Wie das Herzogtum Holstein war auch das Herzogtum Schleswig in
Personalunion mit der dänischen Krone verbunden, gehörte
aber nicht wie Holstein dem Deutschen Bund an, sondern war altes
dänisches Reichslehen. Während die Bevölkerung
in Holstein deutsch war, lebte in Schleswig eine nicht unbeträchtliche
dänische Minderheit. Sie war wie führende Politiker
in Dänemark bestrebt, das Herzogtum Schleswig mit dem Königreich
Dänemark zu einem Nationalstaat zu verschmelzen, dessen Südgrenze
der Fluss Eider bilden sollte. Am 18. November 1863 unterzeichnete
der dänische König Christian IX. (1818-1906) eine neue
Verfassung, die das Herzogtum Schleswig in den dänischen
Staatsverband eingliederte.
In Deutschland war die Empörung groß. Der Deutsche
Bund folgte den Ausführungen des preußischen Ministerpräsidenten
Otto von Bismarck, dass die dänischen Bemühungen
gegen internationales Recht verstießen: In den Londoner
Protokollen von 1852 hatten sich die europäischen Großmächte
mit Dänemark auf die Einhaltung des Status quo in der Schleswig-Holstein-Frage
geeinigt. Der Bundestag in Frankfurt erließ die Bundesexekution
gegen das zur dänischen Krone zählende und zugleich
zum Deutschen Bund gehörende Holstein, mit dessen Vollzug
er am 7. Dezember 1863 Hannover und Sachsen beauftragte. Am 23.
Dezember 1863 marschierte ein sächsisch-hannoversches Bundeskontingent
in Holstein ein. Angesichts des offensichtlich von Dänemark
bewusst begangenen Rechtsbruchs verpflichteten sich die europäischen
Großmächte zur Neutralität.
Österreich und Preußen einigten sich während dessen
auf eine "Pfandbesetzung" Schleswigs, um Christian IX.
zur Rücknahme der neuen Verfassung zu zwingen. Nachdem die
Mittelstaaten einen entsprechenden Antrag der beiden Vormächte
im Bundestag am 14. Januar 1864 abgelehnt hatten, erklärten
Wien und Berlin, nunmehr eigenmächtig vorgehen zu wollen.
Nachdem Dänemark ein Ultimatum in der vagen Hoffnung auf
englische Hilfe verstreichen ließ, rückten preußische
und österreichische Truppen auf dem Weg nach Schleswig am
21. Januar 1864 zunächst in das bereits von sächsischen
und hannoverschen Verbänden besetzte und von dänischen
Truppen geräumte Holstein ein.
Protest und offener Widerstand der deutschen Mittelstaaten begleiteten
das eigenmächtige Vorgehen Österreichs und Preußens
in Holstein. Die Königreiche Bayern und Sachsen hatten der
Donaumonarchie Bahntransporte durch ihr Gebiet verwehrt, die daraufhin
über Schlesien umgeleitet werden mussten. Die unter dem Befehl
des sächsischen Generals Heinrich von Hake (1797-1877) in
Holstein stehenden Bundestruppen waren zudem bereit, den preußisch-österreichischen
Verbänden gewaltsam entgegenzutreten, wurden jedoch von der
Bundesversammlung zurück gewiesen. Einer militärischen
Eskalation aus dem Weg gehend, beschränkten die Mittelstaaten
ihren letztendlich wirkungslosen Protest auf die Bundesversammlung
und zogen zu Beginn des Deutsch-Dänischen Krieges das
sächsisch-hannoverische Kontingent zurück.
(as)