist, wird Wilhelm nach dessen Regierungsantritt Thronfolger mit dem Titel "Prinz von Preußen".

1847
Aus Loyalität gegenüber seinem Bruder unterzeichnet Wilhelm entgegen seinen persönlichen Ansichten das Patent zur Berufung eines Vereinigten Landtages und nimmt seinen Platz in der 1. Kammer, dem preußischen Herrenhaus, ein.

1848
Sein Eintreten für eine gewaltsame Niederschlagung der Märzrevolution in Berlin bringt ihm den Beinamen "Kartätschenprinz" ein. Angesichts der ablehnenden Haltung in der Öffentlichkeit schickt Friedrich Wilhelm IV. seinen Bruder als Kaufmann getarnt nach England.

1849
Als Kommandierender Offizier der Operationsarmee gegen die Aufständischen in Baden und in der Pfalz stellt sich Wilhelm an die Spitze der Gegenrevolution.

1849-1858
Generalgouverneur der preußischen Provinzen Westfalen und Rheinprovinz.
Wilhelm und Augusta residieren im Kurfürstlichen Schloss in Koblenz. Insbesondere auf Betreiben seiner Frau verkehren am Koblenzer Hof liberale Gelehrte wie der Historiker Maximilian Duncker (1811-1886) oder die Juristen August Moritz von Bethmann-Hollweg (1795-1877) und Klemens Theodor Perthes (1809-1867). Wilhelm nimmt nach und nach eine gemäßigtere Haltung gegenüber dem Liberalismus ein.

1857
Wilhelm übernimmt zunächst vorübergehend, ab Oktober 1858 dann dauerhaft die Regentschaft für seinen nervlich erkrankten Bruder Friedrich Wilhelm IV.

1858
Trotz der gegenteiligen Empfehlung seines Bruders leistet er den Eid auf die preußische Verfassung und verspricht, diese "fest und unverbrüchlich zu halten". Auch nach dem Tod Friedrich Wilhelms IV. 1861 widersetzt sich Wilhelm dessen testamentarischer Aufforderung, die Verfassung aufzuheben.
Mit der Berufung des liberalen Ministeriums von Karl Anton von Hohenzollern-Sigmaringen (1811-1885) leitet Wilhelm die so genannte Neue Ära in Preußen ein.

1859
Über Fragen der Heeresreform gerät Wilhelm in Konflikt mit der liberalen Mehrheit des preußischen Landtags.

1861
2. Januar: Nach dem Tod seines Bruders wird er als Wilhelm I. König von Preußen.
14. Juli: Der Leipziger Student Oskar Becker (1839-1868) verübt ein Attentat auf Wilhelm I., bei dem dieser nur leicht verletzt wird.
18. Oktober: In einem feierlichen Krönungsakt setzt sich Wilhelm I. am Jahrestag der Völkerschlacht bei Leipzig in der Königsberger Schlosskirche die Krone auf's Haupt; es ist die erste preußische Krönung seit 1701 und die einzige deutsche Königskrönung im 19. Jahrhundert.

1862
Als das preußische Abgeordnetenhaus die Bewilligung der Mittel für die bereits durchgeführte Reorganisation des Heeres ablehnt, weiten sich die Auseinandersetzungen um die Heeresreform zu einem Verfassungskonflikt aus. Wilhelm überlegt zunächst zugunsten seines Sohnes abzudanken, lässt sich dann aber von seinem Kriegsminister Albrecht von Roon (1803-1879) überreden, den preußischen Gesandten Otto von Bismarck zum Ministerpräsidenten zu berufen.
Wilhelm stimmt mit Bismarck in den politischen Überzeugungen weitgehend überein, steht aber dessen Regierungsmethoden mit Skepsis gegenüber. Dennoch unterstützt er bis zu seinem Tod 26 Jahre lang die Außen- und Innenpolitik Bismarcks und lehnt konsequent jedes Rücktrittsgesuch von diesem ab.

1864
Im Deutsch-Dänischen Krieg führt Wilhelm den Oberbefehl über die preußische Armee.

1866
Im Deutschen Krieg führt Wilhelm den Oberbefehl über die preußische Armee.
Im Konflikt um die Friedensbedingungen kann Bismarck den König gemeinsam mit Kronprinz Friedrich davon überzeugen, Deutsch-Österreich nicht zu annektieren.

