1887-1968
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Arnold Zweig
Schriftsteller
- 1887
- 10. November: Arnold Zweig wird im schlesischen Glogau
(heute: Glogów/Polen) als Sohn des jüdischen Sattlermeisters
Adolf Zweig und dessen Frau Bianca geboren.
- 1906/07
- Erste literarische Versuche.
- ab 1907
- Studium der Germanistik, Philosophie, Psychologie,
Kunstgeschichte und Nationalökonomie in Breslau (heute: Wroclaw/Polen),
München, Berlin, Göttingen, Rostock und Tübingen.
Besonders beeindruckt zeigt sich Zweig von dem Philosophen Friedrich
Nietzsche.
- 1912
- Mit den "Novellen um Claudia" findet er anerkennende
Beachtung.
- 1915
- Verleihung des Kleistpreises für die Tragödie
"Ritualmord in Ungarn".
- ab 1915
- Unter dem Eindruck des Ersten Weltkriegs wandelt
sich der in Serbien, Belgien und bei Verdun in Frankreich
eingesetzte Soldat Zweig vom preußischen Patrioten zum entschiedenen
Pazifisten.
- 1916
- Heirat mit seiner Cousine, der Kunstmalerin Beatrice
Zweig. Aus der Ehe gehen zwei Söhne hervor.
- 1917
- Als Mitarbeiter der Presseabteilung des Oberbefehlshabers
Ost kommt Zweig in Kontakt mit dem Ostjudentum, das bleibenden
Eindruck bei ihm hinterläßt.
- ab 1919
- Freier Schriftsteller am Starnberger See. Sein Kernthema
umfaßt die Problematik von Judentum und Zionismus. Wie sein
Freund Lion Feuchtwanger bringt Zweig in zeitkritischen,
humanistisch gefärbten Essays seine Kriegserlebnisse und
Nachkriegserfahrungen in der Weimarer Republik klar zum Ausdruck.
Zudem steht sein Werk durch Einflechtung tiefenpsychologischer
Analysetechniken unter dem Einfluß seines späteren
Briefpartners Sigmund Freud.
- 1920
- Essays wie "Das ostjüdische Antlitz"
zeugen von Zweigs Engagement für einen "zionistischen
Sozialismus".
- 1923
- Durch den Hitler-Putsch in München sieht
sich Zweig gezwungen, Starnberg zu verlassen. Er zieht nach Berlin,
wo er als Redakteur der "Jüdischen Rundschau" arbeitet.
- ab 1926
- Mitglied des P.E.N.-Clubs.
- 1927
- Im Mittelpunkt seines Meisterwerks "Der Streit
um den Sergeanten Grischa" steht ein Justizmord, mit
dem Zweig einen extremen moralischen Konflikt zwischen Individuum
und unerbittlicher preußischer Generalität beschreibt.
Dieser Roman wird von Zweig später dem unvollendeten Zyklus
"Der große Krieg der weißen Männer"
zugeordnet, dessen weitere Teile nach den wichtigsten Etappen
der Zeit von 1913 bis 1918 gegliedert sind, jedoch nicht in chronologischer
Reihenfolge erscheinen ("Junge Frau von 1914" [1931],
"Erziehung vor Verdun" [1935], "Einsetzung eines
Königs" [1937], "Die Feuerpause" [1954], "Die
Zeit ist reif" [1957]). Mit dieser desillusionierenden Chronik
thematisiert er in episch breiter Darstellung nach der traditionell
realistischen Erzählweise seiner literarischen Vorbilder
Theodor Fontane (1819-1898) und Thomas Mann die Ursachen
und Folgen des Ersten Weltkriegs. Hierbei unterzieht er insbesondere
den preußischen Militarismus und die verbreiteten Vorurteile,
Irrtümer und Utopien bürgerlicher Intellektueller einer
eingehenden Analyse.
- ab 1929
- Mitarbeiter der antifaschistischen Zeitschrift "Weltbühne".
- 1933
- Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten
hält er sich nach Reisen in die Tschechoslowakei und die
Schweiz zunächst in Sanary-sur-Mer (Frankreich) auf, wo er
zahlreiche Kollegen wie Thomas Mann, Lion Feuchtwanger, Anna
Seghers und Bertolt Brecht wiedertrifft. Aufgrund seiner
durch Martin Buber frühzeitig geprägten zionistischen
Überzeugung zieht es ihn jedoch weiter nach Haifa (Palästina).
- 1933-1948
- Abgeschnitten vom deutschen Kulturgeschehen gerät
der überzeugte Pazifist Zweig in seinem Exil bald völlig
in gesellschaftliche Isolation, da er sich durch scharfe Kritik
an der stark nationalistischen und antiarabischen Haltung der
jüdischen Bevölkerung Palästinas unbeliebt macht.
Darüber hinaus bedrohen finanzielle Nöte seine Existenz.
Zweig wendet sich schon bald enttäuscht vom Zionismus ab
und engagiert sich verstärkt für den Sozialismus. Seine
umstrittenen Ansichten veröffentlicht er in antifaschistischen
Publikationen wie der "Neuen Weltbühne" oder der
"Deutschen Volkszeitung".
- 1942/43
- Mitherausgeber der deutschsprachigen Exilzeitschrift
"Orient".
- 1948
- Drei Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs übersiedelt
Zweig nach Ost-Berlin, wo sich ihm durch die Nähe zu ebenfalls
zurückgekehrten Kollegen wie Brecht und Seghers ein günstigeres
Arbeitsumfeld bietet. Dem bekennenden "marxistischen Sozialisten"
werden in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) und später
gegründeten Deutschen Demokratischen Republik (DDR)
Ehre und Anerkennung zuteil. Wegen seiner Bejahung des Marxismus
findet Zweigs Werk in der Bundesrepublik Deutschland hingegen
allenfalls mißbilligende Beachtung.
- 1949
- Als Mitglied des Weltfriedensrats ist Zweig Delegierter
und Redner auf dessen Kongressen in Paris und Warschau (1952).
- 1949-1967
- Abgeordneter der Volkskammer der DDR.
- 1950
- Ihm wird der "DDR-Nationalpreis" 1. Klasse
verliehen.
- 1950-1953
- Präsident der "Deutschen Akademie der
Künste" der DDR, danach Ehrenpräsident.
- 1954
- Zweig erhält den "Vaterländischen Verdienstorden
der DDR" in Silber.
- 1957
- Ernennung zum Präsidenten des "Deutschen P.E.N.-Zentrums
Ost und West" (ab 1967: "P.E.N.-Zentrum DDR") als
Nachfolger seines verstorbenen Kollegen Brecht.
- 1959
- Im Moskauer Kreml wird ihm der "Internationale
Lenin-Friedenspreis" überreicht.
- 1962
- Ehrenhalber wird Zweig zum Professor ernannt. Gesundheitlich
angeschlagen und fast erblindet, zieht er sich immer mehr aus
der Öffentlichkeit zurück.
- 1968
- 26. November: Arnold Zweig stirbt in Ost-Berlin.
(ks)
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