1871-1914![]()
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Die erste Marokko-Krise 1905/06
Da das Deutsche Reich in der Annäherung der beiden Mächte eine für sich gefährliche und isolierende Konstellation erkannte, suchte es in Europa nach neuen Bündnispartnern. Die deutsche Regierung trat deshalb zur Errichtung eines Kontinentalbündnisses mehrfach an Rußland heran, allerdings ohne Erfolg. Rußland war bereits durch den "Zweibund" Bündnisverpflichtungen mit Frankreich eingegangen, die in Verbindung mit dem britisch-französischen Ausgleich faktisch auf eine "Einkreisung" Deutschlands hinausliefen. Deutschland ging daher dazu über, unmittelbaren Druck auf Frankreich auszuüben, um es von der Seite Großbritanniens zu lösen, indem es die Regelung der Marokko-Frage auf einer einzuberufenden internationalen Konferenz forderte. An territorialem Erwerb in Nordafrika war der deutsche Führung vorerst nicht gelegen. Sie nahm die Marokko-Frage lediglich zum Anlaß für eine mögliche Neuordnung der europäischen Mächtekonstellation. Ende März 1905 gab Kaiser Wilhelm II. dem Drängen von Reichskanzler Bernhard Fürst von Bülow nach und stattete dem Sultan von Marokko zu dessen diplomatischer Aufwertung einen Staatsbesuch in Tanger ab. Mit seiner dort abgegeben Erklärung über die Souveränität Marokkos demonstrierte der Kaiser, daß Frankreich nur mit Einbindung des deutschen Kaiserreichs seine Interessen in Nordafrika verfolgen könne. Das brüskierte Frankreich bot den Deutschen daraufhin im Mai 1905 eine Beilegung der kolonialen Streitigkeiten nach dem Muster der "Entente Cordiale" an. Deutschland hielt aber erfolgreich an seiner Forderung nach Einberufung einer internationalen Konferenz zur Marokko-Frage fest, die im Januar 1906 in Algeciras unter Beteiligung von Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Rußland, Amerika, Österreich-Ungarn, Italien, Spanien, Portugal, Belgien, Schweden und den Niederlanden stattfand. Das Deutsche Reich hatte im Vorfeld der Konferenz den britisch-französischen Zusammenhalt und den großen Einfluß beider Länder auf die anderen Konferenzteilnehmer unterschätzt. In Algeciras war es mit seinem Bündnispartner Österreich-Ungarn isoliert und international erheblich an Reputation. Ergebnis der langwierigen Verhandlungen war die am 7. April 1906 unterzeichnete "Algeciras-Akte". Sie garantierte die Handelsfreiheit, sah aber die Schaffung internationaler Institutionen zur Kontrolle Marokkos vor, in denen Frankreich - sehr zum Verdruß Deutschlands - besonders stark repräsentiert war. (cpr)
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