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LeMO-Rückblick März 2013

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13. März 1938 / Ein Volk Ein Reich / Ein Führer
Propagandapostkarte zum "Anschluss" Österreichs
München, 1938

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Wahlwerbung der NSDAP zum "Anschluss" Österreichs
Berlin 1938

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Der Führer in Wien
Berliner Illustrirte Zeitung zum Empfang Hitlers in Wien
aus Anlaß des "Anschlusses" Österreichs

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Der "Anschluss" Österreichs 1938

Am 12. März vor 75 Jahren marschierten auf Befehl von Adolf Hitler Wehrmachtstruppen in das Nachbarland Österreich ein. Die dortigen Truppen hatten von der österreichischen Bundesregierung den Befehl erhalten, keinen Widerstand zu leisten. Begleitet von einer Verhaftungswelle gegenüber politischen Gegnern ließ Hitler am 13. März ein Gesetz zur Eingliederung Österreichs in das Deutsche Reich verkünden. Zwei Tage später bejubelten über 100.000 Menschen den gebürtigen Österreicher Hitler in Wien. In einer keinesfalls nach freien und demokratischen Grundsätzen vollzogenen Volksabstimmung am 10. April 1938 votierten offiziell 99,73 Prozent der Österreicher und 99,01 Prozent der Deutschen für den "Anschluss". Innerhalb kürzester Zeit wurden die 1933 bis 1938 in Deutschland umgesetzten Maßnahmen zur Umgestaltung und Erfassung von Staat und Gesellschaft auf die Ostmark, wie Österreich nun hieß, übertragen.

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs mit dem Zerfall der Hohenzollern- und der Habsburgermonarchie erwarteten große Teile der Bevölkerung sowohl im Deutschen Reich als auch in der ebenfalls neu gegründeten Republik Österreich die Vereinigung dieser beiden Staaten. Da die Siegermächte dadurch eine Stärkung Deutschlands befürchteten, untersagten sie den Zusammenschluss in den Verträgen von Versailles und Saint Germain. Die Fraktion der Befürworter blieb in der Zwischenkriegszeit aber in beiden Staaten stark. Aufwind erhielten sie nach der nationalsozialistischen Machtübernahme in Deutschland 1933. Im Zuge der deutschen Expansionspläne in Ostmitteleuropa richtete sich der erste große Schlag gegen Österreich. Am 12. Februar 1938 traf Hitler den österreichischen Bundeskanzler Kurt von Schuschnigg und diktierte ihm eine Vereinbarung, die das Verbot der österreichischen Nationalsozialisten aufhob, sie an der Regierung beteiligte, ihnen mit dem Innenministerium die Polizeigewalt übergab und somit die Voraussetzungen für eine nationalsozialistische Machtübernahme in Österreich schuf.

Um dies zu verhindern, beraumte Schuschnigg am 9. März 1938 eine Volksabstimmung "Für ein freies und deutsches, unabhängiges und soziales, für ein christliches und einiges Österreich!" an; das Wahlalter wurde auf 24 Jahre heraufgesetzt, um die meist pro-nationalsozialistische Jugend von der Abstimmung auszuschließen. Gravierende Mängel in der Wahlvorbereitung gaben Hitler einen Vorwand, Schuschnigg zur Rücknahme der Abstimmung zu zwingen. Ein Ultimatum, das mit dem Einmarsch deutscher Truppen in Österreich drohte und die Übergabe der Regierungsgewalt an den Nationalsozialisten Arthur Seyß-Inquart forderte, zwang Schuschnigg am 11. März 1938 zum Rücktritt, nachdem ein verzweifelter Hilfeappell an die europäischen Mächte ungehört blieb. Als der österreichische Bundespräsident Wilhelm Miklas (1872-1956) sich am selben Tag weigerte, Seyß-Inquart zum Nachfolger Schuschniggs zu ernennen, gab Hitler den Befehl zum Einmarsch am 12. März 1938.

Die NS-Propaganda wurde nicht müde, die Eingliederung als "natürliche" und seit langem überfällige Einigung zu legitimieren. Im Mittelpunkt der propagandistischen Anstrengungen stand der gebürtige Österreicher Adolf Hitler, der seine Heimat nun "Heim ins Reich" geholt hätte. Emotional-patriotisches Andenken an Österreich und ein identitätsstiftendes Sonderbewusstsein in der Bevölkerung sollten unter allen Umständen unterbunden werden. Das neue Reichsgebiet durfte im amtlichen Verkehr zunächst nur als "Ostmark" bezeichnet werden, 1942 erhielt es die Sammelbezeichnung "Alpen- und Donaureichsgaue". Der Begriff "Österreich" verschwand zumindest aus dem offiziellen Sprachgebrauch.

(as)