Büste Reichspräsident Ebert Büste Reichspräsident Hindenburg




[Wahlplakat der SPD zur Reichstagswahl vom 6. Juni 1920]

[Graphik: George Grosz, Hunger, 1924]

[Gemälde: Lotte Laserstein "Der Motorradfahrer", 1929]

[Charleston-Kleid, um 1925]

[Gemälde: Hans Grundig "Vor dem Tor"]

[Wahlplakt der DDP, 1929]

[SA-Uniform, um 1930]

[Wahlplakat der SPD, 1932/33]



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Die Weimarer Republik






Aus den revolutionären Erschütterungen der unmittelbaren Nachkriegszeit ging das Deutsche Reich als parlamentarische Demokratie hervor. Soziale Not verbitterte und radikalisierte Millionen Menschen. Als eine ebenso große Hypothek für die politische Stabilität erwiesen sich die häufigen Wechsel der Reichsregierungen. Die verbreitete Geringschätzung des Parlamentarismus in der Bevölkerung ließ die Weimarer Republik als "Demokratie ohne Demokraten" erscheinen. In ihren schweren Anfangsjahren wurde die Republik von linken und rechten Extremisten bekämpft. Immer wieder entfachten sie gewaltsame Aufstände. Erst 1924 begann in Deutschland eine Phase relativer Stabilität. Für die Republik war es bis 1929 eine Zeit innenpolitischer Ruhe mit wirtschaftlichem Aufschwung und kultureller Blüte. Die "Goldenen Zwanziger" endeten mit der im Oktober 1929 beginnenden Weltwirtschaftskrise. Armut und Verzweiflung griffen um sich. Mit Erfolg entfesselten die Gegner der Weimarer Republik von rechts und links eine beispiellose Agitation gegen den Staat, der keine Mittel gegen die wirtschaftliche und politische Krise fand.

Träger der politischen Macht waren die Parteien. Sie repräsentierten vergleichsweise geschlossene gesellschaftliche Milieus. In der zerrissenen Parteienlandschaft herrschten höchst unterschiedliche Vorstellungen über die politische Gestaltung Deutschlands. Die SPD, das Zentrum und die linksliberale DDP verfügten in der gewählten Nationalversammlung, die am 11. August 1919 die neue Reichsverfassung verabschiedete, über eine Dreiviertel-Mehrheit. Die parlamentarische Mehrheit dieser zu Republik und Demokratie stehenden Parteien ging schon bei der ersten Reichstagswahl am 6. Juni 1920 verloren. Dies war ein deutliches Zeichen für die Unzufriedenheit weiter Kreise der Bevölkerung mit der jungen parlamentarischen Republik, der man insbesondere die Unterzeichnung des Versailler Vertrages schwer anlastete. In Deutschland hatten die harten Bedingungen des Vertrages, den die meisten Deutschen als "Diktat- und Schandfrieden" ablehnten, blankes Entsetzen hervorgerufen. Den Kampf gegen die "Fesseln von Versailles" fasste die nationale Rechte als eine Frage der Ehre auf. Sie betrieb eine hasserfüllte Hetze gegen die Republik und deren Repräsentanten. Die politische Instabilität der Republik und das soziale Elend waren zu Beginn der 1920er Jahre ein idealer Nährboden für radikale Parteien und extremistische Gruppierungen. Im März 1920 versuchten rechtsgerichtete Militärs mit dem einem Putsch in Berlin die Regierung zu übernehmen. Im Ruhrgebiet und in Mitteldeutschland folgten 1920/21 revolutionäre Aufstandsbewegungen.

Geradezu als Inkarnation aller Fehler und Schwächen von Republik und Demokratie galt Matthias Erzberger. Als er am 26. August 1921 von ehemaligen Freikorpsangehörigen ermordet wurde, fand diese Tat im rechtsextremen Lager ein erschreckend positives Echo. Knapp ein Jahr später fiel Reichsaußenminister Walther Rathenau, der nicht zuletzt wegen seiner jüdischen Abstammung zu einem Symbol der verhassten "Judenrepublik" geworden war, einem Anschlag desselben Täterkreises zum Opfer. Hunderttausende demonstrierten nach seiner Ermordung zwar für Republik und Demokratie, doch gegen den manifesten Antisemitismus des völkischen Lagers sowie gegen die republik- und demokratiefeindlichen Strömungen vermochten Demonstrationen allein nur wenig auszurichten.

In eine nahezu ausweglose Krise geriet die Weimarer Republik, als nach einer geringfügigen Verzögerung der deutschen Reparationsleistungen französische und belgische Truppen am 11. Januar 1923 das Ruhrgebiet besetzten. Daraufhin proklamierte die Reichsregierung den "passiven Widerstand" und pumpte immense Geldmengen als Kompensation für die Einstellung der Arbeit ins besetzte Gebiet. Die seit 1914 spürbare Inflation geriet nun völlig außer Kontrolle. Als sie im November 1923 den Höhepunkt erreichte, hatte die Währung ihre Funktion als Tauschmittel verloren. Die Ersparnisse von Millionen traumatisierten Menschen waren vernichtet - ihr Vertrauen in den Staat war vollständig und unwiderruflich verloren.

