Die meisten Deutschen nahmen im November 1918 mit Verbitterung
zur Kenntnis, dass Deutschland den Ersten Weltkrieg
verloren hatte. Der Versailler Vertrag, der neben umfangreichen
Gebietsabtretungen auch eine tiefgreifende Beschneidung der militärischen
Macht Deutschlands festlegte, erschütterte das nationale
Selbstbewusstsein noch einmal zutiefst. Schon bald erwies
sich der "Diktat- und Schandfrieden" mit der Bestimmung
deutscher Reparationsleistungen als eines der beherrschenden
Themen der deutschen Innenpolitik und ständiger Quell nationaler Enttäuschung. Ein Höchstmaß an
politischen Sprengstoff lieferten zudem die in konservativer und
rechtsradikaler Publizistik unermüdlich verbreitete Kriegsschuldfrage
und die Dolchstoßlegende. Für eine langfristige
innenpolitische Stabilität bildeten sie eine ebenso große
Hypothek wie die in den 1920er Jahren an Häufigkeit kaum zu
überbietenden Wechsel der Kabinette und Koalitionen.
Insgesamt erlebte die Weimarer Republik innerhalb von 14
Jahren 16 Reichsregierungen mit einer durchschnittlichen Dauer
von acht Monaten.
Das überwältigende Wählervotum für die Weimarer
Koalition aus SPD, Zentrum und linksliberaler DDP bei den Wahlen zur Nationalversammlung
im Januar 1919 spiegelte kaum die zerrissene und radikalisierte
innenpolitische Lage in Deutschland wider. Vielmehr bildeten sich
ab 1919 in der Parteienlandschaft vollkommen entgegengesetzte
Vorstellungen über die politische Gestaltung Deutschlands
heraus. Nach der gescheiterten Revolution von 1918/19 blieb
die KPD eine für
die Republik stets unberechenbare Kraft. Erbittert bekämpfte
zu Beginn der 1920er Jahre auch die monarchisch gesinnte DNVP das parlamentarisch-demokratische System
der Weimarer Republik. Radikaler Nationalismus und Antisemitismus
waren Leitbilder der extremen Rechten. Ihre innere Ablehnung gegenüber
der Republik schlug im März 1920 in offenen Widerstand um.
Eine Verschwörergruppe um den ranghöchsten Reichswehrgeneral
Walther von Lüttwitz und den ostpreußischen
Generallandschaftsdirektor Wolfgang Kapp strebte mit einem
Putsch die Errichtung eines diktatorischen Regimes an.
Die dilettantische Militäraktion scheiterte allerdings nach
wenigen Tagen an einem von Gewerkschaften und republiktreuen
Parteien ausgerufenen und von Arbeitern sowie der Ministerialbürokratie
nahezu einmütig befolgten Generalstreik. Den noch
während des Lüttwitz-Kapp-Putsches begonnenen revolutionären
Märzaufstand im Ruhrgebiet, in Sachsen und Thüringen
schlugen Einheiten der Reichswehr - die sich während
des Putsches von rechts noch abwartend verhielten - zusammen mit
Freikorps blutig nieder.
Die Weimarer Republik überstand ihre erste Zerreißprobe
nahezu unbeschadet, allerdings trat die Reichsregierung unter
Gustav Bauer zurück. Neuer Reichskanzler wurde im
März 1920 der Sozialdemokrat Hermann Müller,
dessen Kabinett jedoch nach Reichstagswahl am 6. Juni 1920
von einer Koalition aus Zentrum, DDP und DVP unter Konstantin Fehrenbach abgelöst wurde.
Gleichzeitig löste sich mit dieser Reichstagswahl die provisorische
Nationalversammlung auf. An ihre Stelle trat der Reichstag, der
sich in den nächsten Jahren vor allem mit dem sozialen
Elend in Deutschland und mit alliierten Reparationsforderungen
konfrontiert sah. Durch vermeintliche Erfüllung der geforderten
Reparationen versuchte die im Mai 1921 eingesetzte Regierung unter
Joseph Wirth den Nachweis zu erbringen, dass die Forderungen
zu hoch und für Deutschland unerfüllbar wären.
