1933-39

[Exponat: Teile einer HJ-Uniform, 1935-1945]

[Postkarte: SS-Werbepostkarte, 1938-1944]

[Plakat: BDM-Sporttag, um 1936]

[Photo: Aufmarsch des Deutschen Jungvolks, nach 1935]



Die Hitler-Jugend (HJ)


Die Hitler-Jugend (HJ) wurde auf dem 2. Reichsparteitag der NSDAP vom 3./4. Juli 1926 in Weimar als nationalsozialistische Jugendbewegung gegründet. Gegenüber anderen politischen oder konfessionellen Jugendorganisationen blieb die HJ während der Weimarer Republik eher unbedeutend. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 wandelte sich die HJ durch das Verbot sämtlicher konkurrierender Jugendverbände von einer Parteijugend zur Staatsjugend. Die anfangs noch formell freiwillige Mitgliedschaft wurde am 1. Dezember 1936 durch das "Gesetz über die Hitler-Jugend" und am 25. März 1939 durch die Einführung der "Jugenddienstpflicht" zur Zwangsmitgliedschaft. Die Zahl der HJ-Mitglieder stieg von rund 100.000 im Jahr 1932 auf 8,7 Millionen 1939. Nach Einführung der Zwangsmitgliedschaft waren nahezu alle Jugendlichen Mitglied der HJ.

Die uniformiert auftretende und militärisch organisierte HJ, in der das Prinzip "Jugend wird von Jugend geführt” weitgehend verwirklicht wurde, gliederte sich nach Altersgruppen und Geschlecht: Das Deutsche Jungvolk (DJ) erfasste die 10- bis 14-jährigen Jungen, die eigentliche HJ die 14- bis 18-jährigen Jungen. In gleicher Weise waren die zur HJ gehörenden Mädchenverbände in Jungmädelbund (JM) und Bund Deutscher Mädel (BDM) gegliedert. Hinzu kam 1938 das BDM-Werk "Glaube und Schönheit" für die 17- bis 21-jährigen Frauen, die - auf freiwilliger Basis - auf ihre Rolle als Hausfrau und Mutter vorbereitet wurden. An Vorabenden des Geburtstags des "Führers" Adolf Hitler sowie auf Reichsparteitagen wurden die in das Deutsche Jungvolk und den Jungmädelbund eintretenden "Pimpfe" und "Jungmädel" ebenso feierlich verpflichtet wie die in die HJ und den BDM überführten 14-jährigen Jungen und Mädel. Jene über 18-jährigen HJ-Mitglieder, die sich zum Eintritt in die NSDAP entschlossen hatten, wurden feierlich in die Partei aufgenommen und öffentlich vereidigt.

Organisatorisch war die HJ seit dem 1. Mai 1931 der Obersten Führung der Sturmabteilung (SA) unterstellt. Nach dem Verbot der SA vom April 1932 arbeitete die - als SA-Gliederung ebenfalls - verbotene HJ als "Nationalsozialistische Jugendbewegung" weiter. Mit Ernennung Baldur von Schirachs zum Reichsjugendführer und Amtsleiter der NSDAP wurde die HJ der NSDAP angegliedert. Als Schirach 1940 zum Reichsstatthalter und Gauleiter in Wien ernannt wurde, ging die Führung der HJ auf Schirachs bisherigen Stellvertreter Artur Axmann über.

Feierliche Aufzüge, Propagandamärsche und Paraden, Fahrten, "Geländespiele" und geselliges Lagerleben machten die HJ für viele Jugendliche attraktiv. Wesentlicher Bestandteil des HJ-Diensts war der sogenannte Heimabend, an dem sich einmal wöchentlich kleinere HJ-Ortsgruppen trafen, um Aktivitäten vorzubereiten. Zu den Heimabenden zählte das gemeinsame Hören von propagandistischen Radiosendungen, die speziell für die Jugend produziert wurden. Über die HJ erfolgte nicht nur die Vermittlung der NS-Ideologie mit ihrem Wertesystem von Gefolgschaftstreue, Kameradschaft, Pflichterfüllung und Willensstärke, sondern mit der Betonung der körperlichen Leistungsfähigkeit und ihrer paramilitärischen Ausbildung diente die HJ immer stärker der Rekrutierung von Soldaten. Zum HJ-Dienst kamen während des Zweiten Weltkriegs verstärkt Aufräumaktionen, Luftschutzdienst und Sammelaktionen für Kleider, Altmetall oder für das Winterhilfswerk (WHW) hinzu. Die HJ war auch an der Organisation der Kinderlandverschickung (KLV) wesentlich beteiligt. Der Zwangscharakter und die immer deutlicher hervortretende Militarisierung des HJ-Diensts schufen vor allem während des Kriegs ein wachsendes Potential an Jugendopposition.

(be)


[Text] Erste Durchführungsverordnung zum Gesetz über die Hitler-Jugend
[Text] Gesetz über die Hitlerjugend vom 1. Dezember 1936
[Text] HJ-Dienst: Leibesübungen, Schießen, Geländesport
[Text] Todesfälle in der HJ (bis 1939)


Persönliche Erinnerungen an die Hitler-Jugend:

[Kollektives Gedächtnis] Wolfgang Pickert: "Die Augen links" - Als Hitler-Junge in Berlin
[Kollektives Gedächtnis] Hans Mendgen: Als Hitlerjunge in Kronstadt (Rumänien)
[Kollektives Gedächtnis] Werner Viehs: Hitlerjunge und Messdiener in Berlin
[Kollektives Gedächtnis] Horst Lippmann: Hitlerjugend 1943 - Meine Pimpfzeit
[Kollektives Gedächtnis] Werner Mork: Als Pimpf im Deutschen Jungvolk
[Kollektives Gedächtnis] Theo Schänker: Tausend Jahre
[Kollektives Gedächtnis] Ursula Sabel: Erlebnisse im BDM
[Kollektives Gedächtnis] Wolfgang Herchner: Pimpfe

[Kollektives Gedäc
htnis] Weitere Beiträge aus dem Kollektiven Gedächtnis zur Hitler-Jugend

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