1918-33

[Skulptur: Der gläserne Mensch, 1934]







Der gläserne Mensch


Auf der Zweiten Internationalen Hygiene-Ausstellung in Dresden 1930 wurde der Gläserne Mensch einem staunenden Publikum präsentiert. Nicht nur Wissenschaft und Fachwelt waren begeistert von dem glänzenden Homunkulus, auch die internationale Presse berichtete in Sensationsreportagen über die außergewöhnliche Erfindung. Fast im verborgenen hatte Franz Tschackert, Präparator des Deutschen Hygiene-Museums, sein Werk geschaffen: eine dreidimensionale Figur, deren durchsichtige Hülle aus dem Kunststoff Cellon den Blick auf das Skelett und die inneren Organe freigab, während eine Grammophonstimme deren Funktionsweise erläuterte.

Dem ersten Gläsernen Mann folgten aufgrund der großen Nachfrage weitere; 1936 wurde die erste Gläserne Frau gefertigt. Das hier gezeigte Modell eines (geschlechtslosen) Mannes wurde 1934 für das Museum of Science in Buffalo hergestellt. Der Auftrag des amerikanischen Museums vermerkte ausdrücklich "without sex".

Der Aufklärung über den eigenen Körper und der Gesundheitsprophylaxe sollte der Gläserne Mensch dienen. Doch auch die Vorstellung von einer normierten, funktionierenden Menschenmaschine wohnt ihm inne. In dieser Janusköpfigkeit spiegelt sich zugleich die Widersprüchlichkeit der Hygienebewegung der Weimarer Republik.

(rb)

I. WeltkriegWeimarer RepublikNS-RegimeHome