1914-18

[Afrikanische Hilfstruppen in Deutsch-Ostafrika]





Der Krieg in Deutsch-Ostafrika


Als Adjutant von General Paul von Lettow-Vorbeck nahm Walter von Ruckteschell (1882-1941) an den Kämpfen in der Kolonie Deutsch-Ostafrika während des Ersten Weltkriegs teil. Seine Eindrücke hielt er künstlerisch fest und schuf unter anderem eine Serie von Einzelportraits, die auch die Gesichter von afrikanischen Askari (arabisch: Soldaten) zeigen. Des weiteren stellte er eine Kampfszene mit deutschen und afrikanischen MG-Schützen am Ende des Kriegs in Afrika dar, den britische Truppen mit Angriffen auf Deutsch-Ostafrika 1914 begonnen hatten, obwohl als Ergebnis der Berliner Afrikakonferenz in der "Kongoakte" von 1885 im Fall eines Kriegs der Großmächte das Freihandelsgebiet in Mittel- und Ostafrika neutral bleiben sollte.

Mit den Kämpfen in den Kolonien wurden in Deutsch-Ostafrika deutsche Farmer, Beamte und Angestellte in die Schutztruppe unter Kommandeur Lettow-Vorbeck einberufen. Der Großteil der rund 15.000 Mann starken Truppe bestand aus Askari, die aufgrund hoher Kampfbereitschaft bei ihren deutschen Vorgesetzten große Wertschätzung genossen. Lettow-Vorbeck wollte möglichst viele feindliche Truppen in koloniale Kämpfe verwickeln und damit die deutschen Fronten in Europa entlasten. Die große Überlegenheit der Ententemächte zu Land und zur See machte es der Schutztruppe unmöglich, selbst feindliche Kolonien anzugreifen. Dies nötigte Lettow-Vorbeck zu einem Verteidigungs- und Guerillakrieg gegen britische, belgische und portugiesische Verbände.

Im November 1914 versuchten die Briten bei Tanga im Norden der Kolonie zu landen, wurden aber von Lettow-Vorbeck und seiner Truppe nach einem Gewaltmarsch vom Kilimandscharo nach Tanga direkt an der Küste zurückgeschlagen. Dieser wichtige Sieg der Deutschen traf die Entente unerwartet und ließ die Briten zunächst Abstand vor weiteren Landungsmanövern nehmen. Während sich die Schutztruppe gegen die aus dem Kongo eingerückten Belgier kleinere Gefechte und Scharmützel im Westen der Kolonie lieferte, beauftragten die Briten im April 1916 General Jan Christian Smuts (1870-1950) mit der Eroberung Deutsch-Ostafrikas. Smuts marschierte mit einem mehrere zehntausend Mann umfassenden Heer aus Briten, Indern und Südafrikanern im Norden von Deutsch-Ostafrika ein, drängte die deutsche Hauptstreitmacht vom Kilimandscharo in den Süden der Kolonie ab, besetzte die von Daressalam nach Mpapua verlaufende Zentralbahn und eroberte im September 1916 die Hauptstadt Daressalam. Gleichzeitig waren vom Kongo aus belgische Truppen am Kiwusee im Nordwesten eingefallen. Weitere britische Verbände stießen von Nordrhodesien aus in den Südwesten des Schutzgebiets vor.

Lettow-Vorbeck kämpfte nun gegen eine zehnfache militärische Übermacht, vermied deshalb eine offene Feldschlacht und nutzte die tropischen Urwälder im Süden der Kolonie für einen Guerillakrieg. Durch Gewaltmärsche und Angriffe auf kleinere Verbände der Entente konnte er den Südosten Deutsch-Ostafrikas bis November 1917 halten, bevor er gezwungenermaßen nach Portugisisch-Afrika (heute: Mozambique) ausweichen mußte. 1918 startete Lettow-Vorbeck mit seinen verbliebenen 1.800 Mann eine kleine Offensive gegen die feindlichen Truppen im Süden Deutsch-Ostafrikas und konnte noch einmal Gebietsgewinne erzielen. Zwischen Kasanga und dem Rukwasee kam es Anfang November 1918 zu einem letzten Gefecht, bevor Lettow-Vorbeck am 14. November 1918 aus Berlin den Befehl erhielt, sich mit seiner durch Krankheit und Erschöpfung geschwächten Truppe der Entente zu ergeben. Diesen Befehl überbrachten die Briten dem deutschen General, da Lettow-Vorbeck seit 1917 über keinen Kontakt mehr zur Obersten Heeresleitung (OHL) im Deutschen Reich verfügt hatte.

(ja)

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