1871-1914



Heimarbeit


Die Deutsche "Heimarbeit-Ausstellung" von 1906 konfrontierte eine breitere Öffentlichkeit erstmals mit dem verborgenen sozialen Elend in dieser Branche. Auch Käthe Kollwitz klagte mit ihrem Plakat das schwere Los der Hausindustriellen an. Der Anblick der abgearbeiteten, verhärmten Frau störte Kaiserin Auguste Viktoria so sehr, daß sie sich weigerte, die Austellung zu besuchen, bis das Plakat auf allen Litfaßsäulen in der Reichshauptstadt überklebt wurde.

Allein die Bekleidungsindustrie, deren Zentren Großstädte wie Berlin, Hamburg oder Leipzig bildeten, waren um 1900 mehr als 200.000 Heimarbeiterinnen tätig, die Tag für Tag und in der Hochsaison auch Nacht für Nacht im Akkord nähten. Der Anschaffungspreis für die unverzichtbare Nähmaschine lag mit rund hundert Mark außerordentlich hoch, verglichen mit einem Wochenlohn in dieser Branche von weniger als zehn Mark. Der sozialdemokratische Arbeiter-Radfahrer-Bund "Solidarität", dem die Fahrradfabrik "Frisch auf" in Offenbach gehörte, vertrieb deshalb neben dem Hauptprodukt auch Nähmaschinen, die den Mitgliedern zu herabgesetzten Preisen überlassen wurden. Möglicherweise stammt das hier gezeigte Exemplar aus dem Fahrradhaus "Frisch auf" in Berlin oder Leipzig.

(rb)

KaiserreichI. WeltkriegWeimarHome