Für die sämtliche Reparationsforderungen strikt ablehnende
extreme Rechte war das Kalkül nicht erkennbar. Sogenannte
"Erfüllungspolitiker" wurden zu Todeskandidaten.
Erstes prominentes Opfer war der am 26. August 1921 ermordete
Matthias Erzberger, der als Initiator der Friedensresolution
von 1917, als Unterzeichner des Waffenstillstands von 1918
und als Urheber der Finanzreform 1920 von Nationalisten
wie kein zweiter Politiker gehasst wurde. Im Juni 1922 erschossen
rechtsextreme Attentäter Außenminister Walther Rathenau,
der als Vertreter des linksliberalen Judentums die Verkörperung
der verhassten "Judenrepublik" schlechthin darstellte.
Unter dem Eindruck seiner Ermordung, die wie kaum ein zweites
Ereignis die Weimarer Republik aufwühlte, verabschiedete
der Reichstag ein vielfach öffentlich gefordertes "Gesetz
zum Schutze der Republik",
welches Maßnahmen gegen republikfeindliche
Handlungen und Organisationen verschärfen sollte.
Ihren vorläufigen Höhepunkt erlebte die Krise im Deutschen
Reich durch die Ruhrbesetzung französischer und belgischer
Truppen 1923. Die Reichsregierung unter dem parteilosen Wilhelm
Cuno rief die Bevölkerung zum "passiven Widerstand"
auf. Beamten wurde die Befolgung von Anordnungen der Interventionsmächte
untersagt.
Ein Generalstreik lähmte die Wirtschaft,
und die Inflation war für viele Gesellschaftsbereiche
derart ruinös, dass Gustav Stresemann - ab dem
13. August 1923 Reichskanzler der ersten Großen Koalition
aus SPD, DDP, Zentrum und DVP - Ende September 1923 den "passiven
Widerstand" für beendet erklären musste. Die
politische Instabilität der Republik sowie die katastrophale
wirtschaftliche und soziale Situation waren 1923 ein idealer Nährboden
für extremistische Gruppierungen unterschiedlicher Couleur.
Von Mitteldeutschland aus bedrohte ein von der KPD in Zusammenarbeit
mit der sowjetischen Führung geplanter "Deutscher
Oktober" die Republik, der von Reichspräsident Friedrich
Ebert mit dem Einmarsch von Reichswehreinheiten in Sachsen
und Thüringen gewaltsam beendet wurde. Im Westen des Reichs
formierten sich mit Unterstützung der Besatzungsmächte
Separatistenbewegungen, welche die Loslösung des Rheinlands
vom Deutschen Reich anstrebten, letztendlich aber ebenfalls niedergeschlagen
wurden.
Ausgehend von Bayern, das sich als innerhalb einer vermeintlich
in "marxistischem Chaos" versinkenden Republik als "Ordnungszelle"
zu erhalten versuchte, strebten der von der bayerischen Regierung
zum Generalstaatskommissar ernannte Gustav Ritter von Kahr
und der bayerische Wehrkreiskommandeur Otto von Lossow
die nationale Erhebung gegen die Reichsregierung an. Keine Bereitschaft
zeigten sie hingegen, den von Adolf Hitler geplanten "Marsch
auf Berlin" mitzutragen. Am Morgen des 9. Novembers 1923
schlugen Einheiten der bayerischen Landespolizei den Hitler-Putsch
in München nieder. Die von Hitler geführte NSDAP wurde reichsweit verboten.
Innenpolitisch weit weniger dramatisch und ohne gewaltsame Umsturzversuche
verliefen die Jahre von 1924 bis 1929. Die Währungsreform
im November 1923 und die mit dem Dawes-Plan verbundenen
amerikanischen Kredite leiteten im Vergleich zu den vorausgegangenen
Jahren eine Phase relativer Stabilisierung ein. Politisch machte
sich dies bereits bei der Reichstagswahl am 7. Dezember 1924
bemerkbar. Die radikalen Flügelparteien erlitten erhebliche
Verluste, als Sieger aus der Wahl ging die SPD hervor. In der
in der Weimarer Republik einzigen vollen Legislaturperiode bis
1928 bevorzugten die von der Regierungstätigkeit überdrüssigen
Sozialdemokraten jedoch die Oppositionsrolle. Unter den Reichskanzlern
Wilhelm Marx und Hans Luther amtierten daher bürgerliche
Kabinette, die sich vor allem mit dem heftig geführten Flaggenstreit
und der Debatte um die entschädigungslose Fürstenenteignung
konfrontiert sahen.
