1914-18 |
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Ernst Barlach: Der RächerErnst Barlachs "Der Rächer" entstand in den ersten Monaten nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Ähnlich wie viele expressionistischen Dichter ruft Barlach nach Zerstörung des Bestehenden, nach radikaler Umwälzung und Wiedergeburt. Die Plastik ist Ausdruck für die allenthalben im Deutschen Reich spürbare Unzufriedenheit mit den politischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Bedingungen. Das Schwert des kämpferischen Rächers, das als Kultsymbol tief in Mythos und Sage zurückweist, und die zeitgenössische, auf Fortschritt- und Technikbegeisterung deutende künstlerische Ausdrucksweise unterstreichen ihre aggressive Botschaft. Der Körper, der dynamisch nach vorne strebt, und die langen, strahlenförmig gegliederten Gewandfalten, bei denen kubistische und futuristische Stilmittel Pate stehen, entspringen dem Wunsch nach umfassender Erneuerung auch in der Kunst. Noch bevor die Plastik in Ausstellungen gezeigt werden konnte, wurde sie zum Symbol für den Kriegsbeginn am 1. August 1914. In den von Paul Cassirer seit Ende August herausgegebenen Kunstflugblättern "Kriegszeit" erschienen neben einer Lithographie des "Rächers" eine Fülle von kriegsbezogenen Werken aller Genre. Doch wie bei fast allen zeitgenössischen Künstlern schlug auch Barlachs patriotische Kriegsbegeisterung schon bald in eine Anklage gegen die Grausamkeiten des Krieges um. Sein Eintreten für den Frieden wurde zum Hauptmotiv seines bildhauerischen Werks nach 1918.
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