1918-33

[Lithographie: Karl Holtz "Arbeitslosendemonstration", 1920]





Karl Holtz: Arbeitslosendemonstration


Karl Holtz, einer der produktivsten Karikaturisten der linksgerichteten Presse in der Weimarer Republik, schuf auch eine Reihe dem Realismus verpflichteter graphischer Blätter, in denen er das Berliner Alltagsleben thematisierte. Es sind "photographische" Momentaufnahmen von Straßenszenen - unpathetische, nüchterne Darstellungen des sozialen Elends der zwanziger Jahre, Bilder von apathischen, hoffnungslosen Arbeitssuchenden, die sich zu einem endlosen Demonstrationszug durch trostlose Berliner Straßenschluchten vereint haben. Im Vordergrund des Blattes läßt Holtz den Zug vor dem Betrachter passieren und versucht, durch die Hervorhebung von einzelnen Personen Anteilnahme an deren Schicksal zu wecken. Erst in der Zusammensicht mit den Karikaturen des Künstlers wird die ausgesprochen sozialkritische, politische Aussageabsicht der Lithographie deutlich. Die Aufnahme des Blattes in die 1924 von der Künstlerhilfe herausgegebene Broschüre "8 Stunden, Stellungnahme führender Künstler zum Achtstundentag" unterstreicht diese Intention. In einem Aufruf "An alle Künstler und geistig Schaffenden" formulieren die beteiligten bildenden Künstler und Schriftsteller das Recht des Arbeiters auf Selbstbestimmung und auf Teilhabe am kulturellen Leben. Die Künstler werden aufgefordert, den Arbeitern mit Pinsel und Feder zur Seite zu stehen, sie aber auch materiell zu unterstützen.

(wpc)

I. WeltkriegWeimarer RepublikNS-RegimeHome