Ein Novum trat 1925 mit der ersten Regierungsbeteiligung der monarchistischen
DNVP ein. Koalitionspartner der Deutschnationalen in der sogenannten
"Bürgerblock"-Regierung unter Luther waren das
Zentrum, die DVP und die Bayerische Volkspartei (BVP). Die behutsame
Annäherung der Deutschnationalen an die Republik wurde unterstützt
durch die erste verfassungsmäßig vorgesehene Reichspräsidentenwahl
1925. Aus ihr ging Paul von Hindenburg als Kandidat
der im "Reichsblock" zusammengeschlossenen Rechtsparteien
als Sieger hervor. Die nationalen Kräfte nutzten die große
Popularität des 78jährigen Kriegshelden, um an der Schaltstelle
der Macht einen Mann zu positionieren, der als Anhänger der
Monarchie aber keinesfalls als stabilisierender Faktor der Demokratie
galt. Nach der Regierungsbeteiligung der DNVP vollzog sich damit
ein weiterer Schritt der Republik nach rechts.
Als eindeutiger Sieger aus der Reichstagswahl am 20. Mai 1928
ging die SPD hervor, die sich einer Regierungsbeteiligung nun
nicht länger verschloss. Reichskanzler in einer Großen
Koalition wurde erneut der Parteivorsitzende der SPD, Hermann
Müller. Sein Kabinett, welches bis Ende März 1930 Bestand
hatte, war das langlebigste der ganzen Weimarer Republik, obwohl
es sich bereits im Sommer 1928 beim Streit um den Panzerkreuzerbau
einer schweren Belastungsprobe erwehren musste. Konfrontiert
war die Koalition auch mit einer zunehmenden politischen Radikalisierung
und einem Rechtsruck der bürgerlichen Parteien. Die extreme
Rechtsorientierung der Deutschnationalen beendete die durch die
Koalitionsbeteiligung begonnene Annäherungen der DNVP an
die Republik. Der im Oktober 1928 zum Vorsitzenden der DNVP gewählte
Medienzar und Mitbegründer des "Alldeutschen Verbands",
Alfred Hugenberg, brachte seine Partei wieder auf strikt
antidemokratischen Kurs. In einer ersten Kooperation mit der 1925
neugegründeten NSDAP initiierte Hugenberg zusammen
mit Hitler und Franz Seldte vom Stahlhelm 1929 den
Volksentscheid gegen den Young-Plan. Nutznießerin
des bis dahin größten Propagandafeldzugs in der Weimarer
Republik war trotz des Scheiterns des Plebiszits die NSDAP, die
sich im rechten Lager zunehmender Beliebtheit erfreute.
Die Auseinandersetzungen zwischen Gegnern und Befürwortern
des Young-Plans wurden nicht nur verbal ausgeführt.
Saal- und Straßenschlachten zwischen der nationalsozialistischen
Sturmabteilung (SA), dem kommunistischen Roten Frontkämpferbund
(RFB) und der Polizei gehörten ab Ende der 1920er Jahre zum
alltäglichen Erscheinungsbild im Deutschen Reich.
Mehr als
30 Personen kamen im "Blutmai" 1929 bei Straßenkämpfen
ums Leben, als die trotz Verbots von der KPD durchgeführten
traditionellen Maikundgebungen von Polizeieinheiten gewaltsam
aufgelöst wurden.
Die von Straßenkrawallen, ständigen Arbeitskämpfen
um den Achtstundentag und den Folgen der Weltwirtschaftskrise
zermürbten Parteien versuchten zunehmend, sich der immer
unbequemer werdenden politischen Verantwortung zu entziehen. Im
März 1930 zerbrach die Große Koalition - die seit längerem
unter unüberbrückbaren sozialpolitischen Gegensätzen
zwischen arbeitnehmerfreundlicher SPD und industriefreundlicher
DVP litt - an der gescheiterten Reform der 1927 eingeführten
Arbeitslosenversicherung.
