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[Photo: Fackelzug, 1933]

[Photo: Fackelzug, 1933]

[Dokument: Todeskampf der Freiheit, 1933]

[Plakat: Aufruf zum Boykott deutscher Waren, 1933]

[Plakat zur Erinnerung an die "Machtübernahme", wohl 1938]

[Plakat: Erinnerung an NS-Machtübernahme, 1943]



Zur Zeit

LeMO-Rückblick Januar 2013:

30. Januar 1933: Hitler wird Reichskanzler


Am 30. Januar vor 80 Jahren ernannte Reichspräsident Paul von Hindenburg den Vorsitzenden der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) und "Führer" der stärksten Reichstagsfraktion Adolf Hitler zum neuen Reichskanzler. Hitler war der sechste Politiker, den Hindenburg seit Beginn seiner Amtszeit 1925 mit der Regierung beauftragte - und seit 1930 war er schon der vierte Reichskanzler in Folge, der ein Präsidialkabinett ohne parlamentarische Mehrheit führen sollte. Was vor diesem Hintergrund wie eine Routineangelegenheit im politischen Tagesgeschäft der von wirtschaftlichen und sozialen Krisen gebeutelten Weimarer Republik aussah, entpuppte sich jedoch schon bald als die wohl folgenschwerste Entscheidung Hindenburgs und die dramatischste politische Wendemarke in der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts.

Bei der Reichstagswahl am 31. Juli 1932 hatte die NSDAP mit 37,4 Prozent die meisten Stimmen erhalten. Gestärkt durch diesen Wahlerfolg verlangte Hitler kompromisslos die ganze politische Macht, die ihm Hindenburg im Sommer 1932 noch verweigerte. Gestützt auf das Notverordnungsrecht des Reichspräsidenten blieb Franz von Papen im Amt, dessen Kabinett aber über keinen politischen Rückhalt verfügte. Noch am Tag der Parlamentseröffnung sprach die Majorität der Abgeordneten der Reichsregierung das Misstrauen aus: Für Papen ein erwartetes Urteil, mit Order Hindenburgs löste er den eben gewählten Reichstag wieder auf. In der daraus resultierenden Reichstagswahl am 6. November 1932 wurde die NSDAP mit 33,1 Prozent zwar stärkste parlamentarische Kraft, nun war aber auch sie von der Wahlmüdigkeit großer Teile der Bevölkerung betroffen und verlor zwei Millionen Stimmen.

Dennoch hielt Hitler unbeirrt an seiner "Alles-oder-nichts-Strategie" fest und verlangte mit Unterstützung einflussreicher Bankiers und Industrieller im November 1932 erneut die Kanzlerschaft. Demgegenüber verfügte der glücklose Papen über keinen nennenswerten Rückhalt in der Wirtschaft, im Reichstag oder in der Bevölkerung. Für Hindenburg war dies Grund genug, am 3. Dezember 1932 Reichswehrminister Kurt von Schleicher als neuen Reichskanzler einzusetzen. Schleicher beabsichtigte in seinem sogenannten Querfront-Konzept, durch ein Bündnis von Reichswehr, berufsständischen Organisationen und der Arbeiterschaft quer zum Parteiensystem eine breite Basis in der Bevölkerung zu gewinnen. Doch durch die Weigerung der Gewerkschaften an einer Zusammenarbeit mit Reichswehrgeneral Schleicher war dessen ambitioniertes, aber weitgehend realitätsfernes Konzept bereits Anfang Januar 1933 gescheitert.

