1914-18![]()
|
|
Friedrich August Kaulbach: GermaniaUnter dem Titel "Deutschland August 1914" stellt Friedrich August von Kaulbach (1850-1920) seine "Germania" vor einem nächtlichen Hintergrund mit flammendem Horizont dar. Den grimmigen Blick leicht nach links gerichtet, beherrscht sie mit ihrer wehrhaften Gestalt die Bildfläche. Mit der der ottonischen Reichsinsignie nachempfundenen Kaiserkrone auf dem Kopf, dem bloßen Schwert, dem wappengeschmückten Schild und dem "weiblichen" Brustharnisch verkörpert sie Deutschland in seiner Abwehr- und Angriffsbereitschaft bei Beginn des Ersten Weltkriegs. Kaulbach geht über den walkürenhaften Typus der Germania, wie er bei dem 1883 eingeweihten Niederwalddenkmal bei Rüdesheim des Bildhauers Johannes Schilling (1828-1910) zutage tritt, hinaus. Zwar ist Schillings Vorstellung der Germania als "Wacht am Rhein" in die Figur eingeflossen; darüber hinaus aber folgt Kaulbach Friedrich Schillers (1759-1805) Beschreibung der Jungfrau von Orléans bei ihrem nächtlichen Angriff auf das feindliche Lager (2. Aufzug, 4. Auftritt). Ihr martialisch-entschlossenes Auftreten entspricht dem patriotisch-fanatischen Rausch der Kriegsbegeisterung der Deutschen, wie sich auch das innere Brennen im Äußeren widerspiegelt. Der flammenglühende Hintergrund evoziert darüber hinaus das Feuer als essentielles Element der ikonographischen Bildtradition des Krieges.
|