Wenige Wochen nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion
1941 begann auf Befehl des Reichsführers der Schutzstaffel
(SS) und "Chefs der deutschen Polizei", Heinrich
Himmler, der Bau eines "Kriegsgefangenenlagers
der Waffen-SS" in dem Lubliner Vorort Majdan Tatarski. Dort
sollte die zentrale Militärverpflegungsbasis für die
im Osten geplanten SS-Dienststellen und -Wirtschaftsunternehmen
entstehen. Für den Bau und Betrieb der Wirtschaftsunternehmen
beschloss die SS, die erwarteten sowjetischen Kriegsgefangenen
als Arbeitskräfte einzusetzen. Die Wehrmacht schien
jedoch nicht in der Lage oder willens zu sein, die dringend benötigten
Arbeitskräfte in ihren Kriegsgefangenenlagern am Leben zu
halten. Der Großteil der Gefangenen kam dort aufgrund der
katastrophalen Bedingungen ums Leben, so dass nur wenige
Rotarmisten nach Majdanek überstellt wurden. Zudem konnten
dringend benötigte Baumaterialien für das Lager in Lublin
infolge kriegsbedingt stark beschränkter Transportwege nicht
geliefert werden. So scheiterte das Vorhaben Heinrich Himmlers,
das Kriegsgefangenenlager weiter auszubauen, und Majdanek blieb
ein Provisorium.
Nach einem Befehl Himmlers vom 19. Juli 1942, der die Räumung
der Ghettos im Generalgouvernement bis Ende des Jahrs vorschrieb,
wies die SS zahlreiche Juden aus der Region Lublin sowie Bewohner
der Warschauer und Bialystoker Ghettos in das Lager ein.
Nur wenige Juden sollten, in Zwangsarbeiterlagern der Rüstungsindustrie
zusammengefasst, zunächst am Leben gelassen werden.
Darüber hinaus wurden slowakische, tschechische und slowenische
Juden sowie Polen nach Majdanek deportiert.
Im Februar 1943 wurde Majdanek in "Konzentrationslager
Lublin" für polnische politische Häftlinge und
Juden umbenannt und entwickelte sich darüber hinaus zur Sammelstelle
für die im Zuge der Kolonisierungs- und Repressionsaktionen
deportierte Landbevölkerung aus Polen und der Sowjetunion.
Die KZ-Insassen wurden hauptsächlich in den "Deutschen
Ausrüstungswerken" (DAW) und den SS-Bekleidungswerken
zur Verarbeitung des Eigentums der ermordeten Juden für den
Frontbedarf eingesetzt. Häftlinge, deren Arbeitskraft die
SS nicht oder nicht mehr nutzen konnte, ermordete sie ab Oktober
1942 in einer neu errichteten Gaskammer. Zur Verbrennung der Leichen
ließ die Lagerverwaltung im September 1943 ein neues Krematorium
mit fünf Brennöfen bauen.
Nach Aufständen in den Vernichtungslagern Sobibor
und Treblinka erschoss die SS in Majdanek aus Sorge
vor weiteren Unruhen im November 1943 rund 17.000 Juden innerhalb
weniger Stunden im Rahmen der "Aktion Erntefest". Weitere
unzählige KZ-Insassen starben an Hunger, Krankheiten und
den harten Arbeitsbedingungen.
Als sich die Rote Armee im Frühjahr 1944 im Vormarsch auf
das Lager befand, wurden etappenweise mehrere Hundert Häftlinge
nach Auschwitz überstellt und die anderen auf einen
"Todesmarsch" geschickt. Um keine Spuren ihrer
Verbrechen zu hinterlassen, vernichtete die Lagerverwaltung alle
wichtigen Dokumente und setzte das Lager in Brand. Die Gaskammern
und ein Großteil der Gefangenenbaracken konnten aus Zeitmangel
nicht mehr zerstört werden. Am 23. Juli 1944 wurde Majdanek
als erstes nationalsozialistisches Konzentrations- und Vernichtungslager
von den Sowjets befreit. Mindestens 78.000 Menschen, darunter bis zu 60.000 Juden, sind im KZ Lublin
ums Leben gekommen.
Im November 1944 wurde auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrations-
und Vernichtungslagers das "Staatliche Museum Majdanek"
eingerichtet, das heute eine Dauerausstellung zur Lagergeschichte
sowie ein Archiv beherbergt.
(jo)