Dem Deutschen Reich drohte im Krisenjahr 1923 ein blutiger Bürgerkrieg, denn angesichts der Besetzung des Ruhrgebietes, Hyperinflation und wirtschaftlicher Krise wuchs die Putsch- und Aufstandsbereitschaft bei den Rechten wie bei den Linken. Doch während ein linker Aufstandsversuch "nach russischem Vorbild" im Oktober 1923 relativ sang- und klanglos in sich zusammenbrach, waren Staatsstreichpläne der bayerischen Rechten bedrohlicher. Sie sah in einer "legalen" Diktatur den einzigen Ausweg aus der - nach ihrer Meinung - vom "parlamentarischen System" verursachten Krise und wollte die politischen Verhältnisse der "Ordnungszelle" Bayern auf das Reich übertragen. An den Planungen zum "Marsch nach Berlin" wirkte auch Adolf Hitler mit, der Vorsitzende der NSDAP und Führer des Deutschen Kampfbundes, eines Bündnisses von bayerischen Einwohnerwehren und Sturmabteilung (SA). Als Hitler erkannte, dass der Kampf um die Diktatur ohne ihn und seine SA stattfinden sollte, nutzte er am 8. November 1923 eine "nationale Veranstaltung" im Münchener Bürgerbräukeller als Forum für seinen Putschversuch, der jedoch bereits am folgenden Tag niedergeschlagen wurde. Damit war die schwerste Gefahr für die Republik abgewendet.

Den von Krisen und Aufständen gezeichneten Anfangsjahren der Republik folgte nach der Währungsreform im November 1923 eine Normalisierung der politischen und wirtschaftlichen Lage. In der einzigen vollen Legislaturperiode der Republik von 1924 bis 1928 regierten bürgerliche Kabinette. Eine Zeitlang konnte es sogar scheinen, als habe sich selbst der monarchische Konservatismus mit der neuen demokratischen Realität abgefunden. Ironischerweise zeigte sich das, als nach dem Tod des ersten Reichspräsidenten Friedrich Ebert mit knapper Mehrheit der einstige königlich-preußische Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg 1925 zum Reichspräsidenten gewählt wurde. "Die Republikaner haben eine Schlacht verloren". Mit diesen Worten kommentierte das liberale Berliner Tageblatt die erste Reichspräsidentenwahl durch das Volk. Der 77-jährige Hindenburg galt als ein überzeugter Anhänger der Monarchie, nicht aber der Republik. Entgegen den Hoffnungen seiner Anhänger und zur großen Überraschung seiner Umgebung vollzog Hindenburg aber keine monarchische Wende. Er verhielt sich gegenüber der Weimarer Verfassung loyal und war ein von den demokratischen Parteien zunächst weitgehend anerkannter Präsident.

In der Außenpolitik entspannte sich ab Mitte der 1920er Jahre das Verhältnis des Deutschen Reiches zu den Siegermächten des Ersten Weltkrieges. Der 1923 zum Außenminister ernannte Gustav Stresemann verfolgte während seiner sechsjährigen Amtszeit eine Politik konsequenter Aussöhnung mit den Siegermächten. Nur in Kooperationen erkannte Stresemann sinnvolle Möglichkeiten, die außenpolitische Isolierung zu überwinden und Änderungen der harten Vertragsbestimmungen von Versailles zu erreichen. Stresemanns Vorstellungen zur internationalen Sicherheit und wirtschaftlichen Verflechtung trafen Mitte der zwanziger Jahre in Westeuropa auf Entgegenkommen. Mit der Unterzeichnung des Vertrages von Locarno im Oktober 1925 überwand Deutschland seine internationale Isolation und erhielt einen Sitz im Völkerbund.

