Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges veränderte sich
das Leben der Zivilbevölkerung entgegen weitgehenden Befürchtungen
zunächst nicht grundlegend. Das NS-Regime scheute
sich, der Bevölkerung allzu große Opfer abzuverlangen,
und es bemühte sich auch durch Aufrechterhaltung eines ausgedehnten
Kulturbetriebs um Alltagsnormalität. Nahezu jede deutsche
Familie hatte im Verlauf des Krieges einen Sohn, Bruder,
Vater, Ehemann oder Verlobten an der Front. Eine auch unter moralischen
Aspekten ständig propagierte "Heimatfront" sollte
Verbundenheit, Zuversicht und vor allem Treue der deutschen Bevölkerung
- besonders auch der weiblichen - gegenüber den Frontsoldaten
dokumentieren, von deren Kriegsalltag sie zumeist in Feldpostbriefen
und während des Heimaturlaubs erfuhren. Galt die alltägliche
Sorge der Deutschen zunächst nur dem Leben des Familienmitgliedes
an der Front, so wurde der Tod durch Ausweitung der alliierten
Luftangriffe ab 1942 auch für die Großstadtbewohner
zu einem ständigen Begleiter.
Von einer Kriegsbegeisterung konnte nach dem deutschen Überfall
auf Polen am
1. September 1939 in Deutschland keine Rede sein.
Zu frisch war die traumatische Erinnerung an den Ersten Weltkrieg
ein Vierteljahrhundert zuvor mitsamt seinen katastrophalen Folgen.
Die miserable Lebensmittelversorgung und die Hungerjahre
1916 bis 1919 waren im Bewusstsein vieler Erwachsener vor
allem in den Städten noch zu präsent. Ähnlich bedrückt
war die Stimmung auf dem Land, wo der Entzug von Arbeitskräften
und Pferden Probleme aufwarf. Das NS-Regime war sich der mangelnden
Kriegsbegeisterung in der Bevölkerung bewusst,
und es hatte aus den Erfahrungen des Ersten Weltkrieges frühzeitig
seine Lehren gezogen: Seit 1937 war die Rationierung von Lebensmitteln,
Treibstoff, Kohle und anderen Versorgungsgütern im Reichsverteidigungsrat
minutiös vorbereitet worden. Durch gute Ernten 1938 und 1939
waren die Vorratslager zudem reichhaltig gefüllt. Bei Getreide,
Kartoffeln, Zucker und Fleisch war ein Selbstversorgungsgrad von
100 Prozent erreicht worden.
Stufenweise wurde bei Kriegsbeginn die Zwangsrationierung eingeführt.
Fett, Fleisch, Butter, Milch, Käse, Zucker und Marmelade
waren ab dem 1. September 1939 nur noch gegen Lebensmittelkarten
erhältlich; Brot und Eier folgten ab dem 25. September. Mitte
Oktober 1939 wurde für die nicht Uniform tragende Bevölkerung
die Rationierung von Textilien mittels einer ein Jahr gültigen
"Reichskleiderkarte" eingeführt.
Der Bezugsschein
bestand aus 100 Punkten, die beim Kauf von Textilien abgerechnet
wurden. Ein Paar Strümpfe "kostete" 4 Punkte, ein
Pullover 25 Punkte, ein Damenkostüm 45 Punkte.
Trotz der von den Nationalsozialisten propagierten agrarischen
"Erzeugungsschlacht" verlagerte sich der Ernährungsschwerpunkt
während des Krieges auf Kartoffeln, Hülsenfrüchte,
Mehl und Zucker. Muckefuck, ein dünner Ersatzkaffee aus Gerste
oder Eicheln, ersetzte zumeist den Bohnenkaffee. Ersatzkuchen
wurden aus Mohrrüben oder Kartoffeln gebacken, die Ersatzmarmelade
wurde aus Steckrüben hergestellt. Brot war nahezu im vorherigen
Umfang erhältlich, wenn auch mit abnehmender Qualität.
Ein "Normalverbraucher" erhielt in den ersten beiden
Kriegsjahren pro Woche u.a. 2.250 Gramm Brot, 500 Gramm Fleisch
und rund 270 Gramm Fett. Schwerarbeiter erhielten im Bezugssystem
ebenso Sonderzulagen wie werdende Mütter oder Kinder. Nur
sie kamen in den Genuss von Vollmilch, die übrigen Verbraucher
erhielten Magermilch.
