1871-1914



Liberale Vereinigung
1880-1884


Am 28. August 1880 verkündeten 28 führende nationalliberale Politiker ihren Austritt aus der Nationalliberalen Partei. Sie kritisierten die enge Bindung ihrer Parteiführer Karl Rudolf von Bennigsen und Johannes Miquel (1828-1901) an Reichskanzler Otto von Bismarck und die uneingeschränkte Unterstützung seiner Politik. Bereits in der Debatte um das "Sozialistengesetz" 1878 waren erste innerparteiliche Differenzen aufgetreten, die sich in der Frage der Bismarckschen Schutzzollpolitik zum offenen Konflikt entwickelten. Die "Sezessionisten", wie die Mitglieder des ausgetretenen linken Parteiflügels ab 1881 genannt wurden, gründeten darauf hin 1880 die Liberale Vereinigung. Sie forderten die Rücknahme der Schutzzollbestimmungen, die Liberalisierung der Wirtschaft und die Parlamentarisierung der konstitutionellen Monarchie. Neben den Parteiführern Eduard Lasker (1829-1884) und Franz August Freiherr Schenk von Stauffenberg (1834-1901) gehörten auch der Jurist Ludwig Bamberger (1823-1899), der Berliner Bürgermeister Maximilian von Forckenbeck (1821-1892), der Althistoriker Theodor Mommsen und der Direktor der Deutschen Bank, Georg von Siemens, zur neuen linksliberalen Partei.

Bei der Reichstagswahl am 27. Oktober 1881 erreichte die Liberale Vereinigung mit 46 Abgeordnete ebenso viele Mandate wie die Nationalliberale Partei. Inhaltlich positionierten sich die Linksliberalen in der folgenden Legislaturperiode in Opposition zu Bismarcks Wirtschafts- und Innenpolitik. Allerdings ging ihr 1882 verabschiedetes Parteiprogramm in zentralen Punkten nicht über die alten liberalen Forderungen hinaus, neue Positionen wurden nicht entwickelt. In der Hoffnung auf einem baldigen Thronwechsel durch den als liberal bekannten Kronprinz Friedrich Wilhelm von Preußen, dem späteren Kaiser Friedrich III., strebten die "Sezessionisten" die zügige Einigung der linksliberalen Reichstagsfraktionen an. Im März 1884, noch vor der Reichstagswahl am 28. Oktober 1884, fusionierte die Liberale Vereinigung nach kurzen Verhandlungen mit der Deutschen Fortschrittspartei zur Deutsch-Freisinnigen Partei.

(jl)

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