1933-39
![[Broschüre: Werbeprospekt für den KdF-Wagen (Titelblatt), 1938]](../../../../objekte/pict/630_2/200.jpg)
![[Broschüre: "KdF-Stadt" während der Olympischen Spiele, 1936]](../../../../objekte/pict/95009182/200.jpg)
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Die NS-Freizeitorganisation "Kraft durch Freude" (KdF)
Die am 27. November 1933 gegründete NS-Gemeinschaft "Kraft durch Freude" (KdF) war die populärste Organisation im NS-Regime. Das Volkswagen-Projekt sowie Nah- und Fernreisen gehörten
zu den wichtigsten Aktivitäten der
Freizeitorganisation KdF, einer Unterorganisation der Deutschen Arbeitsfront (DAF). Mit dem
umfassenden Wirken dieser Organisation sollte vorrangig die Arbeiterschaft
in die "Volksgemeinschaft" integriert werden. Zugleich
sollten so die im Zuge der Aufrüstung notwendigen Produktionssteigerungen
ohne nennenswerte Lohnerhöhungen durchgesetzt werden. KdF-Veranstaltungen sollten der Entspannung und der Regeneration zur Erhöhung der Arbeitsleistung dienen, wozu auch die Verbesserung und Verschönerung der Arbeitsplätze mit Kantinen, Sportstätten oder Grünanlagen gehörte. Die
Organisation KdF, die den Zugang zu bisher bürgerlichen
Privilegien anbot, diente letztlich der Vorstellung einer klassenlosen
Gesellschaft im Sinne der nationalsozialistischen Volksgemeinschaft.
Die vielfältigen Aktivitäten von KdF boten ein umfangreiches kulturelles und touristisches Freizeitprogramm. Theateraufführungen, Konzerte, Kunstausstellungen oder Vorträge wurden bis 1938 von über 38 Millionen Menschen besucht. In Berlin sollte die "KdF-Stadt" 1936 jedem "deutschen Volksgenossen" die Teilnahme an den Olympischen Spielen ermöglichen. In den eigens erbauten Häusern in der Nähe des Berliner Olympiastadions wurden günstige Unterkünfte und Verpflegung angeboten. Das von der NS-Propaganda stark herausgestellte "Prunkstück" von KdF war ihr Reiseprogramm. 43 Millionen Reisen verkaufte KdF bis 1939, überwiegend
Tagesausflüge. Von den sieben Millionen Urlaubsreisen waren
690.000 Hochseefahrten nach Norwegen, Madeira oder Italien. Die
Preise lagen zwischen einer und fünf Reichsmark für
Kurzreisen und 120 Reichsmark für eine Schiffsreise nach
Madeira, die jedoch für einen Arbeiter mit einem Monatseinkommen
von rund 150 Reichsmark nahezu unerschwinglich war. Ähnlich
dem "Reisesparen" war ab 1938 auch der Erwerb des KdF-Wagens von Volkswagen (VW)
geregelt. Der Interessent erwarb Woche für Woche Sparmarken,
bis die Kaufsumme von 990 Reichsmark erreicht war. Zwei Jahre
später hatten bereits 300.000 potentielle Käufer über
280 Millionen Reichsmark angespart, für die sie niemals ein
Auto erhielten: Das neu errichtete Werk bei Fallersleben produzierte
nur noch für den Zweiten Weltkrieg - den bekannten "Kübelwagen".
(cj)
Video: "Kraft durch Freude"
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