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1914-1918Kriegspropaganda
Daneben gab es aber weiterhin zahlreiche halbamtliche und private Organisationen, die ebenfalls Propaganda betrieben; keine Regierung schuf zu Kriegsbeginn eine Zentralstelle, die alle Bereiche der Propaganda überwachte und koordinierte. Konflikte zwischen politischen und militärischen Stellen und rigide Zensurbestimmungen erschwerten zudem einheitliche Richtlinien für die Propagandaarbeit. Auch die deutsche Propaganda "litt" unter der Zersplitterung, weil Kriegs- und Innenministerium, der Generalstab, das Auswärtige Amt und andere Stellen eigene Propagandaabteilungen unterhielten.
Grundsätzlich war in allen kriegsteilnehmenden Ländern
der Beginn der Propagandaarbeit meist unkoordiniert und improvisiert.
Zu unterscheiden war zwischen Propaganda für das eigene Land
(z.B. Werbung für Kriegsanleihen oder Rekrutierungsaufrufe),
Propaganda für das neutrale Ausland oder die Propaganda in
den feindlichen Ländern sowie zwischen Regierungspropaganda
und "privater" Postkartenpropaganda. Je länger
der Krieg dauerte, die Flut der Propaganda anschwoll und Militärs
und Politiker ihre Wichtigkeit erkannten, entschlossen sich einige
Regierungen, ihre medialen Bemühungen zu bündeln: In
Großbritannien wurden im Februar 1918 das Informationsministerium
unter Lord Beaverbrook (1879-1964) und das "Department of
Propaganda in Enemy Countries" unter Lord Northcliffe (1865-1922)
geschaffen. Gleichzeitig war in der deutschen Obersten Heeresleitung
(OHL) ein ähnlicher Plan zur Schaffung eines Propagandaministeriums
entwickelt worden.
Zugleich war die Instrumentalisierung von Schriftstellern und Gelehrten, die Broschüren und Artikel verfaßten, eine weit verbreitete Methode der Propaganda. Die Leser konnten nicht ahnen, daß diese Texte im Auftrag der Regierung bzw. ihrer Propagandastellen entstanden waren.
Bei den Entente-Mächten dominierten die Deutschen
als Feindbild, es wurde bei allen Spielarten der Propaganda in
Wort und Bild eingesetzt. Der Einmarsch der deutschen Armee in
Belgien lieferte ihnen und besonders den Franzosen genügend
Anlass, gegen das widerrechtliche, das Völkerrecht verletzende
Vorgehen Deutschlands zu polemisieren.
Bildsprache und Methoden britischer und französischer Propaganda ähnelten sich, und auch in der amerikanischen Propaganda tauchten ab 1917 abschreckende Bilder von mordenden deutschen Monstern auf. Die Propagandaplakate sollten vor allem der eigenen Bevölkerung vermitteln, dass man auf der richtigen Seite stehe. Nationale Symbole fanden sich auf nahezu allen Plakaten: So warben die USA mit der Freiheitsstatue um Kriegsanleihen, während in Frankreich die "Marianne" voller Pathos die entschlossen marschierenden Soldaten in die "gerechte" Schlacht schickte.
Ein grundsätzlicher Unterschied zwischen der alliierten und der deutschen Propaganda schien zu sein, dass die Entente-Staaten in ihren Veröffentlichungen ihren Kriegseinsatz mit dem Verhalten des brutalen Feinds Deutschland begründeten - je grausamer die deutschen Taten, desto besser konnte der Bevölkerung die Notwendigkeit des Kriegs vermittelt werden. In Deutschland dienten die propagandistischen Bilder - auch für das feindliche Ausland bestimmten - fast ausschließlich der Bestätigung des deutschen Selbstbilds als überlegenes Kulturvolk, das sogar noch im Krieg seinen Feinden Gerechtigkeit widerfahren ließ; ein unschuldiges Opfer, das gerade aufgrund seiner Überlegenheit angegriffen wurde. (cj)
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