Brief Kaiser Karls von Österreich an Kaiser Wilhelm II.
Reichenau, am 26. August 1917

Teuerer Freund!
Die Erfahrungen, die wir in der elften Isonzoschlacht machten, reifen in mir die Überzeugung, daß wir in einer zu erwartenden zwölften Isonzoschlacht einen äußerst schweren Stand haben werden. Bei meinen Führern und braven Truppen hat sich die Überzeugung gebildet, daß der schwierigen Lage am wirksamsten und sichersten durch eine Offensive Herr geworden werden könnte. Zu einer solchen reichen meine jetzt am italienischen Kriegsschauplätze kämpfenden Heereskörper nicht aus und müßten solche aus dem Osten herangeführt werden. Ich bitte Dich daher, teuerer Freund, auf Deine leitenden Generale einzuwirken, damit sie österreichisch-ungarische Divisionen im Osten durch Ablösung deutscher Truppen frei machen. Du wirst mich sicher verstehen, wenn ich ein besonderes Gewicht darauf lege, die Offensive gegen Italien nur mit meinen Truppen zu führen. Meine ganze Armee nennt den Krieg gegen Italien "unseren Krieg". Jeder Offizier hat von Jugend auf das von den Vätern ererbte Gefühl, die Sehnsucht in der Brust, gegen den Erbfeind zu kämpfen. Würden uns deutsche Truppen helfen, so würde dies niederdrückend, auf die Begeisterung lähmend wirken. Nur deutsche Artillerie, besonders schwere, würden ich und meine Armee als willkommene Hilfe auf dem italienischen Kriegsschauplatz begrüßen. Die Zeit drängt. Durch einen erfolgreichen Stoß gegen Italien bringen wir das Kriegsende vielleicht rasch heran. Ich hoffe daher, teuerer Freund, auf Deine Zustimmung, damit mein Generalstabschef ehestens die Details mit Deiner Obersten Heeresleitung vereinbaren kann. In treuer Freundschaft, Karl