Trotz Nahrungsmittelentbehrungen und eines
kritischen Versorgungsjahres 1942 mit einer verschärften Rationierung
und einem allmählich einsetzenden Mangel an Fett gab es im
Deutschen Reich während des Kriegs keine ernsthaften Ernährungsprobleme.
Zur Versorgung der deutschen Bevölkerung wurden die besetzten
Gebiete rücksichtslos ausgebeutet und der "Tod durch
Verhungern" in Osteuropa gezielt herbeigeführt.
Juden hingegen erfuhren auch im Bezugssystem von Nahrungsmitteln und
Textilien starke Diskriminierungen und öffentliche Demütigungen;
gegenüber der nichtjüdischen Bevölkerung erhielten
Juden für ihre Lebensmittelkarten in den für sie bestimmten
Läden deutlich weniger Kalorien zugeteilt. Verfolgung und
Entrechtung von Juden hatten mit Kriegsbeginn in Deutschland an
Schärfe deutlich zugenommen. Eine medizinische Versorgung
existierte für Juden nur noch in Ansätzen. Schrittweise
verboten wurde ihnen der Besitz von Radio- und Telefongeräten,
Kraftwagen oder das Halten von Haustieren. Um sich als jüdischer
"Reichsfeind" öffentlich zu erkennen zu geben,
musste ab dem 19. September 1941 jeder Jude ab dem sechsten
Lebensjahr einen gelben Stern deutlich sichtbar auf der Kleidung
tragen. Der Krieg führte nicht nur zu einer Verschärfung
des innenpolitischen Terrors, sondern er diente schließlich
auch als "Deckmantel" für die Ermordung von
Juden, Sinti und Roma sowie von Behinderten im Rahmen der "Euthanasie".
Aus Sorge vor sozialen Unruhen und sinkender Kriegsmoral sollten
den "arischen" Deutschen hingegen bewusst nur mäßige
Opfer abverlangt und so lange wie möglich eine "Normalität"
des Alltagslebens aufrecht erhalten werden. Zur Befriedigung materieller
Bedürfnisse wurde die Produktion der Konsumgüterindustrie
kaum gedrosselt. Die vorbereitete wirtschaftliche Mobilmachung
und generelle weibliche Dienstverpflichtungen unterblieben in
den ersten Kriegsjahren. Das Arbeitspotential der Frauen blieb
im Gegensatz zu Großbritannien und den USA relativ ungenutzt.
Mit 14,9 Millionen erwerbstätigen Frauen im September 1944
wurde der Vorkriegsstand vom Sommer 1939 nur um 300.000 Frauen
übertroffen.
Der Arbeitskräftebedarf deckte sich vor
allem durch allgegenwärtige Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene,
jedoch auch durch Umschichtungen weiblicher Arbeiterinnen von
stillgelegten oder kriegsunwichtigen Betrieben in die Land- und
Kriegswirtschaft sowie junger Berufsanfängerinnen in den
Verwaltungssektor. Für weibliche Jugendliche ab 18 Jahren
wurde 1939 der sechsmonatige Reichsarbeitsdienst (RAD)
verpflichtend. Ab August 1941 verlängerte sich der RAD um
ein halbes Jahr "Kriegshilfsdienst" im Luftschutz,
in sozialen Einrichtungen, Krankenhäusern, kinderreichen
Familien oder Verkehrsbetrieben. "Auf allen Lebensgebieten,
wo es an Männern fehlt, hat die Frau den Mann zu vertreten",
wie es offiziell hieß und propagandistisch
dokumentiert wurde. Im öffentlichen Dienst beschäftigte
Frauen waren dabei ab Oktober 1939 ihren männlichen Kollegen
im Lohnniveau ebenso gleichgestellt wie Akkordarbeiterinnen in
den Rüstungsbetrieben ab 1940.
Höhere Löhne, verbesserte
Arbeiter- und Mutterschutzgesetze oder massive staatliche Wohlfahrtsleistungen
sollten die Stabilität der "Heimatfront" trotz
stufenweiser Erhöhung der wöchentlichen Arbeitszeit
von 48 auf 50 oder mehr Stunden und verschlechterter Lebensbedingungen
aufrechterhalten.
