1914-18![]()
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| August-ErlebnisIn allen kriegführenden Ländern stand die Bevölkerung dem Kriegsausbruch erstaunlich gelassen gegenüber. Man schien von der Unabwendbarkeit eines Krieges überzeugt. Die kriegführenden Länder teilten die Überzeugung, jeweils einen Verteidigungskrieg führen zu müssen. Vor dem Berliner Schloss versammelten sich am Nachmittag des 1. August 1914 Tausende von Menschen, um gespannt den Ablauf des deutschen Ultimatums an Rußland mitzuerleben. Als um 17 Uhr ein Offizier am Schlosstor erschien und die Mobilmachung verkündete, sangen die versammelten Massen den Choral "Nun danket alle Gott". Die Ungewissheit über das weitere Schicksal war einer Form religiöser Ergriffenheit gewichen. Das "August-Erlebnis" einte die Nation, machte Klassengegensätze und soziale Spannungen vergessen. Der Mobilmachungsbefehl initiierte die planmäßige Einberufung von zwei Millionen Menschen und deren Transport zu ihren Einsatzorten. Zugleich wurde der Krieg gegen die "demokratischen Westmächte" und das "zaristische Rußland" ideologisch gerechtfertigt. Bis in die Reihen der Sozialdemokraten wurde die Auffassung vertreten, der Krieg sei dem Deutschen Reich aufgezwungen worden. Der Kampf gegen die "Feinde ringsum" wurde zum Kampf zwischen "deutscher" Kultur und "westlicher" Zivilisation, zwischen Gemeinschaft und Gesellschaft stilisiert. Im Sommer 1914 meldeten sich Hunderttausende im Glauben an einen raschen Sieg als Freiwillige an die Front. Warnende Stimmen gegen die unabsehbaren Folgen des Krieges blieben ungehört. (ba)
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