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Französische KriegspropagandaBereits wenige Tage nach Beginn des Ersten Weltkriegs begannen die Planungen der französischen Regierung für eine Propagandazentrale; allerdings wurde das dem Kriegsministerium unterstellte "Maison de la Presse" erst im Februar 1916 eingerichtet. In ihm führte die Regierung alle amtlichen Presse- und Propagandazweige, In- und Auslandspropaganda, zusammen. Aber auch andere offiziöse und private Vereine und Organisationen wie die "Alliance Française" oder die "Ligue des Patriots" veröffentlichten propagandistische Schriften, z.B. Flugblätter und Zeitungen für deutsche Soldaten. Alle Druckerzeugnisse, die sich mit dem Krieg beschäftigten, unterlagen der amtlichen Zensur, die zunächst der Bevölkerung genaue Informationen über den Kriegsverlauf vorenthielt: Die französische Presse war auf Regierungsinformationen angewiesen, freie Berichterstattung oder Photographien von der Front waren verboten. Auch Filmaufnahmen von den Kriegsschauplätzen waren ab März 1915 allein ausgewählten Kameramännern gestattet, die sich allerdings nur in Begleitung eines Offiziers bewegen durften, der auch die Themen bestimmte. Die Freigabe der Bilder erfolgte durch eine Zensurkommission. Filmtitel wie "Die militärische Macht Frankreichs" oder "Frankreichs Frauen im Krieg" belegten, daß es bei solchen Filmen für die Heimatfront weniger um die Verteufelung des Feinds als um die Stärkung des eigenen Selbstbewußtseins ging. Wie in der britischen und amerikanischen spielten auch in der französischen Kriegspropaganda die Deutschen als Feindbild die Hauptrolle. Sie waren vor allem für Frankreich die "Barbaren", Frankreichs Rolle im Weltkrieg die des Verteidigers der Zivilisation gegen die Barbarei. Konzentriert in der Person von Kaiser Wilhelm II. und übertragen auf das ganze deutsche Volk, verbreiteten Zeitungen, Zeitschriften und Plakate das Bild einer Rasse, die von Natur aus barbarisch, gefräßig, gewalttätig, grobschlächtig und militaristisch sei. Der deutsche Überfall auf das neutrale Belgien bot diesen in der französischen Öffentlichkeit schon vor dem Krieg verbreiteten Stereotypen neue Nahrung: Geschichten deutscher Greueltaten an der belgischen Zivilbevölkerung und die Zerstörung von Kulturgut durch die Vertreter der deutschen "Kultur" wurden von den Propagandisten ausführlich beschrieben und verbreitet. Mit den Bildern der "boches" als mordlüsterne, barbarische Hunnen rechtfertigte die französische Propaganda den Kriegseinsatz. (cj)
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