Im Zweiten Weltkrieg verstärkte sich der Zugriff auf die
Jugendlichen, deren Alltag immer weniger von der Schule an sich bestimmt
wurde. Alljährlich wurden Kinder und Jugendliche während des Krieges klassenweise zum Ernteeinsatz verpflichtet.
Zu ihrem Alltag gehörten nunmehr auch das Auflesen von Kartoffelkäfern oder von den von alliierten Flugzeugen
abgeworfenen Brandplättchen sowie Verladedienste und die Verteilung
von nationalsozialistischem Propagandamaterial. Vielfältigen Sammelaktionen waren über die Schulen oder die Hitler-Jugend (HJ) organisiert. Sie sollten die Opferbereitschaft der
Deutschen und den Geist einer solidarischen "Volksgemeinschaft"
beschwören. Alltägliche Erscheinungen im Straßenbild
waren die Sammlungen für das Kriegswinterhilfswerk
oder die "Schulaltstoffsammlungen", bei denen die Angehörigen der HJ Altpapier, Spinnstoffe oder Metalle
sammelte. Ab April 1940 riefen die Behörden regelmäßig
zur "Metallspende" für die Rüstungsbetriebe
auf. Erfrierungen von Wehrmachtssoldaten an der Ostfront führten ab dem Winter 1941/42 zu Sammelaktionen von Winterbekleidung und Decken. Nicht jeder Deutsche gab seinen Mantel oder einen teuren Pelz dabei bereitwillig her.
Radio hören und Lesen gehörten zu den beliebtesten Freizeitbeschäftigungen
von Jugendlichen und Erwachsenen gleichermaßen. Eine Flut
von kriegsverherrlichender Literatur erstreckte sich für
sie in den Buchhandlungen. Über die Volksempfänger
hörten die Deutschen neben den einseitigen Siegesmeldungen
der Wehrmachtsberichte bekannte Schlager wie "Das kann doch
einen Seemann nicht erschüttern" und vor allem "Lili
Marleen ", das wie kein zweites Lied Emotionen weckte
und in den Wunschkonzerten gespielt wurde. Der Unterhaltungsfilm "Wunschkonzert" wurde zu einem der erfolgreichsten Filme der NS-Zeit. Im Mittelpunkt des Films stand die äußerst populäre Radiosendung "Wunschkonzert für die Wehrmacht", das die Verbindung zwischen Heimat und Front aufrechterhalten sollte und in der Grüße und Musikwünsche ausgetauscht oder Geburten den fernen Vätern bekanntgegeben wurden. Jeden Sonntag wurde das "Wunschkonzert" von rund der Hälfte der deutschen Bevölkerung verfolgt.
Obwohl vollbesetzte Stadien geradezu ideale Ziele alliierter Bomber
gewesen wären, gingen wöchentlich hunderttausende Menschen
auf der Suche nach Freizeitvergnügen und Zerstreuung zu Fußballspielen,
auch wenn diese wegen der Gefahr von Luftangriffen häufig
verlegt und recht kurzfristig angesetzt wurden. Zu Zwecken der Propaganda
diente der Fußball allerdings wenig, wie Propagandaminister
Joseph Goebbels nach einer 2:3 Niederlage der deutschen
Nationalmannschaft gegen Schweden im Berliner Olympiastadion am
20. September 1942
in seinem Tagebuch festhielt: Da 100.000 Zuschauer,
denen das Spiel "mehr am Herzen lag als die Einnahme irgendeiner
Stadt im Osten", das Stadion deprimiert verließen,
"müßte man für die Stimmung im Inneren eine
derartige Veranstaltung ablehnen".
Stattdessen sollten beliebte Filmstars der Zeit wie Hans Albers,
Heinz Rühmann,
Willy Birgel,
Hans Moser
oder Marika Rökk die Menschen von ihren Alltagssorgen
ablenken. Schauspielerinnen wie Zarah Leander, Kristina Söderbaum, Anna Dammann
(1912-1993) und vor allem Ilse Werner - die
"Traumfrau" in der ersten Hälfte der 40er Jahre
- genossen Vorbildcharakter, denen viele Frauen trotz Rationierung
von Textilien und Mangel an Kosmetikartikeln im Aussehen nachzueifern
trachteten. Im ersten Kriegsjahr
- in der Saison 1939/40 - wurde im Deutschen Reich erstmals die
Grenze von einer Milliarde Kinobesucher überschritten.
