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Die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP)
Geprägt von einem aggressiven Antisemitismus und einer
radikalen völkischen Weltanschauung blieben die 1920 im 25-Punkte-Programm
dargelegten Zielsetzungen der NSDAP bewusst unscharf formuliert.
Die Partei verstand sich in erster Linie als "Bewegung"
zur Mobilisierung der Massen. Alle "arischen" Deutschen
sollten im Sinne einer "Volksgemeinschaft" in ihr erfasst
werden. Zutiefst verachtete die NSDAP den Parlamentarismus und
die politischen Parteien der Weimarer Republik, die sie für
soziale Gegensätze und die "widernatürliche Spaltung
des Volkes" verantwortlich machte. Ihre wichtigste Aufgabe
sah die Partei im Kampf gegen den Versailler Vertrag und
das "internationale Judentum". In leidenschaftlichen
Reden - zumeist abgehalten in lärmenden Bierhallen - appellierte
Hitler als "Heilsbringer" und "Trommler für
die nationale Sache" mit schlagkräftigen Parolen an
die Emotionen seiner Zuhörer, von denen rund ein Viertel
Frauen waren. Wie keine zweite Partei verstand es die NSDAP, durch
pausenlose, geschickt inszenierte Aufmärsche ihres Wehrverbands Sturmabteilung (SA) mit Fahnen und Uniformen eine für
viele Menschen verführerische Faszination auszuüben.
Provokationen, einprägsame Plakate und Symbole wie das Hakenkreuz
als Parteiabzeichen oder das dem linken politischen Gegner entliehene
Rot als auffällige Leitfarbe waren zentrale Bestandteile
der NS-Propaganda. Wichtiges Agitationsinstrument war die
parteieigene Wochenzeitung "Völkischer Beobachter",
die ab Februar 1923 als Tageszeitung erschien. Im Oktober 1922 hatte sich die von Julius Streicher geführte "Deutsch-Sozialistische Partei" mit ihren 2.000 Mitgliedern der NSDAP angeschlossen.
Obwohl sich in vielen Orten des Deutschen Reichs nationalsozialistische
Gruppierungen sammelten, war die NSDAP Anfang der 20er Jahre weitgehend
auf Bayern mit dem Parteizentrum München beschränkt.
Hier erfreute sie sich bester Verbindungen zu rechten Kreisen
aus Reichswehr, Politik und Wirtschaft. Da Hitler zur Erlangung
der politischen Macht die Teilnahme an Wahlen ablehnte und statt
dessen unverhohlen Putschpläne gegen die verhasste "Judenrepublik"
äußerte, war die NSDAP ab November 1922 in Preußen
verboten. In Bayern hingegen konnte die rund 20.000 Mitglieder
zählende NSDAP Ende Januar 1923 ihren ersten Reichsparteitag
durchführen.
Die Inflation im Deutschen Reich brachte Millionen von
Menschen 1923 um ihre Ersparnisse. Offiziell noch gültige,
aber eigentlich wertlose Geldscheine bedruckten die Nationalsozialisten
auf der Rückseite mit antijüdischen Karikaturen und
führten so vor Augen, wen sie für die wirtschaftliche
und finanzielle Katastrophe verantwortlich machten. Als Deutschland
schließlich auch im politischen Chaos zu versinken drohte
und über das Deutsche Reich der Ausnahmezustand verhängt
wurde, schien die Situation für den ersehnten Putsch gegen
die Republik günstig. Wie die Nationalsozialisten verachteten viele Menschen in Deutschland zutiefst die "verjudete" Weimarer Republik, deren Repräsentanten den Versailler Vertrag unterzeichnet hatten und der man die wirtschaftlichen und sozialen Missstände der ersten Nachkriegsjahre anlastete. Ein großer Teil der deutschen Bevölkerung war aufgrund von Inflation, Not und ungesicherter Zukunft unzufrieden mit den demokratischen Verhältnissen und damit empfänglich für radikale Parolen und vermeintlich einfache politische Lösungen. Diese systemfeindliche Stimmung wollten Hitler und seine Anhänger ausnutzen, als sie nach Vorbild von Benito Mussolinis
"Marsch auf Rom" von 1922 am 9. November
1923 den "Marsch auf Berlin" zu initiieren versuchten. Der Hitler-Putsch
endete allerdings nach nur wenigen hundert Metern an der Münchner
Feldherrnhalle in einem Desaster. Vier Polizisten und 14 Demonstranten
kamen bei Schusswechseln ums Leben. Die NSDAP wurde im November
1923 reichsweit verboten und Hitler im April 1924 wegen "Hochverrats"
zu fünf Jahren Festungshaft verurteilt. Die letztlich rund
achtmonatige Haft in Landsberg nutzte Hitler, um in dem programmatischen
Werk "Mein Kampf" seine von Rassendoktrin und
Sozialdarwinismus geprägte Weltanschauung zu beschreiben.
