[Gemälde: Germania, 1914 ]



[Gemälde: Georg Macco, "Siegesfahnen in Altdüsseldorf", 1914]

[Postkarte: Wilhelm II. und Hindenburg, um 1915]

[Letzte Felduniform von Kaiser Wilhelm II.]

[Gemälde: Hans Baluschek, Kriegswinter, 1917]

[Foto: Deutscher Angriff, 1918]

[Foto: Im gestürmten und versumpften Kampfgelände von Armentieres, 1918]

[Foto: Deutsche Gefangene, 1918]



1914
1915
1916
1917
1918















Der Erste Weltkrieg





Machtpolitische Rivalitäten und intensives Wettrüsten belasteten die internationalen Beziehungen. Nach der Ermordung des österreichisch-ungarischen Thronfolgers in Sarajevo am 28. Juni 1914 versagten alle Bemühungen um eine Konfliktlösung auf Grund des unversöhnlichen Machtstrebens der europäischen Großmächte. Ab August 1914 befanden sich die Mittelmächte Deutschland und Österreich-Ungarn im Krieg gegen die Entente-Staaten Frankreich, Großbritannien und Russland. Der Krieg herrschte nicht nur auf den Schlachtfeldern in Europa, den Kolonien, im Nahen Osten sowie auf hoher See, sondern erstmals auch an der "Heimatfront". Hier litten viele Deutsche schon bald unter Hunger, waren vom zähen Kriegsverlauf enttäuscht und vom Massentöten an der Westfront schockiert. Dort verharrte der Krieg in gigantischen Materialschlachten und zermürbenden Stellungskämpfen. Der Erste Weltkrieg endete im November 1918 mit der militärischen Niederlage Deutschlands. Die Zahl der Toten und Verletzten bis 1918 war immens: Weltweit starben rund neun Millionen Soldaten und sechs Millionen Zivilisten.

Das Mächtesystem Europas ertrug den deutschen Nationalstaat gerade so lange, wie er bereit war, sich strikte Beschränkungen aufzuerlegen. Die ausgleichende Außenpolitik von Reichskanzler Otto von Bismarck war von seinen Nachfolgern jedoch nicht fortgesetzt worden; die europäischen Mächte empfanden das neue, weltpolitisch auftrumpfende Deutsche Reich als bedrohlichen Störenfried. Zudem versechsfachte Deutschland zwischen 1871 und 1914 seine industrielle Produktion und überflügelte damit Großbritannien.

1904 legten Großbritannien und Frankreich ihre kolonialen Streitigkeiten bei und schlossen ein Bündnis, die Entente cordiale. Nachdem 1905 der Versuch Kaiser Wilhelms II. gescheitert war, das alte deutsch-russische Bündnis zu erneuern, folgte zwei Jahre darauf ein britisch-russischer Vertrag, mit dem die beiderseitigen Rivalitäten im Mittleren Osten beigelegt wurden. Deutschland sah sich isoliert, abgesehen von dem Bündnispartner Österreich-Ungarn, der aber wegen seiner dauernden Verwicklungen auf dem Balkan eher eine Belastung darstellte. Das Gefühl, eingekreist zu sein, löste in Deutschland eine trotzige Stimmung des "Nun erst recht" aus, eine Steigerung des neurotischen Massennationalismus, wie er in der zunehmenden Agitation des Alldeutschen Verbands seinen Ausdruck fand. Auch die militärische Planung stellte sich auf diese Lage ein; der Chef des Großen Generalstabs, Alfred Graf von Schlieffen, plante seit 1905 den Aufmarsch für den Fall des als unvermeidlich angesehenen Zweifrontenkriegs.

