1871-1914

[Skulptur: Fritz Schaper

 



Fürst Otto von Bismarck


Das erste öffentliche Monument, das den Reichskanzler Otto von Bismarck in Überlebensgröße zeigte, schuf Fritz Schaper (1841-1919) für den Augustinerplatz in Köln in den Jahren 1876 bis 1879 (im Zweiten Weltkrieg zerstört). In der katholischen Metropole Köln und im ganzen Rheinland empfanden es viele Katholiken angesichts des "Kulturkampfs" als Provokation. Im Kaiserreich wurde das Denkmal aber so populär, daß die Bildgießerei Gladenbeck verkleinerte Ausführungen in drei verschiedenen Größen zum Verkauf anbot. Bismarck trägt die Interimsuniform der Kürassiere. Mit der linken Hand stützt er sich auf den Pallasch, während er mit der rechten seitlich in den zugeknöpften Rock greift. Diese Form der Bismarck-Darstellung wurde in den folgenden zwanzig Jahren von zahlreichen Bildhauern aufgegriffen und nur leicht variiert: Ein beliebtes zusätzliches Attribut war die Verfassungsurkunde in der Hand des Reichsgründers.

Bis 1914 wurden mindestens 500 Bismarck-Denkmäler jeglicher Art, einschließlich der Gedenksteine, Brunnen, Porträtbüsten und Reliefs, errichtet. Die Hochburgen der Bismarckverehrung lagen in den industriellen Ballungszentren in Westfalen, in Thüringen und in Sachsen, dagegen tauchten entsprechende Denkmäler in den traditionell antipreußisch eingestellten Reichsgebieten Bayern, Hannover oder Elsaß-Lothringen nur spärlich auf. Politische Gruppierungen, die unter der Machtpolitik Bismarcks zu leiden hatten, dürften ebenfalls keinen Grund gesehen haben, den Reichskanzler mit einem Denkmal zu verherrlichen. Ihre kritische Haltung kam eher in Karikaturen oder hintergründigen Souvenirartikeln zum Ausdruck.

(lk)

 

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