1918-33



[Plakat zur Wahl der Nationalversammlung, 1919]











Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD)


Nach dem militärischen Zusammenbruch des Deutschen Reichs im Herbst 1918 bemühte sich die SPD, die staatliche Ordnung aufrechtzuerhalten. Um der radikalen Linken zuvorzukommen, rief Philipp Scheidemann am 9. November die Deutsche Republik aus. Der Reichskanzler Prinz Max von Baden übertrug dem Sozialdemokraten Friedrich Ebert sein Amt des Reichskanzlers, und noch am selben Tag bildete die SPD mit der USPD den paritätisch besetzten Rat der Volksbeauftragten als provisorische Reichsregierung. Dieses Gremium setzte dringend anstehende politische und soziale Reformen um und ebnete den Weg für die Wahlen zur verfassunggebenden Nationalversammlung.

Von Januar 1919 bis Mai 1920 bildete die SPD als stärkste Fraktion mit dem Zentrum und der Deutschen Demokratischen Partei (DDP) die erste Weimarer Koalitionsregierung. Hauptaufgaben dieser Regierung unter Scheidemann waren die Demobilisierung des Heeres, der Aufbau einer Friedenswirtschaft, die Ausarbeitung einer neuen Reichsverfassung sowie der Abschluss eines Friedensvertrags mit der Entente. Alle Aufgaben stellten die SPD vor das Problem, einen Ausgleich mit ihren bürgerlichen Koalitionspartnern zu finden und gleichzeitig ihrem eigenen Ziel einer sozialistischen Republik gerecht zu werden. Die Politik der Sozialdemokratie wurde auf der Linken von USPD und der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) als "verbürgerlicht" und auf der Rechten von der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) und der Deutschen Volkspartei (DVP) als "nationale Selbstaufgabe" heftigst kritisiert.

Nach der Niederlage bei der durch den Lüttwitz-Kapp-Putsch erzwungenen Reichstagswahl vom Juni 1920 zog sich die SPD zunächst aus der Regierungsverantwortung zurück. Die Vereinigung mit dem Teil der USPD, der sich nicht der KPD angeschlossen hatte, ließ ab 1922 die innerparteiliche Flügelkämpfe und Vorbehalte gegen Koalitionen mit bürgerlichen Parteien wieder neu aufleben. Mit der Verbesserung der wirtschaftlichen Lage und der Beruhigung der politischen Verhältnisse konsolidierte sich auch die SPD. Mit Hermann Müller stellte sie 1928 wieder einen Reichskanzler. Die von ihm geführte große Koalition mit den bürgerlichen Parteien brach 1930 nicht zuletzt an den Folgen der Weltwirtschaftskrise auseinander. In den nächsten zwei Jahren tolerierte die SPD die Politik von Reichskanzler Heinrich Brüning (Zentrum), um eine Übernahme der politischen Macht durch die Nationalsozialisten zu verhindern. In Preußen, dem mit Abstand größten Bundesstaat des Reichs, stellte die SPD mit Otto Braun den Ministerpräsidenten, der - mit nur kurzen Unterbrechungen - das im Kaiserreich als "Hort von Reaktion und Militarismus" angesehene Land vom März 1920 bis Juli 1932 zum "demokratischen Bollwerk" gegen die extreme Linke und nationalistische Rechte ausbaute.

(ba)

[Ton] Philipp Scheidemann (SPD), Ausrufung der Republik

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