Als Reaktion auf republikfeindliche Gewalttaten und Aufstandsversuche aus dem rechten und linken politischem Spektrum gründete sich auf Initiative der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) am
22. Februar 1924 in Magdeburg das "Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold" zum Schutz
der parlamentarischen Demokratie. Neben der SPD wurde es von dem
Zentrum
und der Deutschen Demokratischen Partei (DDP) sowie von den Gewerkschaften
getragen. Seine Hauptaufgabe erkannte das Reichsbanner in der Verteidigung der Weimarer Republik gegen deren rechts- und linksextremistischen Feinde. Als satzungsgemäß überparteilicher Bund republikanisch gesinnter Kriegsteilnehmer entwickelte
sich das Reichsbanner zu einer der größten Massenorganisationen der Weimarer Republik.
1932 gehörten ihm mehr als drei Millionen Mitglieder an, darunter namhafte Politiker wie Hugo Preuß, Joseph Wirth, Otto Wels, Julius Leber oder Kurt Schumacher.
Nach dem Wahlerfolg der Nationalsozialistischen Deutschen
Arbeiterpartei (NSDAP) bei der Septemberwahl
von 1930 versuchte das Reichsbanner, dem verstärkt
einsetzenden Straßenterror der Sturmabteilung (SA) durch die Bildung militärisch
organisierter Formationen entgegenzutreten. Bis in den Februar
1933 hinein sollten diesem Kampf 47 Reichsbannerleute zum Opfer
fallen. Mit der Anwendung des Führerprinzips in der inneren Organisation und der Pflege des Wehrsports näherte sich das Reichsbanner dabei jedoch in Form und Inhalt der rechten Konkurrenzorganisation der SA zunehmend an.
1931/32 vereinigte sich das Reichsbanner mit den im Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund (ADGB) organisierten Freien
Gewerkschaften und anderen Verbänden zur Eisernen
Front. Ihr Emblem mit den charakteristischen drei Pfeilen
stammt von dem Exilrussen Sergej Tschachotin (1883-1973)
und symbolisiert die wichtigsten Gegner der Eisernen Front: die
"Adelskamarilla", die Nationalsozialisten und die Kommunisten.
Doch trotz ihrer zahlreichen Mitglieder konnte die Eiserne Front
an der politischen Kräftekonstellation nur wenig ändern. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurden die ehemaligen Funktionäre und Mitglieder des Reichsbanners systematisch verfolgt.
(kpm/as)