1850-1870
![[Gemäde: "Abschied der Auswanderer" (Ausschnitt), 1860]](../../../../objekte/pict/k1000017/200.jpg)
|

|
Antonie Volkmar: Abschied der Auswanderer
Wer einmal den Entschluss zur Auswanderung getroffen hat,
begibt sich auf eine oft gefährliche Reise ins Ungewisse.
Die Malerin Antonie Volkmar (1827-1867) veranschaulichte mit ihrem
Gemälde "Abschied der Auswanderer" von 1860 die
Endgültigkeit einer solchen Entscheidung. Mehrere Generationen
sitzen in einem Boot, während die Ruderer dem startbereiten
Segler zustreben, an dessen Heck die US-amerikanische Flagge gehisst
ist. Nur das Nötigste konnte von Zuhause mitgenommen werden.
Für alle an Bord nimmt das Dasein eine entscheidende Wendung
mit ungewissem Ausgang. Der Alte faltet die Hände zum Gebet.
Zukunftsangst, Skepsis, Bedenken oder Trauer spiegeln sich in
den Gesichtern der Auswanderer wider.
Als das Bild entstand, berichteten deutsche Zeitungen regelmäßig
über Auswanderer und ihre Erlebnisse in Nordamerika. In Bremerhaven
schifften sich 1860 über 30.000 Menschen ein, in Hamburg
13.000. Untergebracht waren die Auswanderer in meist überfüllten
Zwischendecks, die nach einer Hamburger Verordnung von 1850 nur
1,72 Meter hoch sein mussten. Jeder Auswanderer hatte Anspruch
auf 1,88 x 0,63 Meter, die als Schlaf-, Ess- und Aufenthaltsfläche
diente. Die kümmerlichen hygienischen und medizinischen Bedingungen
ließen die 40- bis 80-tägige Überfahrt oft zur
Qual werden. Erst mit dem vermehrten Einsatz von modernen Dampfschiffen
in den 1890er Jahren verkürzte sich die Reisezeit auf 10
bis 14 Tage.
(jl)
   
|