1918-33

[Buch: Kurt Tucholsky "Deutschland, Deutschland über alles" (Schutzumschlag von John Heartfield), 1929]

[Buch: Alfred Döblin "Berlin Alexanderplatz" (Schutzumschlag), 1929]








Literatur in der Weimarer Republik


Zu Beginn der 20er Jahre verlor der eher elitäre literarische Expressionismus der Kriegs-und Vorkriegszeit allmählich an Bedeutung. Um eine breite Öffentlichkeit anzusprechen, wählten die Literaten nun eine allgemeinverständliche Sprache und wirklichkeitsnahe Darstellungen. Der von den bildenden und angewandten Künsten mit Unterstützung von Industrie und Handel propagierte Terminus Neue Sachlichkeit trat ins Zentrum der Aufmerksamkeit.

Der besondere Stellenwert der Literatur in der Weimarer Republik mit einer großen Vielfalt an Stilrichtungen lag in der Überzeugungskraft, mit der das Verhältnis von Individuum und Masse, Individualerfahrung und Massenkultur künstlerisch durchdrungen wurde. Der von den Expressionisten vernachlässigte Roman wurde wieder zur bevorzugten Gattung. Die Ereignisse des Ersten Weltkriegs veranlassten Ernst Jüngers ("In Stahlgewittern", 1920) Ludwig Renn ("Krieg", 1928) oder Erich Maria Remarque ("Im Westen nicht Neues", 1929) ebenso zur Verwendung der epischen Großform wie Thomas Mann ("Der Zauberberg", 1924), Hermann Hesse ("Der Steppenwolf", 1927) oder Robert Musil. Beeinflusst von der Vielschichtigkeit des Alltagslebens feierte der Zeitroman ab Mitte der 20er Jahre den Durchbruch und erschloss der Literatur mit der Welt der Angestellten oder des Großstadtlebens mit Verelendung und Arbeitslosigkeit ganz neue Bereiche. Lion Feuchtwanger, Alfred Döblin oder Egon Erwin Kisch bemühten sich in ihren Romanen um eine nüchterne und authentische Gesellschaftsanalyse.

1926, genau 230 Jahre nach ihrer Gründung, erlaubte die Preußische Akademie der Künste auch Schriftstellern und Schriftstellerinnen den Zutritt. Mit der Schaffung der Sektion für Dichtkunst wurde endlich eine öffentliche Repräsentanz der deutschen Literatur gefördert. Der literarische Aufschwung der Weimarer Republik blieb jedoch bis in die 60er Jahre eine reines Elitephänomen. Die kulturelle Blüte spielte sich vorwiegend in einer schmalen Schicht von Künstlern, Mäzenen, Kunstkritikern und dem wohlhabenden Bildungsbürgertum ab. Das breite Publikum las Schriftsteller wie Hermann Löns, Hans Carossa, Karl May und Hedwig Courths-Mahler.

(lw)

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