1918-33

[Buch: Die Rote Armee an Rhein und Ruhr, 1920]








Der Märzaufstand 1920


In der Folge des von der deutschen Arbeiterschaft nahezu einmütig befolgten Generalstreiks während des rechtsgerichteten Lüttwitz-Kapp-Putsches kam es im März 1920 zu zahlreichen revolutionären Aufstandsbewegungen gegen die Weimarer Republik. Der Anarchist Max Hoelz nutzte die unübersichtliche politische Lage im Deutschen Reich, um im sächsischen Plauen die Räterepublik auszurufen. Der von ärmeren Bevölkerungsschichten als "Roter Robin Hood" verehrte Volksheld Hoelz kontrollierte mit rund 1.000 Anhängern bis Mitte April 1920 das Vogtland, ehe er vor einrückenden Einheiten der Reichswehr fliehen musste. Auch in Mitteldeutschland griffen aus bewaffneten Arbeitern bestehende Selbstschutzeinheiten Freikorps und Regierungstruppen an, um die als gescheitert angesehene Revolution von 1918/19 zu vollenden und radikale gesellschaftspolitische Veränderungen - insbesondere die bei vielen Arbeitern ersehnte Sozialisierung wichtiger Wirtschaftszweige - zu realisieren.

Besonders heftig tobte der Aufstand im Ruhrgebiet, wo der rechtsradikale Umsturzversuch in Berlin als Signal für einen flächendeckenden Arbeiteraufstand wirkte, der auch nach Ende des Lüttwitz-Kapp-Putsches anhielt. Eine von Anhängern der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) und der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (USPD) getragene, etwa 50.000 Bewaffnete zählende "Rote Ruhrarmee" beherrschte nach heftigen Kämpfen mit Reichswehreinheiten und mit der Sicherheitspolizei das rheinisch-westfälische Industrierevier. Geführt wurde diese letzte revolutionäre Massenbewegung in Deutschland von den in zahlreichen Ruhrstädten gebildeten Vollzugsräten. Eine einheitliche Kommandozentrale besaßen sie allerdings ebensowenig wie ein gemeinsames politisches Programm. Nach erfolglosen Einigungsversuchen der Reichsregierung unter Hermann Müller mit den Aufständischen begann am 3. April 1920 der Einmarsch von Regierungstruppen in das Ruhrgebiet. Unterstützung erhielten sie in ihrem "Kampf gegen den Bolschewismus" von Freikorps wie der maßgeblich am Lüttwitz-Kapp-Putsch beteiligten Marinebrigade von Hermann Ehrhardt. Die wenige Tage dauernde Niederschlagung des Aufstands im Ruhrgebiet war begleitet von einem Höchstmaß an Grausamkeit auf beiden Seiten, dem etwa 1.000 Aufständische und über 200 Reichswehrsoldaten zum Opfer fielen.

(aw)

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