Angesichts wiederkehrender außenpolitischer Krisen um Einflusssphären und Absatzmärkte forcierten alle europäischen Großmächte ihre Rüstungsanstrengungen. Dank diplomatischer Übereinkünfte griffen Russland, Österreich-Ungarn, Großbritannien, Frankreich und Deutschland zwar nicht direkt in die Balkankriege 1912/13 ein, jedoch führten die Kriege zu neuen internationalen Spannungen und verschärften den Rüstungswettlauf. In Kreisen hoher deutscher Militärs zeigte man sich seit Ende 1912 von der Unabwendbarkeit eines gesamteuropäischen Krieges überzeugt. Der Reichstag bewilligte 1913 die Erhöhung der Heeresstärke um 136.000 auf über 800.000 Mann. Gleichzeitig wurden dem Heer großzügigere finanzielle Mittel zu seiner Modernisierung bereit gestellt.

Das Attentat in Sarajevo vom 28. Juni 1914 löste zunächst diplomatische, dann militärische Aktivitäten aus (Juli-Krise), die zunehmend auf die bewaffnete Konfrontation hochgerüsteter Staaten zusteuerten. Die österreichische Regierung war durch eine Zusage der deutschen Regierung zu einem kompromisslosen Vorgehen gegen Serbien ermuntert worden. Nach der Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien griffen innerhalb weniger Tage alle Bündnisvereinbarungen. Der Beginn des Krieges wurde in den großen deutschen Städten mit zum Teil erheblicher Begeisterung aufgenommen. Das August-Erlebnis als Zeichen des nationalen Aufbruchs wurde in der Folge zu einer oft benutzten und beschworenen Formel. Die anfängliche Begeisterung schlug sich auch in der monetären Unterstützung des Krieges nieder, der zu einem großen Teil durch festverzinsliche (und nach dem Sieg einzulösende) Kriegsanleihen finanziert wurde. Innenpolitisch bedeutsam war die Zusammenarbeit aller Fraktionen: In Deutschland stimmte die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) 1914 den Kriegskrediten im Sinne des Burgfriedens zu. In anderen Ländern gab es ähnliche Formen der Kooperation mit der früheren Opposition. Der nationale Konsens wurde in Deutschland jedoch spätestens 1917 durch die Abspaltung der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei (USPD) von der SPD aufgekündigt.

Der Zweifrontenkrieg, den Deutschland zu führen hatte, war infolge des Schlieffen-Plans unvermeidlich geworden. Im Osten gelang es deutschen Truppen, tief nach Russland vorzudringen und die Front von der Heimat fernzuhalten. Aber der deutsche Vormarsch im Westen rannte sich fest, verwandelte sich in mörderischen Stellungskampf. Dieser Krieg brachte eine bis dahin beispiellose technische "Modernisierung" und Totalisierung mit sich. Durch den Einsatz modernen Kriegsgerätes setzte an der Westfront ein bis dahin beispielloses Massentöten ein. Rund die Hälfte aller Gefallenen starb durch Artilleriefeuer. Tausende Soldaten verloren ihr Leben ab 1915 durch neu entwickeltes Giftgas. Die "Technisierung des Krieges" zeigte sich ebenso im Luftkampf, der das Kriegsgeschehen erstmals auch abseits der Front mitbestimmte. Für Panik auf deutscher Seite sorgte 1917 der erste Großeinsatz britischer Panzer, die Stacheldrahtverhaue und Gräben scheinbar mühelos überwinden konnten. Die Grabenkämpfe arteten zu förmlichen Materialschlachten aus. Schon nach wenigen Monaten entsprach der Krieg in keiner Weise mehr den Vorstellungen eines kurzen und entschiedenen Waffenganges, an dessen Ende vor allem für Deutschland eine günstigere Lage - der "Platz an der Sonne" - stehen sollte. Nie zuvor waren so viele Soldaten in einem kriegerischen Konflikt eingesetzt worden. Millionen von ihnen wurden in allen kriegsbeteiligten Staaten mobilisiert. Insbesondere die "großen Offensiven", die an den ausgebauten Grabensystemen der Verteidiger zusammenbrachen, und die "Abnutzungsschlacht" um Verdun sorgten für die größten Opferzahlen.