Währenddessen führte Papen mit Zustimmung Hindenburgs mehrere Sondierungsverhandlungen mit Hitler, um in die Regierung zurückzukehren. Sein Vorhaben, selbst das Amt des Reichskanzlers zu übernehmen, musste dabei durch den Führungsanspruch Hitlers zurückgestellt werden. Der 85-jährige Reichspräsident gab schließlich dem Drängen seiner Ratgeber aus Politik und Wirtschaft nach und stellte seine politischen und persönlichen Vorbehalte gegenüber Hitler hinten an. Insbesondere Papen überzeugte Hindenburg davon, dass ein von einer konservativen Kabinettsmehrheit "eingerahmter" und neutralisierter NSDAP-Führer als Träger der Regierungsgewalt eine nur geringe Gefahr bedeute. Die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler und die Vereidigung seines Kabinetts am 30. Januar 1933 erfolgten aufgrund eines Gerüchts über einen unmittelbar bevorstehenden Militärputsch in einer hektischen Atmosphäre. Angeblich plante Schleicher mit der Verhaftung Hindenburgs, die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler zu verhindern. Damit zerstreuten sich beim Reichspräsidenten auch die letzten noch möglichen Bedenken gegenüber Hitlers Kanzlerschaft.

"Es ist fast ein Traum. Die Wilhelmstraße gehört uns", notierte Joseph Goebbels am 30. Januar 1933 in sein Tagebuch. Was die Nationalsozialisten anstrebten, war nicht weniger als die komplette politisch-gesellschaftliche Umgestaltung Deutschlands. Zu viele Deutsche folgten der NSDAP und träumten ebenfalls von einer stabilen volksgemeinschaftlich verklärten Gegenwelt zu Wirtschaftskrise, Parteienstreit und "demokratischem Chaos" der Weimarer Republik. Als Adolf Hitler auf dem Reichsparteitag der NSDAP im September 1934 den Abschluss der "nationalsozialistischen Revolution" verkündete, hatte sich das politische, gesellschaftliche und kulturelle Leben in Deutschland in nur 20 Monaten tatsächlich nahezu revolutionär verändert. Und für viele Deutsche erschien es in der Tat ein Traum zu sein, nach Jahren der Krise, Zukunftsangst und Arbeitslosigkeit wieder in Lohn und Brot zu stehen und so soziales Ansehen und Selbstvertrauen gewonnen zu haben.

Sozialpolitische Maßnahmen und Einrichtungen brachten dem NS-Regime in den folgenden Jahren ebenso nachhaltig Sympathien ein wie außenpolitische Erfolge, mit denen Hitler die als Schmach empfundenen "Ketten von Versailles" sprengte und Deutschland sukzessive auf Augenhöhe mit anderen Großmächten hievte. Und selbst in angstvollen Bombennächten in Luftschutzkellern oder in den kalten Weiten Russlands während des Krieges hielt bei erstaunlich vielen Deutschen die Loyalität zum NS-Regime und der Traum von einer besseren Zukunft im nationalsozialistischen Deutschland an, der am 30. Januar 1933 seinen Anfang genommen hatte. Für Hunderttausende war das Datum jedoch der Beginn eines unmittelbar einsetzenden Alptraumes: Ein großangelegter "Maßnahmekatalog" schaltete sukzessive die Grundrechte und mit Gewerkschaften und Parteien auch die gesamte Opposition aus. Politisch Andersdenkende sowie Menschen, die dem NS-Rassenideal nicht entsprachen, wurden verfolgt und entrechtet und in neu errichtete Konzentrationslager gepfercht. Sofern sie überlebten, endete ihr Martyrium oft erst im Frühjahr 1945.

In Massen flohen Menschen ab 1933 aus dem nationalsozialistischen Deutschland, um ihr Leben zu retten oder um auch weiterhin künstlerisch oder politisch tätig sein zu können. Sie hinterließen oft große Lücken in einem immer gleichgeschalteteren Land, in dem die gesellschaftliche Vielfalt planmäßig zerstört wurde. "Zerstörte Vielfalt. Berlin 1933-1938" ist daher auch der Titel einer Ausstellung im Deutschen Historischen Museum, die ab dem 31. Januar 2013 über 40 stadtweite Projekte von Museen, Gedenkstätten, Vereinen und Initiativen vorstellt, die sich an dem gleichnamigen Themenjahr des Landes Berlin zur Erinnerung an die Machtübernahme und den Nationalsozialismus in Berlin beteiligen.

(as)



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