Mit dem "Schwarzen Freitag" an der New Yorker Börse begann am 25. Oktober 1929 der Absturz in die Weltwirtschaftskrise. Nachdem die kurzfristigen Auslandskredite aus Deutschland abgerufen worden waren, brach der vor allem mit diesen Krediten finanzierte Wirtschaftsaufbau in Deutschland in sich zusammen. Anfang 1931 waren in Deutschland bereits fünf Millionen Menschen als arbeitslos registriert. Das soziale System der Weimarer Republik war den Folgen der Wirtschaftskrise nicht gewachsen. Verelendung, Resignation und eine allgemeine Katastrophenstimmung prägten das Alltagsleben von breiten Bevölkerungsschichten. Die verbreitete Unzufriedenheit der Massen entlud sich erstmals bei der Reichstagswahl am 14. September 1930: Die Nationalsozialisten steigerten gegenüber der letzten Reichstagswahl ihr Ergebnis um fast 800 Prozent. 18,3 Prozent entfielen auf die NSDAP, die den Sturz des parlamentarischen Systems offen anstrebte und nun mit 107 Abgeordneten als zweitstärkste Fraktion in den Reichstag einzog. Trotz einer auffallenden Verankerung im Mittelstand hatte die NSDAP sich in der zerstrittenen Parteienlandschaft zur ersten "Volkspartei" Deutschlands entwickelt: Für sie stimmten frustrierte Wähler aus allen sozialen Schichten. Gemeinsam mit dem Stahlhelm und der DNVP bildete die NSDAP im Oktober 1931 die "Harzburger Front", um der nationalistischen Opposition mehr Stoßkraft zu verleihen.

Der Weg aus den demokratischen Verhältnissen hatte schon im März 1930 mit der Einsetzung eines vom Reichstag unabhängigen Kabinetts begonnen, nachdem SPD und DVP in der Großen Koalition über den Umfang der notwendigen Beitragserhöhung für die Arbeitslosenversicherung in heftigen Streit geraten waren und das Kabinett unter Hermann Müller zurückgetreten war. Der Übergang zu den verfassungsrechtlich problematischen "Präsidialkabinetten" begann. Da es keine parlamentarische Mehrheit für eine arbeitsfähige Regierung gab, beauftragte Hindenburg den Zentrumspolitiker Heinrich Brüning mit der Bildung einer Minderheitsregierung, deren eigentliche Machtbasis das Recht des Reichspräsidenten zum Erlass von Notverordnungen und zur Auflösung des Reichstags war. Mehr als zwei Jahre betrieb Brüning eine energische Sparpolitik, bevor die "ostelbische" Kamarilla es schaffte, den Reichspräsidenten auf den Rücktritt Brünings festzulegen. Am 1. Juni 1932 ernannte Hindenburg das "Kabinett der nationalen Konzentration" mit Franz von Papen als Reichskanzler. Durch eine staatsstreichartige "Reichsexekution" setzte die Regierung Papen die von dem Sozialdemokraten Otto Braun geführte Preußische Regierung am 20. Juli 1932 ab. Mit dem "roten" Preußen war die letzte demokratische Bastion im Deutschen Reich gefallen. Ein Generalstreik gegen den "Preußenschlag" schien angesichts der sechs Millionen Arbeitslosen wenig erfolgversprechend.

Wie sehr sich die innenpolitischen Gewichte verschoben hatten, war schon bei der Wiederwahl Hindenburgs zum Reichspräsidenten deutlich geworden. Im Frühjahr 1932 wurde er vor allem von den demokratisch-republikanischen Parteien unterstützt. Sein schärfster Konkurrent war Adolf Hitler, für den im zweiten Wahlgang über 13 Millionen Wähler stimmten. Bei den Reichstagswahlen vom 31. Juli 1932 erhielt die NSDAP dann über 37 Prozent aller Stimmen, die KPD kam auf über 14 Prozent. Die Wähler hatten den "bürgerlichen" Parteien und der parlamentarischen Demokratie auf dem Höhepunkt der Wirtschaftskrise eine klare Absage erteilt. Den "böhmischen Gefreiten" zum Reichskanzler zu ernennen, scheute Hindenburg sich zwar, doch Hitler stellte nicht nur die mit Abstand größte Reichstagsfraktion, sondern seine SA hatte in blutigen Kämpfen inzwischen auch "die Straße" erobert.

Die demokratischen Stimmen der Vernunft gingen 1932/33 im Getöse der "Rot-Front"- und "Sieg-Heil"-Rufe unter. Mit riesigen Protestmärschen demonstrierten Kommunisten ebenso entschlossen gegen die Republik wie die Nationalsozialisten. Immer häufiger lieferten sie sich Saal- und Straßenschlachten, die eigene Stärke demonstrieren und den Willen zur Übernahme der politischen Macht festigen sollten. Den "Heilsversprechungen" der extremen Parteien von einem "Dritten Reich" und einem "Sowjet-Deutschland" konnte die demokratische Mitte nichts mehr entgegensetzen. Die gemäßgten Parteien verloren vor dem Hintergrund des Wirtschaftsverfalls und des Anstiegs der Arbeitslosenzahl an Einfluss. Mit der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler war das Ende der Weimarer Republik am 30. Januar 1933 besiegelt.

(ba/as)


Karte der Länder des Deutschen Reiches 1920-1933

[Karte der Länder des Deutschen Reiches 1920-1933]


[Ton] Ernst Torgler: Zur Überwachung des Reichstags, 1931
[Ton] Heinrich Brüning: Mahnung zur Einigkeit, 1931
[Ton] Sitzung des Reichstags, 1932


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