Hermann Fischer (Deutsche Demokratische Partei)

Wahlaufruf anläßlich der Reichstagswahl vom 20. Mai 1928

[Ton]

Die Wirtschaftspolitik der Deutschen Demokraten ist durch folgende Zielsetzungen bestimmt. Reichsreform, Steuersenkung, Preisabbau, Stärkung der Kaufkraft des Binnenmarktes und Steigerung der Ausfuhr. Die Rechtsregierung des Jahres 1925 hat die steuerliche Überbelastung und verschuldende Steuergesetzgebung geschaffen. Die Rechtsregierung des Jahres 1927 hat die finanzwirtschaftlichen Ansprüche der Länder einseitig bevorzugt und der erforderlichen Verwaltungsreform in Richtung auf den Einheitsstaat schwere Hemmungen entgegengestellt. An die Stelle der mutigen Einleitung einer Steuersenkungspolitik durch den demokratischen Reichsfinanzminister Dr. Reinhold im Jahre 1926 ist erneut eine rein fiskalische, bürokratische und die Wirtschaft unerträglich belastende Finanzpolitik getreten. Der kommende Reichstag muß hier Wandel schaffen. [...] Die deutsche Volkswirtschaft muß wieder auf die Grundpfeiler eigenen Besitzes, eigenen Kapitales gestellt werden. ihr Aufbau auf Auslandskrediten darf Übergang, aber nicht Dauerzustand sein. [...] Wir müssen die Finanzkraft des Reiches im Dienste der außenpolitischen Befreiungsarbeit stärken und der kommunalen Selbstverwaltung größere Bewegungsfreiheit geben. [...] Die Steuerpflichtigen bedürfen der rechtlichen Sicherung gegen übersteigerte Steueranforderungen und des Schutzes gegen bürokratische Selbstherrlichkeit. Durch Reform der Sozialgesetzgebung ist auch hier Verwaltungseinfach, Verwaltungsvereinfachung herbeizuführen. Die Herabminderung der hohen Soziallasten ist ohne Minderung der Sozialleistungen möglich und liegt vor allem im Interesse der Steigerung des freien Arbeitslohnes aller Arbeitnehmenden. Einheitliche Neuorientierung der deutschen Wirtschaftspolitik wird die Unkosten der deutschen Wirtschaft und jedes einzelnen Unternehmens erheblich senken und eine Steigerung der Einkommen und Löhne herbeiführen. Der Staat wird dabei auch gleichzeitig die Möglichkeit gewinnen jetzt von der Rechtsregierung vernachiässigte Verpflichtungen gegenüber den Kleinrentnern zu erfüllen. In einer starken Demokratischen Partei liegt für die nächste Zukunft der deutschen Wirtschaft und damit des ganzen deutschen Volkes die größte Sicherung weiteren Aufstieges und endlicher, wirklicher Gesundung.

Quelle: Deutsches Rundfunkarchiv, Frankfurt am Main