Die Schwierigkeiten einer demokratischen
Mehrheitsbildung nach der Demission der Regierung Müller
waren für Hindenburg Anlässe zur Einsetzung eines vom
Parlament unabhängigen rechtskonservativen Präsidialkabinetts,
das alleine das Vertrauen des Staatsoberhaupts besaß. Im
Interesse der Industrie, der Großlandwirtschaft und der
Reichswehrführung sollte die SPD in Zukunft von einer weiteren
Regierungsbeteiligung ferngehalten werden. Ende März 1930
wurde der Finanzexperte und Fraktionsvorsitzende des Zentrums,
Heinrich Brüning, von Hindenburg zum neuen Reichskanzler
ernannt.
Das politische Gewicht verlagerte sich innerhalb der nächsten
beiden Jahre von den Parteien und dem Parlament auf den Reichspräsidenten
und seine rechtskonservativen Berater. Nur mit Hilfe von Notverordnungen
nach Artikel 48 der Weimarer Verfassung - ursprünglich
zum Schutz der Republik bei Gefahr der öffentlichen Sicherheit
und als Mittel der beschleunigten Gesetzgebung in Krisenzeiten
gedacht - konnten die Minderheitsregierungen Gesetze durchsetzen,
die zuvor im Reichstag keine Mehrheit gefunden hatten. Die Innenpolitik
in der Weimarer Republik war nunmehr von der Diktaturgewalt des
Reichspräsidenten und von Reichstagsauflösungen geprägt.
Gleichzeitig veränderte sich aufgrund der Weltwirtschaftskrise
die parteipolitische Landschaft nachhaltig. Die liberale DDP (ab
1930 Deutsche Staatspartei) und die DVP waren nach verheerenden
Niederlagen in der Reichstagswahl am 14. September 1930
kaum noch als ernstzunehmende politische Kräfte wahrnehmbar.
Dagegen begann der Aufstieg der NSDAP zur Massenbewegung, und
auch die KPD gewann immer neue, von der politischen und sozialen
Situation frustrierte Wähler hinzu. Um eine weitere Stärkung
der radikalen Flügelparteien zu verhindern, tolerierte die
SPD weitgehend die auf Abbau der Sozialausgaben basierende Spar-
und Deflationspolitik Brünings sowie die Zerstörung
des parlamentarischen Systems.
An ihrer Politik der Tolerierung hielten die Sozialdemokraten
auch während der Reichspräsidentenwahl 1932 fest,
die nach Ablauf der siebenjährigen Amtsperiode Hindenburgs
am 13. März 1932 anstand. Gestärkt durch die im Oktober
1931 ins Leben gerufene Harzburger Front und den Massenzulauf
zu den Nationalsozialisten rechnete sich Hitler als Herausforderer
des Amtsinhabers gute Wahlchancen aus. Hindenburg wurde allerdings
mit Unterstützung der SPD im zweiten Wahlgang für sieben
Jahre wiedergewählt. Nur kurze Zeit später beendete
die SPD aber ihre Tolerierungspolitik, nachdem im Juni 1932 die
Reichskanzlerschaft von Brüning auf Franz von Papen
übergegangen war. Mit Papen verbanden Hindenburg und seine
"Kamarilla" die zügige Umsetzung ihrer autoritären
Verfassungspläne. Den "Altonaer Blutsonntag"
nahmen sie daher zum willkommenen Anlass, um mit dem Preußenschlag
am 20. Juli 1932 den seit 1920 amtierenden preußischen Ministerpräsidenten
Otto Braun von der SPD abzusetzen. Mit der Beendigung der
letzten wesentlichen Regierungsbeteiligung der Sozialdemokratie
in der Weimarer Republik sollten mögliche Widerstände
im "demokratischen Bollwerk" Preußen gegen die
angestrebte diktatorische Restaurationspolitik ausgeschaltet werden.
Um sich eine Rückendeckung und eine längerfristige Tolerierung
seiner Regierung zu sichern, wollte Papen die NSDAP als "Juniorpartner"
in die Präsidialdiktatur einbinden. Dafür erfüllte
er die Forderung Hitlers nach Reichstagneuwahl durch Parlamentsauflösung.
