Der amtliche deutsche Bericht zur Seeschlacht am Skagerrak 1./2. Juni 1916
1. Juni
Unsere Hochseeflotte ist bei einer nach Norden gerichteten
Unternehmung am 31. Mai auf den uns erheblich überlegenen
Hauptteil der englischen Kampfflotte gestoßen. Es entwickelte
sich am Nachmittag zwischen Skagerrak und Horns Riff eine Reihe
schwerer, für uns erfolgreicher Kämpfe, die auch während
der ganzen folgenden Nacht andauerten.
In diesen Kämpfen sind, soweit bisher bekannt, von uns vernichtet
worden: Das Großkampfschiff "Warspite", die Schlachtkreuzer
"Queen Mary" und "Indefatigable", zwei Panzerkreuzer,
anscheinend der "Achilles"-Klasse, ein kleiner Kreuzer,
die neuen Zerstörerführerschiffe "Turbulent",
"Nestor" und "Alcaster" sowie eine große
Anzahl von Torpedobootszerstörern und ein Unterseeboot. Nach
einwandfreier Beobachtung hat ferner eine große Reihe englischer
Schlachtschiffe durch die Artillerie unserer Schiffe und durch
Angriffe unserer Torpedobootsflottillen während der Tagesschlacht
und in der Nacht schwere Beschädigungen erlitten. Unter anderen
hat auch das Großkampfschiff "Marlborough", wie
Gefangenenaussagen bestätigen, Torpedoboottreffer erhalten.
Durch mehrere unserer Schiffe sind Teile der Besatzungen untergegangener
englischer Schiffe aufgefischt worden, darunter die beiden einzigen
Überlebenden der "Indefatigable".
Auf unserer Seite ist der kleine Kreuzer "Wiesbaden"
während der Tagesschlacht durch feindliches Artilleriefeuer
und in der Nacht S. M. S. "Pommern" durch Torpedoschuß
zum Sinken gebracht worden. Über das Schicksal S. M. S. "Frauenlob",
die vermißt wird, und einiger Torpedoboote, die noch nicht
zurückgekehrt sind, ist bisher nichts bekannt.
Die Hochseeflotte ist im Laufe des heutigen Tages in unsere Häfen
eingelaufen. 2. Juni
An der Schlacht vor dem Skagerrak waren auf
unserer Seite unter dem Befehl des Flottenchefs, Vizeadmiral Scheer,
beteiligt: unsere Hochseeflotte mit ihren Großkampfschiffen
und älteren Linienschiffen, Schlachtkreuzern, ferner unsere
sämtlichen in der Nordsee befindlichen leichten Streitkräfte,
Torpedoboots- und Unterseebootsflottillen. Auf der .feindlichen
Seite stand uns der größte Teil der englischen modernen
Schlachtflotte gegenüber. Befehlshaber der Aufklärungsstreitkräfte
war Vizeadmiral Hipper. Diese sind mit den feindlichen Schlachtkreuzern
und leichten Kreuzern als erste gegen 5 Uhr nachmittags ins Gefecht
gekommen, in das dann nacheinander auch die beiderseitigen Gros
eintraten. Die Tagesschlacht, in deren Verlauf unsere Torpedoboote
mehrfach, eine unserer Flottillen allein dreimal, Gelegenheit
hatten, erfolgreich einzugreifen, währte bis etwa 9 Uhr abends.
In ihr verlor der Feind das Großkampfschiff "Warspite",
den Schlachtkreuzer "Queen Mary" und einen Panzerkreuzer,
anscheinend der "Achilles"-Klasse, sowie mehrere Zerstörer.
Während der Nacht erfolgten von beiden Seiten erbitterte
Torpedobootsangriffe und Kreuzergefechte, denen die übrigen
gemeldeten feindlichen Schiffe zum Opfer fielen, u. a. hat allein
das deutsche Spitzenschiff 6 englische moderne Zerstörer
vernichtet. Alle bisher eingegangenen Bericht der beteiligten
deutschen Streitkräfte stimmen überein in der Feststellung
der vom Feinde während der fast ununterbrochenen zwölfstündigen
Kämpfe bewiesenen Tapferkeit.
Mit dem Verlust S. M. S. "Frauenlob" muß endgültig
gerechnet werden; das Schiff ist anscheinend in der Nacht vom
31. Mai zum 1. Juni während eines der Teilgefechte gesunken.
Von den Torpedobootsstreitkräften sind 5 Boote nicht zurückgekehrt,
ein großer Teil ihrer Besatzungen ist aber geborgen worden.
Trotz der für die Luftaufklärung ungünstigen Witterungsverhältnisse
während der beiden Kampftage haben die Marineluftschiffe
und Flieger durch ihre Aufklärungs- und Meldetätigkeit
zu dem Erfolge unserer Hochseestreitkräfte wesentlich beigetragen.