Angesichts des Ausmaßes und der Dauer der Kämpfe war es erstmals notwendig, die gesamte Wirtschaft der kriegsbeteiligten Länder auf die Bedingungen des Krieges auszurichten. Die mit der Produktion von Ausrüstung, Waffen und Munition verbundenen immensen Anstrengungen schufen eine vorher unbekannte Kriegsökonomie, die auf deutscher Seite von Walther Rathenau organisiert wurde. Der Versuch, die Widerstandskraft des Gegners auch durch Unterbinden der Versorgung von außen zu schwächen, war die offensive Reaktion auf die Kriegsökonomie der jeweils anderen Seite. Die englische Blockade der Nordsee sowie der (seit 1917 erneut "uneingeschränkt", auch gegen Schiffe neutraler Staaten geführte) U-Boot-Krieg der Mittelmächte dienten diesem Zweck. Dadurch war erstmals die Zivilbevölkerung in größerem Ausmaß betroffen.

Die Totalisierung des Krieges zeigte sich in allen Bereichen des Alltags. Frauen arbeiteten erstmals in großer Zahl anstelle der eingezogenen Männer in der industriellen Produktion, dem Dienstleistungsgewerbe und der Verwaltung. Das der Zivilbevölkerung immer deutlicher werdende Ausmaß der Verluste und das Andauern der Kämpfe führten aber spätestens ab 1916 zu einer allgemeinen tiefen Kriegsmüdigkeit. Wie die anderen Länder hatte das Deutsche Reich die Notwendigkeit erkannt, zur Festigung des Durchhaltewillens Propaganda einzusetzen. Diese wurde von der Militärzensur kontrolliert. Auch alle sonstigen wesentlichen Entscheidungen bedurften der Zustimmung der Obersten Heeresleitung (OHL), seit 1916 unter Paul von Hindenburg und Erich Ludendorff.

Teilweise als Reaktion auf die Revolutionen in Russland im Februar und Oktober 1917, kam es im Januar/Februar 1918 zu Massenstreiks und Demonstrationen, denen sich Hunderttausende Menschen anschlossen. Ihre Hauptforderung lautete "Frieden und Brot". Auftrieb erhielt das Deutsche Reich aber noch einmal, als es am 3. März 1918 einen vorteilhaften Friedensvertrag mit Russland durchsetzte. An der Westfront hingegen hatten sich die Aussichten auf einen Sieg seit dem Kriegseintritt der USA im April 1917 dramatisch verschlechtert. Nach dem Scheitern von Großoffensiven im Sommer 1918 war die Kampfkraft der deutschen Armee vollends erschöpft. Sie hielt noch ihre Stellungen gegen überlegene Gegner, gewinnen konnte Deutschland den Krieg aber nicht mehr. Am 29. September 1918 forderte die OHL in militärisch auswegloser Lage von der politischen Führung Verhandlungen über einen Waffenstillstand, der am 11. November 1918 unterzeichnet wurde.

Am Ende des Ersten Weltkrieges 1918 hatten sich die staatlichen Verhältnisse in Europa und im Nahen Osten erheblich verändert. Die Monarchien in Deutschland, Österreich-Ungarn und Russland waren beseitigt, das Osmanische Reich brach auseinander. Neue Nationalstaaten entstanden. Nationalitätenprobleme und kriegerische Konflikte herrschten in Europa und im Nahen Osten noch lange vor. Die Leiden des Krieges entluden sich in vielen Staaten Europas in revolutionären Erschütterungen. Auch im Deutschen Reich verstärkten Hunger und Entbehrung zusammen mit der Enttäuschung über die militärische Niederlage demokratische und sozialistische Bestrebungen. Am 9. November 1918 erfolgte die Ausrufung der Republik. Kaiser Wilhelm II. musste seinem Thron entsagen.

(rr/as)


Karte: Frontverlauf 1914
[Karte: Kriegsverlauf 1914]

Video: Der Erste Weltkrieg
[Video:Der I. Weltkrieg]


[Text] Erste Balkonrede Wilhelms II., 31. Juli 1914
[Text] Zweite Balkonrede Wilhelms II., 01. August 1914
[Ton] Ansprache Wilhelms II. an das deutsche Volk, 4. August 1914
[Ton] Dankserlaß an die 8. Armee nach der Schlacht bei Tannenberg, 1914







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