1933-39


[Postkarte: Ernst Röhm, 1933/34]



Der "Röhm-Putsch"


Neben den Hakenkreuzfahnen prägten nach der nationalsozialistischen Machtübernahme am 30. Januar 1933 vor allem die braunen Uniformen der Sturmabteilung (SA) das öffentliche Straßenbild. Auf rund vier Millionen Mitglieder war die ursprünglich als Saalschutz gegründete SA im Frühjahr 1934 angeschwollen. Entscheidend für den Eintritt in die SA war oft die Hoffnung auf eine Bevorzugung bei der Vergabe von Stellen. Genährt wurden diese Erwartungen durch den Stabschef der SA, den ehemaligen Offizier Ernst Röhm. Vor allem er forderte eine "zweite Revolution" mit einer radikalen sozialen Umgestaltung. In "seiner" SA sah Röhm den Kern einer neu zu gründenden "Volksmiliz", der er auch die Reichswehr einverleiben wollte. Von der traditionsbewussten Reichswehr wurde diese Idee entschieden verworfen. Den schwelenden Konflikt zwischen SA und Reichswehr musste Adolf Hitler entscheiden. Gegen Röhm und seine sozialrevolutionären Vorstellungen sprach sein unverhüllt vorgetragener Machtanspruch. Aber auch innerparteiliche Rivalen Röhms - vor allem Heinrich Himmler und Hermann Göring - bestärkten Hitler in seinem Entschluss, nicht die SA, sondern die Reichswehr zu einer modernen, möglichst schnell kriegsfähigen Armee auszubauen.

Die Schutzstaffel (SS) schürte gezielt Gerüchte über einen bevorstehenden Putsch der SA und betonte die - seit langem bekannte - homosexuelle Veranlagung Röhms. Anlässlich einer Führertagung der SA ließ Adolf Hitler dann am 30. Juni 1934 die gesamte SA-Führung durch SS-Einheiten liquidieren. Gleichzeitig wurden "alte Rechnungen" beglichen, denen "alte Kämpfer" der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) ebenso zum Opfer fielen wie NS-Gegner. Widerspruchslos nahm die Reichswehr es hin, dass auch der letzte Reichskanzler der Weimarer Republik, General Kurt von Schleicher, ermordet wurde. Die von den Nationalsozialisten als "Röhm-Putsch" verschleierte Mordaktion rechtfertigte die Reichsregierung am 2. Juli 1934 nachträglich per Gesetz als "Staatsnotstand".

Die in die Mordaktionen verstrickte Reichswehr hatte sich des lästigen Konkurrenzanspruches der SA entledigt. Um auch zukünftig der Gunst Hitlers sicher zu sein, ordnete Reichskriegsminister Werner von Blomberg noch am Todestag von Reichspräsident Paul von Hindenburg die Vereidigung der Reichswehr auf die Person des "Führers und Reichskanzlers" an.

(ba)

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