1914-18![]()
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MaterialschlachtenDie ersten Monate des Ersten Weltkrieges zeigten, dass die Kämpfe nicht von kurzer Dauer sein würden. Dies erzwang die technische "Modernisierung" der Kriegsführung: Ab 1915 prägte neues Kriegsgerät die bis dahin beispiellosen Materialschlachten. Insbesondere im Westen setzte erstmals ein Massentöten durch Maschinengewehre, Artillerie und Kampfgas ein. Im Stellungskrieg an der Westfront legten beide Seiten ein tief gestaffeltes Grabensystem an. Schwere Artillerie nahm die feindlichen Stellungen unter stundenlanges Dauerfeuer, um sie schließlich "sturmreif" zu schießen. Nach jedem Artilleriebeschuss stürmten Infanterieeinheiten vor. Keiner der Angriffe brachte die entscheidende Wende. Für die Angreifer war ein Ansturm auf das gegnerische Befestigungsbollwerk weit verlustreicher als für die Angegriffenen - zu Hunderten starben sie im Abwehrfeuer der Maschinengewehre. Im Fronteinsatz zählten neben den Maschinengewehren vor allem Handgranaten und Flammenwerfer zu den wirksamsten Waffen der Infanterie. Gegen Kugelhagel und Granatsplitter konnten herkömmliche Lederhelme die Frontsoldaten nicht mehr schützen. Im deutschen Heer löste der Stahlhelm ab 1916 schrittweise die Pickelhaube ab. Sie bot zu wenig Schutz gegen die Splitter von Granaten, die durch ihren massenhaften Einsatz Tod und Verstümmelung hervorriefen. Davor sollten auch andere Gegenstände des Körperschutzes wie Grabenpanzer und Schutzmasken bewahren. Durch Artilleriefeuer starb rund die Hälfte aller Gefallenen im Ersten Weltkrieg. Der massive Einsatz weit reichender Kanonen und die Zerstörungskraft von Granaten, Minen und Bomben hinterließen überall grabenzerfurchte, sumpfartige Geländeflächen mit tiefen Granattrichtern und toten Baumstümpfen sowie zerschossene Ortschaften. In den Kampfgebieten in Nordfrankreich, Belgien und Westrussland wurden hunderttausende Häuser sowie Brücken zerstört. Straßen und Eisenbahnstrecken wurden zum Großteil beschädigt. Dörfer, Städte und ganze Landschaften entlang der Front waren nach ihrer Zerstörung völlig gesichtslos und unbewohnbar. Diesen Zerstörungen standen minimale Geländegewinne gegenüber, die in der Regel schon nach kurzer Zeit wieder verlorengingen. Auch die Soldaten wurden wie Geschütze und Munition als einzusetzendes Material betrachtet. Ihnen wurde täglich der Einsatz ihres Lebens abverlangt. Der Tod wurde als "Heldentod" fürs Vaterland verklärt und sollte seinen individuellen Schrecken verlieren. Einen traurigen Höhepunkt erreichte das Konzept der Materialschlacht mit den Kämpfen um die Festungsanlagen von Verdun. (ba)
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