Hitlers Kalkül ging mit der Reichstagswahl am 31. Juli
1932 auf: Mit 37,4 Prozent erhielt die NSDAP die meisten Stimmen.
Gestärkt durch diesen Wahlerfolg lehnte Hitler nun die Papen
zugesagte Tolerierungspolitik sowie die ihm angebotene Regierungsbeteiligung
ab. Als überragender Sieger der Wahl verlangte er kompromisslos
die ganze politische Macht, die ihm Hindenburg im Sommer 1932
noch verweigerte. Das Kabinett Papen verfügte über keinen
politischen Rückhalt, noch am Tag der Parlamentseröffnung
sprach ihr die Majorität der Abgeordneten das Misstrauen
aus. Für Papen ein erwartetes Urteil, mit Order Hindenburgs
löste er den eben gewählten Reichstag wieder auf. In
der daraus resultierenden Reichstagswahl am 6. November 1932
war die NSDAP mit 33,1 Prozent zwar stärkste parlamentarische
Kraft, nun wurde aber auch sie von der anhaltenden Wahlmüdigkeit
betroffen und verlor zwei Millionen Stimmen. Abgeschreckt von
dem brutalen Straßenterror der SA und einer Zusammenarbeit
der NSDAP mit der KPD beim Berliner BVG-Streik verweigerten
vor allem bürgerliche Wählerschichten den Nationalsozialisten
die Gunst.
Dennoch hielt Hitler unbeirrt an seiner "Alles-oder-nichts-Strategie"
fest und verlangte mit Unterstützung einflussreicher
Bankiers und Industrieller im November
1932 erneut die Kanzlerschaft. Dagegen verfügte Papen über
keinen nennenswerten Rückhalt in der Wirtschaft, im Reichstag
oder in der Bevölkerung.
Für Hindenburg war dies der
Anlass, am 3. Dezember 1932 Reichswehrminister Kurt von
Schleicher als neuen Reichskanzler einzusetzen. Schleicher
beabsichtigte in seinem sogenannten Querfront-Konzept, durch ein
Bündnis von Reichswehr, berufsständischen Organisationen
und der Arbeiterschaft quer zum Parteiensystem eine breite Basis
in der Bevölkerung zu gewinnen. Vor allem aber durch die
Weigerung der Gewerkschaften
an einer Zusammenarbeit mit Reichswehrgeneral
Schleicher war das Konzept bereits Anfang Januar 1933 gescheitert.
Gleichzeitig führte Papen mit Zustimmung Hindenburgs mehrere
Sondierungsverhandlungen mit Hitler, um in die Regierung zurückzukehren.
Sein Vorhaben, selbst das Amt des Reichskanzlers zu übernehmen,
musste dabei durch den Führungsanspruch Hitlers zurückgestellt
werden. Papen überzeugte aber den Reichspräsidenten,
der sich bis zuletzt gegen Hitlers Ernennung zum Reichskanzler
gesträubt hatte, dass ein von einer konservativen Kabinettsmehrheit
"eingerahmter" und neutralisierter NSDAP-Führer
als Träger der Regierungsgewalt eine nur geringe Gefahr bedeute.
Eine Schlüsselposition dieser Zähmungspolitik sollte
dabei der Reichswehr und General Werner von Blomberg zufallen.
Dessen Ernennung zum neuen Reichswehrminister machte Hindenburg
zur Bedingung der Kanzlerschaft Hitlers. Dem Reichspräsidenten
waren Blombergs starke Sympathien für die NSDAP nicht bekannt,
ein Reichswehrminister Blomberg war Hitler daher sehr willkommen.
Die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler und die Vereidigung
seines Kabinetts am 30. Januar 1933 erfolgte aufgrund eines Gerüchts
über einen unmittelbar bevorstehenden Militärputsch
in einer hektischen Atmosphäre. Angeblich plante Schleicher
mit der Verhaftung Hindenburgs, die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler
verhindern zu wollen. Damit zerstreuten sich beim Reichspräsidenten
auch die letzten noch möglichen Bedenken gegenüber einer
Kanzlerschaft Hitlers.
(as)