In den Kinos liefen zumeist bewusst unpolitische
Unterhaltungsfilme, viele Publikumserfolge wie "...reitet für Deutschland" (1941) transportierten jedoch unterschwellig auch eine eindeutig politische Botschaft. Klassiker wie "Münchhausen" (1943) oder
"Die Feuerzangenbowle" (1944)
dienten in den letzten Kriegsjahren, als die vor dem Hauptfilm
gezeigte "Wochenschau" für die Deutschen nur noch wenig
Erfreuliches von den Fronten zu berichten hatte, immer häufiger
der Zerstreuung.
Die Luftsirenen in den Großstädten ertönten ab
1942 häufiger, Verdunklungen waren an der Tagesordnung, und
immer öfter mussten Menschen in drangvoller Enge zermürbende
Nächte in Luftschutzräumen oder Hauskellern verbringen.
Der nach den Luftangriffen anschließend tagelang über
der Stadt liegende Geruch von Feuer, verbranntem menschlichem
Fleisch und Fäulnis war ihnen auch Jahre nach Kriegsende
noch präsent. Vom Luftschutz angebotene "Volksgasmasken" sollten Schutz vor der gefürchteten Rauchentwicklung nach Angriffen bieten.
Die Kinderlandverschickung (KLV) und
Evakuierungsmaßnahmen ganzer Familien nahmen ebenfalls an
Ausmaß zu, allein 1943 verließen über 700.000
Berliner die Reichshauptstadt. Zehntausende Ausgebombter mussten
in Notquartieren untergebracht und von der NS-Volkswohlfahrt
(NSV) unterstützt werden. Um Papier zu sparen, erschienen
zahlreiche Zeitungen und Illustrierte mit Durchhalteparolen nur noch in Sonderausgaben, oder ihr Erscheinen wurde vollständig
eingestellt. Verschiedene Waren konnten allein auf dem Schwarzmarkt
erworben werden, der als "Kriegswirtschaftsverbrechen"
drastisch bestraft wurde, aber dennoch blühte. Missstimmungen
gegen die als privilegiert geltenden "Parteibonzen"
der NSDAP nahmen zu, und auch Adolf Hitler wurde davon nun nicht
mehr ausgenommen. Den Weg in den aktiven Widerstand fanden
allerdings nur wenige Deutsche.
Wurden Hitler nach dem deutschen Sieg über "Erbfeind"
Frankreich im Sommer 1940 von den meisten Deutschen geradezu
abgöttische Sympathien zuteil, so zweifelten im weiteren
Kriegsverlauf - als die Gefallenenlisten bisher unbekannte Ausmaße
annahmen - immer mehr "Volksgenossen" am "Geschick
des Führers". Nach der Kapitulation der 6. Armee in
Stalingrad im Februar 1943 und der sich unmittelbar anschließenden
deutsch-italienischen Niederlage im Afrikafeldzug veränderte
sich die Stimmungslage im Deutschen Reich dramatisch. Die Moral
in der Bevölkerung sank rapide, und Zweifel am "Endsieg"
wurden laut, die - wenn sie in der Öffentlichkeit fielen
- mit drakonischen Strafen belegt wurden. Kriegsmüdigkeit
und Defätismus nahmen spürbar zu, zugleich aber auch
die Angst, dafür denunziert und drastisch bestraft zu werden.
Die Ausrufung des "Totalen Krieges" durch Goebbels wenige
Tage nach der Niederlage in Stalingrad im Berliner Sportpalast
am
18. Februar 1943 sollte die Mobilisierung sämtlicher materiellen
und personellen Ressourcen zur Folge haben.
Ende Juli 1944 wurden alle "kriegsunwichtigen" Betriebe und Geschäfte geschlossen. Der NS-Staat verpflichtete nun große Teile der Bevölkerung zur Arbeit in der Rüstungsindustrie. Fast alle waffenfähigen Männer waren in der Wehrmacht,
in der Waffen-SS oder bei Polizeieinheiten.