Als Hitler wegen "guter Führung" am 20. Dezember
1924 vorzeitig aus der Haft entlassen wurde, befanden sich die
Reste der NSDAP in einer schweren Krise. Mitputschisten wie Gregor Strasser und Erich Ludendorff hatten sich in der Nationalsozialistischen Freiheitspartei gesammelt, andere wie Julius Streicher und Alfred Rosenberg waren Mitbegründer der "Großdeutschen Volksgemeinschaft". Hitler lehnte nach der Haftentlassung
den Beitritt zu einer der beiden miteinander konkurrierenden Splittergruppierungen ab und erreichte am 26.
Februar 1925 die Neugründung der NSDAP. Auf der "Bamberger
Führertagung" ein Jahr später gelang es ihm, die
Verankerung antikapitalistischer Forderungen nach einem "nationalen
Sozialismus" und Verstaatlichung der Wirtschaft, wie es vor
allem die Brüder Gregor und Otto Strasser sowie anfänglich
auch Joseph Goebbels forderten, in das Parteiprogramm zu
unterbinden und seine parteiinterne Machtstellung endgültig
zu manifestieren.
Als Konsequenz aus dem gescheiterten Hitler-Putsch von 1923 verfolgte
die NSDAP ab 1925 eine Taktik der Legalität. Nicht durch
einen gewaltsamen Umsturz sollte die Republik beseitigt werden,
sondern durch Teilnahme an Wahlen und durch Vergrößerung
der nationalsozialistischen Bewegung, die in der Konsolidierungsphase
ab Mitte der zwanziger Jahre zunehmend in eine Hitler-Bewegung
überging, in der Hitler - nun auch im offiziellen Sprachgebrauch
der Partei als "Führer" bezeichnet - die uneingeschränkte
Autorität besaß. Der "Führerkult" und
Hitlers Charisma wurden zu zentralen Elementen der NSDAP, die
1926 für Parteigenossen den Hitlergruß einführte.
Zwischen 1925 und 1930 stieg die Mitgliederzahl der Partei von
27.000 auf rund 130.000. Trotz des beträchtlichen Mitgliederzuwachses
waren die Wahlergebnisse aufgrund der relativen politischen und
wirtschaftlichen Stabilisierung in der zweiten Hälfte der
20er Jahre für die Führung der NSDAP enttäuschend.
Bei der Reichstagswahl vom 28. Mai 1928 erreichte sie lediglich
2,6 Prozent der Stimmen.
Die von der NSDAP mit der Deutschnationalen Volkspartei
(DNVP), dem Stahlhelm und dem Alldeutschen Verband
1929 initiierte Kampagne für den Volksentscheid gegen
den Young-Plan steigerte das Ansehen der Nationalsozialisten
im rechten Lager enorm. Schließlich profitierte die NSDAP
wie keine andere Partei von der Weltwirtschaftskrise, die
einen fruchtbaren Nährboden für antikapitalistische,
antiliberale und vor allem für antisemitische Propaganda
gegen das "internationale Finanzjudentum" bot. Unter
den Auswirkungen der Wirtschaftskrise und der Massenverelendung
feierte die NSDAP bei der Reichstagswahl vom 14. September
1930 einen erdrutschartigen Wahlerfolg: Mit 18,3 Prozent wurde
sie zweitstärkste Partei und konnte die Zahl ihrer Reichstagsmandate
von 12 auf 107 erhöhen. Kurz nach der Wahl trat Hitler Gerüchten
über nationalsozialistische Putschpläne entgegen und
legte am 25. September 1930 einen "Legalitätseid"
ab, wonach die NSDAP nur legal um die Macht kämpfe. Doch
ließ er keinen Zweifel daran aufkommen, dass er das
politische System nach Erhalt der Macht radikal ändern würde.