1867
Wilhelm I. übernimmt den Vorsitz im neugegründeten Norddeutschen Bund.

1870
Im Deutsch-Französischen Krieg hat Wilhelm I. das Kommando über die deutschen Truppen in der entscheidenden Schlacht von Sedan.

1871
18. Januar: Im Schloss von Versailles bei Paris wird Wilhelm von den versammelten deutschen Fürsten und Repräsentanten der Freien Städte zum Kaiser des neu gegründeten Deutschen Reichs ausgerufen. Dieser Kaiserproklamation hatte der 74jährige nur zögernd zugestimmt, da er den Titel des Königs von Preußen als weitaus höher erachtete; er habe, wie er seinem Sohn, dem Kronprinzen, gegenüber äußert "die glänzende preußische Krone mit dieser Schmutzkrone vertauschen müssen".
Die Regierungsgeschäfte überlässt Wilhelm I. weitgehend seinem Reichskanzler und preußischen Ministerpräsidenten Bismarck. Er selbst beschränkt sich ganz auf das Repräsentieren, die Verkörperung der staatlichen Würde und die Billigung der Bismarckschen Entscheidungen.
Als Integrationsfigur des Reiches und mit seinem an Sparsamkeit und Einfachheit orientierten Lebensstil gewinnt der Kaiser zunehmend an Popularität in der Bevölkerung.

1878
11. Mai: Attentatsversuch des Klempnergesellen Max Hödel (1857-1878). Die bei einer offenen Kutschfahrt auf dem Berliner Boulevard "Unter den Linden" abgegebenen Revolverschüsse verfehlen ihr Ziel.
2. Juni: Bei einem erneuten Attentat wird Wilhelm schwer verwundet. Der Täter Dr. Karl Nobiling (1848-1878) feuert zwei Schrotladungen vom Fenster eines Hauses "Unter den Linden" auf den in offener Kutsche vorbeifahrenden Kaiser.
Reichskanzler Bismarck nutzt die Attentate, um das Sozialistengesetz gegen die Sozialdemokratie und die Arbeiterbewegung im Reichstag durchzusetzen.

1879
15. August: Im so genannten Ohrfeigenbrief beklagt Zar Alexander II. seinem Onkel Wilhelm gegenüber die Undankbarkeit Preußens und Deutschlands und bezieht sich damit auf die für Russland nachteiligen Ergebnisse des Berliner Kongresses. Seinen traditionellen Vorstellungen einer engen Bindung an Russland und dynastischer Verbundenheit folgend, reist Wilhelm entgegen den Empfehlungen Bismarcks, des Kronprinzen und seiner Gemahlin Augusta im September nach Russland, um im persönlichen Zwiegespräch die Aussöhnung herbeizuführen.
Nur widerstrebend stimmt er nach einer erneuten Rücktrittsdrohung Bismarcks im Oktober der engeren Bindung an Österreich-Ungarn im Zweibund zu.

1883
18. September: Bei der Einweihung des Niederwalddenkmals in Rüdesheim bereitet eine Anarchistengruppe einen Dynamit-Anschlag auf den Kaiser vor, der aufgrund der feuchten Wetterlage fehlschlägt.

1888
9. März: Nach kurzer Krankheit stirbt Wilhelm I. in Berlin. Auf den Thron folgt ihm zunächst sein todkranker Sohn Friedrich III. und nach 99 Tagen sein Enkel Wilhelm II.
16. März: Beisetzung im Mausoleum im Schlosspark von Charlottenburg.

nach 1888
Zahlreiche Denkmäler, zumeist Reiterstandbilder, werden zu Ehren des Verstorbenen errichtet. Die bekanntesten sind das 1890-1896 erbaute Kyffhäuserdenkmal, das 1896 eingeweihte Kaiser-Wilhelm-Denkmal an der Porta Westfalica sowie das 1897 errichtete Denkmal am Deutschen Eck in Koblenz. Das 1898 neben dem Stadtschloss errichtete Berliner Kaiser-Wilhelm-Denkmal wird 1950 demontiert und eingeschmolzen.

(db)

Home