Die Sorgen der Deutschen
galten nun nicht mehr allein dem Wohlergehen des erwachsenen Familienmitgliedes
an der Front, sondern im zunehmenden Maße auch dem noch
halbwüchsigen Sohn oder Bruder. Immer häufiger stellten
Schulen das am 8. September 1939 eingeführte Notabitur aus,
ein Abgangszeugnis, das bei Einberufung zum Militär als Reifezeugnis
diente. 14- bis 18-jährige Hitlerjungen wurden in Wehrertüchtigungslagern
in Militärtaktik unterrichtet und an Waffen ausgebildet.
Mit der Erweiterung der Wehrpflicht ab August 1943 wurden auch
Jungen unter 18 Jahren direkt aus den Lagern in die Wehrmacht
eingezogen. Bereits 15-Jährige mussten ab 1943 die zur
Front abkommandierten Flaksoldaten als "Luftwaffenhelfer"
ersetzen, häufig mit tödlichem Ausgang. Mit Einberufung
des Volkssturms im Herbst 1944 standen die Halbwüchsigen
schließlich mit der Waffe in der Hand dem Feind auch unmittelbar
gegenüber.
Angst bestimmte in den letzten Kriegsmonaten den Alltag von Millionen
Deutschen, die einer ungewissen Zukunft entgegenblickten. Die
jahrelange hasserfüllte Propaganda gegen die "Bolschewisten" wirkte,
und die Verbrechen schlugen zurück auf die Deutschen. Aus
Angst vor der Roten Armee setzten sich ab Oktober 1944 aus Ostpreußen
und Schlesien gewaltige Flüchtlingstrecks nach Westen
in Bewegung,
nachdem von Rotarmisten an der deutschen Zivilbevölkerung
begangene Grausamkeiten wie Ermordung, Verschleppung oder Vergewaltigung bekannt geworden waren.
Im Westen des Reiches hingegen wurden Briten und Amerikaner zumeist
freundlich begrüßt, weniger als "Befreier"
vom NS-Regime, sondern aus Erleichterung darüber, dass
sie vor der Roten Armee als Besatzer einrückten und dass
der verlustreiche Krieg, der rund 3,8 bis 4 Millionen deutschen Soldaten
und 1,65 Millionen Zivilisten den Tod brachte, nun bald ein Ende
haben würde. Angst aber hatten auch die Menschen im Westen,
vor einem Frieden, der Deutschland diktiert werden könnte,
und vor Strafen für begangene Verbrechen der Deutschen in
Europa. "Genießt den Krieg, denn der Friede wird schrecklich",
dieser in den letzten Kriegsmonaten vor allem unter NS-Funktionären
kursierende Spruch brachte die Stimmung bei zahlreichen Deutschen
zynisch zum Ausdruck.
Nicht selten herrschte im Frühjahr
1945 eine sonderbar bizarre Weltuntergangsstimmung, und jene bis
dahin auch materiell Privilegierten wie Funktionäre oder
Offiziere zelebrierten sie mit Alkoholorgien, während ein
Großteil der Bevölkerung vor allem in den Städten
und Flüchtlinge Mühe hatten, satt zu werden oder ein
Dach über den Kopf zu finden.
Das Kriegsende am 8. Mai 1945 verringerte die tägliche Not der Bevölkerung zunächst
nur unwesentlich. Unter gewaltigen Kriegszerstörungen und Hunger hatte sie zum Teil noch Jahre zu leiden.
(as)
Persönliche Erinnerungen an das Alltagsleben im Krieg:
Ilse Schier-Weimann: Berlin im Krieg
Jutta Schneider: Im KLV-Lager in Berchtesgaden
Werner Mork: Kriegsalltag 1939
Werner Mork: Heimaturlaub 1943/1944
Margarete Schleede: Dienstverpflichtet 1944
Margarete Schleede: Typhus 1945
Wolfgang Herchner: Luftwaffenhelfer 1944
Ingetraud Lippmann: Letzte Weihnacht in Königsberg 1944
Traute Pagel:Alltag in Danzig 1944
Josepha von Koskull: Kriegsalltag und Kriegspropaganda
Ursula Sabel: Reichsarbeits- und Kriegshilfsdienst
Weitere Beiträge aus dem Kollektiven Gedächtnis zum Kriegsalltag 1939 bis 1945