1914-1918

Künstler im Krieg




Der Erste Weltkrieg fiel in eine Phase außergewöhnlicher Vitalität in der Kunst und beeinflußte mehr als jeder andere internationale Konflikt das Werk der Künstler, die ihn erlebten. Avantgarde-Bewegungen wie Impressionismus, Expressionismus und Kubismus waren entstanden, Künstlervereinigungen wie "Die Brücke" oder "Der Blaue Reiter" gegründet, und Wassily Kandinsky hatte seine ersten abstrakten Bilder gemalt. Schon vor Beginn des Kriegs hatten viele europäische Künstler eine Ahnung der bevorstehenden Auseinandersetzung. So veranschaulicht beispielsweise Ludwig Meidners Gemälde "Apokalyptische Landschaft" von 1912/13 mit der Darstellung von Zerstörung und Verwüstung eindringlich das Entsetzen über einen möglichen Weltuntergang.

[Gemälde: Wilhelm von Schreuer "Am Kemmel (Schlacht in Flandern)", 1916-1918] Aber nicht nur das erwartete Grauen wurde beschrieben; viele Künstler und Intellektuelle begrüßten den Kriegsbeginn in patriotischen Worten und Bildern. Der italienische Futurist Filippo Tommaso Marinetti (1876-1944) zeigte sich begeistert von der Idee der reinigenden Kraft des Kriegs. Schon in seinem 1909 erschienenen "Ersten Manifest des Futurismus" glorifizierte er ihn als "einzige Hygiene der Welt", für die man mit Begeisterung sterben müsse. Auch im Deutschen Reich und in Österreich-Ungarn war die Begeisterung nicht nur unter Künstlern zunächst groß: Max Ernst, Richard Dehmel, Otto Dix, Alfred Döblin, Ernst Ludwig Kirchner, Oskar Kokoschka, Wilhelm Lehmbruck, Ernst Toller und Georg Trakl und andere meldeten sich freiwillig zum Kriegsdienst. Andere, wie Gottfried Benn, Hugo von Hofmannsthal, Paul Klee, Otto Mueller, Max Pechstein, Karl Schmidt-Rottluff, Egon Schiele, Max Slevogt, wurden eingezogen; August Macke und Franz Marc fielen 1914 bzw. 1916 an der Westfront.

[Handschrift: Brief von Max Pechstein an Alexander Gerbig, 1916] Doch die grausame Wirklichkeit des Kriegs ernüchterte schnell. Max Beckmann beispielsweise, der sich freiwillig zum Sanitätsdienst gemeldet hatte, begann wie fast alle Künstler, seinen Kontakt mit den Opfern des Kriegs künstlerisch zu verarbeiten. Im Sommer 1915 erlitt er aufgrund seiner Erlebnisse einen Nervenzusammenbruch. George Grosz, dessen ohnehin düstere Weltsicht noch düsterer wurde, zeichnete von Leichen übersäte Schlachtfelder. Wegen einer Krankheit wurde er 1915 dienstuntauglich aus der Armee entlassen. Auch Kirchner wurde im Oktober 1915 wegen einer Lungeninfektion und allgemeiner Schwäche krankgeschrieben. Er erholte sich nie von seinen Kriegserlebnissen. Der Bildhauer Lehmbruck, der sich ebenfalls freiwillig für den Dienst als Sanitätsgehilfe in einem Militärhospital gemeldet hatte, floh in die Schweiz. Den Krieg überlebt zu haben, brachte ihm jedoch keine Entlastung. 1919 beging er in seinem Berliner Atelier Selbstmord.

(lw)







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