Um ihre Geschlossenheit im Kampf gegen die Weimarer Republik zu
demonstrieren, schlossen sich im Oktober 1931auf Betreiben Hitlers
und Alfred Hugenbergs die NSDAP und die DNVP mit einer
Reihe nationalistischer Verbände zur "Harzburger
Front" zusammen.
Begleitet vom Straßenterror der SA avancierte die NSDAP
nach 1930 zu einem Auffangbecken für alle Gegner der nicht
vom Volk durch Wahlen legitimierten Präsidialkabinette.
Bis Januar 1933 erhöhte sich ihre Mitgliederstärke auf
rund 850.000. Aufmärsche und pausenlose Agitation lockten
vor allem Jugendliche und junge Männer an die NSDAP oder
ihre Gliederungen wie Hitler-Jugend (HJ) oder SA. Obwohl
sich die Parteimitglieder zu einem Großteil aus dem Mittelstand
rekrutierten, wies die NSDAP mit einem starken Arbeiteranteil
eine ausgewogenere Sozialstruktur als alle anderen Parteien der
Weimarer Republik auf. Als neuartige und sich modern darstellende
"Volkspartei" warb sie in allen sozialen Schichten erfolgreich
um Mitglieder und Wähler.
Vor allem Nichtwähler wurden bei der Reichspräsidentenwahl
1932 und der Reichstagswahl vom 31. Juli 1932 mobilisiert.
Eine starke Wählerbewegung zu der politisch noch unverbrauchten
NSDAP kam von den konservativ-liberalen Parteien, denen immer
weniger Menschen zutrauten, der katastrophalen Wirtschaftskrise
Herr werden zu können. Viele Wähler waren überzeugt, in Hitler ihre "letzte Hoffnung" zu finden. Als überragender Sieger der Reichstagswahl
vom Juli 1932, aus der die NSDAP mit 37,4 Prozent als stärkste
Partei hervorging, verlangte Hitler kompromisslos die ganze
politische Macht, die ihm Reichspräsident Paul von Hindenburg
jedoch noch verweigerte. Hitler pokerte hoch, als er die ihm angebotene
Vizekanzlerschaft ablehnte - denn der frustrierte Massenanhang
der NSDAP begann bereits zu bröckeln. Trotz massiver finanzieller
Unterstützung durch Großindustrielle wie Fritz Thyssen,
Albert Vögler oder Emil Kirdorf war die Parteikasse
durch kostspielige Wahlkampfführungen leer, das Geld für
weitere Agitation und Propaganda fehlte. Der sich mit der Reichstagswahl
vom 6. November 1932 fortsetzende Abwärtstrend stürzte
die Partei tief in die Krise.
Als die Leitartikel großer deutscher Tageszeitungen zum
Jahreswechsel 1932/33 bereits das nahe Ende der Hitler-Bewegung
prophezeiten, mobilisierte die Partei noch einmal alles, um bei
der Landtagswahl in Lippe Mitte Januar 1933 den Wählertrend umzubiegen. Mit
39,5 Prozent konnte die NSDAP in Lippe gegenüber der Reichstagswahl im November 1932 fünf
Prozent zulegen. Von der NS-Propaganda wurde die Stimmenzunahme als Trendwende gefeiert, um die Hoffnung der NSDAP-Anhänger auf die ersehnte Machtübernahme auf Reichsebene am Leben zu erhalten. Tatsächlich bot im Januar 1933 der ehemalige Reichskanzler Franz
von Papen - von Hindenburg mit der Bildung einer neuen Regierung
beauftragt - Hitler in einem Geheimtreffen die Kanzlerschaft in
einem national-konservativen Kabinett an. Nur für wenige
Monate, so die verhängnisvolle Fehleinschätzung vieler
konservativer Politiker, sollte die NSDAP mit ihrer Massenbasis
dem am 30. Januar 1933 eingesetzten Kabinett der "nationalen
Konzentration" unter Reichskanzler Hitler parlamentarisch
den Rücken freihalten, bevor die NSDAP politisch verschlissen
sei.
(as)
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