1871-1914![]()
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Der Maji-Maji Aufstand 1905 bis 1907Die zunehmenden Unterdrückungsmaßnahmen der Kolonialherren in Deutsch-Ostafrika (heute: Tansania, Ruanda, Burundi) und der Anspruch deutscher Farmer, Sklaven für die Bewirtschaftung ihrer Plantagen zu nutzen, verschlechterten das angespannte Verhältnis zur einheimischen Bevölkerung kontinuierlich. Schon Ende des 19. Jahrhunderts hatte es in der deutschen Kolonie von Hassan Buschiri (um 1837-1889) geführte Aufstände von Arabern und Stämmen der Massai sowie der Wahehe unter Mkwawa (um 1855-1898) gegeben. Auslöser für den Maji-Maji Aufstand 1905 war eine weitere Steuererhöhung, wodurch noch mehr Afrikaner in die Arbeit auf Plantagen gezwungen werden sollten. Dagegen erhoben sich die ansonsten untereinander uneinigen Stämme. Gemeinsam planten sie ihr Vorgehen und trafen völlig unerwartet die deutschen Kolonialbehörden, die einen organisierten Aufstand nicht erwartetet hatten. Die Erhebung begann in den Bergen um die Hafenstadt Kilwa südlich von Daressalam. Unter großem Zulauf breitete sich die Aufruhr schnell über den ganzen Süden der Kolonie mit dem Glauben aus, durch Zauberwasser - bei den Einheimischen "Maji" genannt - gegenüber den Kugeln der deutschen Kolonialtruppen unverwundbar zu sein. Hunderte Afrikaner starben dadurch allein bei den zahlreichen Gefechten mit den deutschen Kolonialtruppen. Neben den Kampfhandlungen bestraften die deutschen Behörden in den aufständischen Gebieten die Bewohner mit Todesurteilen und Abrennen ihrer Häuser und Felder. Diese Racheakte und die Kämpfe während des größten Aufstands in der Kolonialgeschichte des Deutschen Reichs forderten bis zu dessen Ende 1907 insgesamt etwa 100.000 Todesopfer. Das brutale Vorgehen der deutschen Kolonialherren löste in Deutschland eine Protestwelle in Teilen der Bevölkerung aus. Ein Großteil der Fraktionen des Zentrums um den jungen Politiker Matthias Erzberger und der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) sowie einige Linksliberale versuchten die Kolonialpolitik mittels ihrer Stimmen zur Bewilligung des Haushalts abzuändern. Die deutsche Regierung bemühte sich um eine Verbesserung der Lebensverhältnisse in allen deutschen Kolonien und setzte als neuen Leiter der Kolonialabteilung des Auswärtigen Amts Bernhard Dernburg (1865-1937) ein. So wurden schon während des Maji-Maji Aufstands Maßnahmen getroffen, die Sklaverei in den deutschen Schutzgebieten offiziell abzuschaffen. Nach der Niederschlagung des Aufstands 1907 kam es bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 zu keinen größeren Erhebungen in Deutsch-Ostafrika. (ja)
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